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Samstag, 8. Dezember 2018

Von der Kraft eigener innerer Bilder, von reisenden Zwei- und Vierbeinern und der Freundschaft, die Einsamkeit überwindet...

"Lass dich nicht unterkriegen;
sei frech und wild und wunderbar."

Astrid Lindgren

(Aus: Pippi Langstrumpf)








Ursprünglich wollte ich hier vor zwei Wochen etwas zum Bundesweiten Vorlesetag schreiben. Aber wie immer, wenn ich mich nach einem bestimmten Tag im Kalender ausrichten will, geht es schief. Vielmehr fällt mir selten etwas Gescheites dazu ein. Versteht mich richtig: Es ist gut, dass es diesen Tag gibt, der uns daran erinnert, wie wichtig es ist, dass die Kleinen von den Großen vorgelesen bekommen. Aber bei diesem Tag darf es nicht bleiben. Kinder sollten jeden Tag vorgelesen bekommen! So wie Menschen das ganze Jahr über versuchen sollten, sich gegenseitig eine Freude zu machen, nicht nur an Weihnachten. Denn auch dieses Fest steht wieder vor der Tür. Natürlich sind die dunklen Abende im Herbst und Winter - und gerade jetzt in der Adventszeit auch zum Vorlesen wie geschaffen.




Vorgelesen habe ich dann in der Tat. Nicht am Vorlesetag, da habe ich nur zugehört. Aber kurz darauf hatten wir einen Kinder-Flohmarkt, dort haben wir uns einen Nachmittag lang herrlich mit schaurigen und witzigen Gespenstergeschichten gegruselt und viel gelacht. Eine davon, die von Rupp Rüpel, dem grausigsten Gespenst von ganz Småland, findet ihr in den Märchen von Astrid Lindgren, die vielleicht nicht ganz so bekannt sind wie Pippi, Michel, Ronja oder Karlsson vom Dach, aber sich gerade deshalb lohnen, wiederentdeckt zu werden.

Astrid Lindgren:

Märchen

Mit teilweise farbigen Illustrationen von Ilon Wikland
Aus dem Schwedischen von Senta Kapoun & Hedwig Kronnerwetter / Anna-Liese Kornitzky / Karl Kurt Peters
Hamburg 1989 (Oetinger)
17,00 €
ISBN-13: 978-3-7891-2947-6

Überall im Buchhandel





Astrid Lindgren wird für mich immer die wichtigste Autorin bleiben, nicht nur weil ich ihre Bücher sehr liebe und immer wieder gern lese. Nein, auch weil sie diejenige ist, die sich stets dafür stark gemacht hat, dass Kinder Kinder sein dürfen. Dass sie ein Recht darauf haben, ungestört zu spielen und sich in der freien Natur zu bewegen. Dass sie ein liebevolles Zuhause brauchen und vor Gewalt geschützt werden müssen. Und dass Kinder Bücher brauchen! Sie hat einmal gesagt - vor 40 Jahren, als sie in Frankfurt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels bekam:

"Alles, was an Großem in der Welt geschah, vollzog sich zuerst in der Phantasie eines Menschen, und wie die Welt von Morgen aussieht, hängt in großem Maß von der Einbildungskraft jener ab, die gerade jetzt lesen lernen." 

Damit meinte sie, dass wir beim Lesen lernen, uns unsere eigenen Bilder zu schaffen, uns etwas vorzustellen. Menschen, die das schon als Kinder lernen, können auch eine Vorstellung davon entwickeln, wie eine bessere Welt aussehen könnte und was dafür verändert werden muss.

Fernsehen und elektronische Spiele können natürlich auch Spaß machen, aber sie lassen im Kopf und im Herzen kaum mehr Platz für eigene Gedanken. Wer seine Zeit nur vor Apparaten verbringt, hat am Ende des Tages den Kopf voller fertiger Bilder, die andere Menschen sich ausgedacht haben und schafft es nur noch schwer, sich selbst etwas auszudenken. Aber ihr wollt ja die Welt mitgestalten und nicht nur tun, was euch irgendjemand sagt! Denn Mitgestalten bedeutet Freiheit! Und deshalb ist es wichtig, viel zu lesen und selbst nachzudenken. Und das Gedachte zum Ausdruck bringen. Selbst etwas erzählen. Oder schreiben. Oder eigene Bilder malen, etwas Eigenes erfinden, basteln oder bauen. Oder Musik machen, seine Gedanken und Gefühle in Klänge verwandeln. Allein für sich und gemeinsam mit anderen. Beides ist wichtig!





Hansestadt Lübeck - An der Untertrave
Dieser Herbst war für mich wieder einmal ein Reiseherbst. Meine Fahrt hatte - wie so oft - meine geliebte Ostsee zum Ziel, aber zuvor machte ich Halt in der Lüneburger Heide und in Lübeck, der Stadt der vielen Türme und des Marzipans. Die Stadt liegt ganz von Wasser umgeben und im Hansahafen an der Untertrave könnt ihr alte - oder wie man sagt: historische - Segelschiffe bewundern, wie hier die "Lisa von Lübeck".






Lisa von Lübeck

Lübeck - Holstentor
Das Lübecker Holstentor ist das berühmteste Stadttor Deutschlands und war früher auf der Rückseite von 50-Mark-Geldscheinen zu bewundern. Die Türme links gehören zur Marienkirche, der Turm auf der rechten Seite ist der von St. Petri. Von dessen Plattform hat man einen tollen Rundblick über die ganze Stadt und muss dazu nicht einmal Treppen steigen. Ein Aufzug führt hinauf. Obwohl ich selbst es sehr spannend finde, über Treppen auf Kirchtürme zu steigen. Aber es ist natürlich toll, wenn es einen Aufzug gibt! So können auch Menschen, die durch eine Verletzung oder Behinderung nicht ganz so beweglich sind, die schöne Aussicht genießen, selbst im Rolli.

Lübeck - Holstentor von der Stadtseite


Lübeck - Theaterfigurenmuseum im Kolk
In einer engen Gasse in der Nähe der Petrikirche gibt es ein Figurentheater und auch ein Theaterfigurenmuseum.

Ich wäre sehr gern hineingegangen, aber es hat leider für längere Zeit wegen Umbaus geschlossen. Allerdings entsteht dort wohl etwas wirklich Tolles und wir dürfen auf die Zeit gespannt sein, wenn einmal alles fertig ist!












Fenster zum Lübecker Figurentheater


Das Lübecker Figurentheater im Kolk
Der Spielplan des Figurentheaters selbst jedoch läuft zunächst noch weiter und bietet am Wochenende Aufführungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Mehr dazu findet ihr unter:

https://www.figurentheater-luebeck.de/.

Vielleicht findet ihr ja Zeit für einen Besuch, wenn ihr irgendwann mal nach Lübeck kommt.

Meine eigene Zeit war leider zu kurz, denn ich wollte ja weiter auf die Insel Rügen und nach Kranichen, die dort gern auf ihrem Flug in den Süden rasten, Ausschau halten. Und - siehe da!








Allabendlich bot sich ein großartiges Schauspiel, wenn sich die "Vögel des Glücks" von den Feldern, auf denen sie den ganzen Tag nach Nahrung gesucht hatten, in die Lüfte erhoben und sich auf den Weg machten zu ihren Schlafplätzen im flachen Boddengewässer zwischen den Halbinseln.

Mit nassen Füßen zu schlafen, macht einem Kranich nichts aus. Der Wasser-Schlafplatz im Schilf schützt ihn vor Fressfeinden wie zum Beispiel dem Fuchs, der sich nicht so gerne nasse Pfoten holt und dann doch lieber verzichtet und nach Mäusen Ausschau hält.


Und so erlebte ich dort den schönsten Sonnenuntergang - mit Kranichen und Schwänen!














Tiere unterwegs auf Reisen sind gar keine Seltenheit und der Vogelzug im Frühling und Herbst ist nur ein Beispiel. Zu Land, zu Wasser und in der Luft sind Tiere aus vielerlei Gründen unterwegs. Wer mehr darüber erfahren möchte, wird an diesem Bilderbuch Freude haben:

Laura Knowles, Chris Madden

Unser Weg so weit

Kleine Geschichten von großen Tierreisen

München 2018 (arsEdition)
ISBN: 978-3-8458-2886-2
16,00 €

Überall im Buchhandel


 


Aussicht vom Königsstuhl auf Jasmund / Insel Rügen
Und auch wir Menschen reisen. Manche von uns, weil sie es müssen, weil sie auf der Suche nach Schutz und Sicherheit sind. Andere reisen, weil sie es wollen. Dass es ein Glück ist und kein Verdienst, reisen zu dürfen und nicht zu müssen, ist mir bewusst. Ich bin dankbar dafür und weiß, dass es nicht selbstverständlich ist.

An den Kreidefelsen von Rügens Nord- und Ostküste hatte inzwischen Maler Herbst den Pinsel geschwungen und geradezu unwirkliche Bilder gezaubert.



Kreidefelsen an der Viktoria-Sicht auf Jasmund / Insel Rügen


Der Königsstuhl auf Jasmund / Insel Rügen
Bunte Wälder, weiße Klippen, blaues Meer... - fehlt noch etwas?

Ach ja! Leuchttürme!










Die Leuchttürme von Kap Arkona

Das Kap Arkona mit seinen zwei Leuchttürmen am nördlichsten Punkt der Insel Rügen ist ein ganz besonderer Ort. Der kleine Turm ist der ältere von beiden und wurde vor fast 200 Jahren erbaut. Im Jahr 1901 wurde dann der große Turm neben den kleinen gesetzt, sein Licht sollte mehr Reichweite bekommen. Er ging 1905 in Betrieb und gibt bis heute Schiffen draußen auf dem Meer Orientierung.

Im kleinen Turm gibt es heute interessante Ausstellungen und ein Trauzimmer, in dem geheiratet werden kann. Ein Stück entfernt steht noch ein etwa hundert Jahre alter Marinepeilturm. Das Besteigen der Türme lohnt immer, sie alle bieten einen herrlichen Ausblick über Land und Meer und obwohl sie nah beieinander stehen, ist jede Aussicht immer wieder ein bisschen anders.





Der Marinepeilturm von Arkona
Aber schließlich wurde es auch für mich Zeit, wieder gen Süden aufzubrechen.

Der Heimweg führte mich über Jena, wo ich mir unbedingt noch Schillers Gartenhaus anschauen wollte. Da dieses damals nicht gut zu heizen war, wurde es nur als  Sommerhaus genutzt, in das die Familie des Dichters jeden Frühling aus ihrer Stadtwohnung umsiedelte. Die Schillers waren nicht reich und konnte es sich nicht leisten, zwei Häuser mit Möbeln auszustatten. Deshalb wurden die Möbel stets mitgenommen. Ein Riesenumzug also, zweimal im Jahr! Das stelle ich mir ganz schön anstrengend vor!








Schillers Gartenhaus in Jena

Der Garten ist wunderschön angelegt und offen für alle. An seinem anderen Ende befindet sich ein runder, steinerner Tisch, an dem Schiller oft mit seinem Dichterfreund Goethe gesessen und Gespräche geführt hat. Es fühlt sich schon ganz besonders an, dort zu sitzen!

Besonders fasziniert hat mich der große Feldahornbaum, der an diesem Tag in der herbstlichen Mittagssonne den Garten in herrliche Goldtöne tauchte.











Doch irgendwann geht auch der schönste Reise-Herbst einmal zu Ende und wir müssen uns für den Winter einrichten. Dazu brauchen wir Bücher, das ist ja klar!

Ein großes Vorlesebuch erschien pünktlich zum Vorlesetag und bietet eine bunte Sammlung an Geschichten von verschiedenen Autorinnen und Autoren. Hier dürfte jede und jeder fündig werden!

Paul Maar / Kirsten Boie / Elisabeth Zöller u.a.:

Komm mit ins Land der Fantasie

Das große Vorlesebuch

Hamburg 2018 (Ellermann)
EUR 30,00
ISBN-13: 978-3-7707-0097-4

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Ein zauberhaftes Bilderbuch mit einer sehr berührenden Geschichte, die - obwohl keine Weihnachtsgeschichte im eigentlichen Sinn - gut in die Weihnachtszeit passt, ist von

Martin Widmark, Emilia Dziubak:

Als Larson das Glück wiederfand

Aus dem Schwedischen übersetzt von Ole Könnecke

München 2018 (arsEdition)
ISBN: 978-3-8458-2599-1
15,00 €

Überall im Buchhandel

Sie handelt von Einsamkeit und von Freundschaft, die solche überwinden helfen kann.

Dass niemand von euch in diesen Tagen einsam sein muss und jede und jeder von euch einen Ort der Zuflucht und des Friedens findet, das wünscht euch von Herzen - mit allen guten Wünschen für Weihnachten und für das Neue Jahr

Eure Betty

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Vom Wiederfinden der Stille, von Ländern mit viel Schnee - und von manch ungewöhnlicher Freundschaft

Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus ins freie Feld,
Hehres Glänzen, heilges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schnees Einsamkeit
Steigts wie wunderbares Singen –
O du gnadenreiche Zeit!

Joseph Freiherr von Eichendorff



Wieder neigt sich ein Jahr dem Ende zu. Mit diesem einen meiner liebsten Weihnachtsgedichte möchte ich Euch nun einen schönen und friedevollen Jahreswechsel wünschen!

Das Weihnachtsgedicht von Joseph von Eichendorff stammt aus einer Zeit, die etwa 200 Jahre zurückliegt. Eine Zeit, die wir uns heute nur schwer vorstellen können. Keine, in der etwa "alles besser" war, wie manche gerne glauben möchten, o nein! Aber sie kannte mehr Ruhe und Stille. Es war eine Welt ohne Elektrizität und Elektronik. Eine Welt ohne Autos, ohne Computer und ohne Geräte, die Musik abspielen konnten. Wer Weihnachtslieder hören wollte, musste dorthin gehen, wo gesungen wurde und wo Menschen Instrumente spielen konnten. Oder selbst singen oder ein Instrument spielen. Am besten beides! Wer hingegen Ruhe und Stille suchte, der konnte sie noch finden.

Wir können uns diese Stille nicht mehr ganz zurückholen. Aber wir können uns kleine stille Oasen schaffen. Die Augen schließen, uns Gedichte und Geschichten aus anderen Zeiten und Gegenden anhören und in sie eintauchen. Vielleicht sogar ein Gedicht, das uns gut gefällt, auswendig lernen und es uns selbst aufsagen, wann immer es uns danach ist. Und für einen Augenblick unsere laute Welt draußen lassen.

Manchmal hilft uns auch eine schnurrende Katze, um zur Ruhe zu kommen. Bei uns hat Lisa diesen Job übernommen - und sie macht ihn sehr gut!




Skandinavien, das sind die nördlichen Länder Dänemark, Schweden, Finnland, Norwegen und Island, mit wunderschönen Landschaften, in die wir uns gerne träumen, wenn uns zur Weihnachtszeit der Schnee fehlt.

Dänemark lässt uns sogleich an die Märchen von Hans Christian Andersen denken, wie "Das Mädchen mit den Schwefelhölzchen" oder "Die kleine Meerjungfrau", Schweden kennen wir vor allem aus den bezaubernden Geschichten Astrid Lindgrens, die uns die Abenteuer von Pippi, Michel, Madita oder den Kindern aus Bullerbü immer wieder miterleben lassen, oder auch aus den herrlichen Bilderbüchern von Sven Nordqvists "Pettersson und Findus". In Norwegen spielt "Sofies Welt" von Jostein Garder, ein spannender Roman über die Geschichte der Philosophie. Aus den anderen Ländern fallen uns schon nicht mehr so viele Geschichten ein, obwohl es dort ebenso wunderbare gibt, die hier nur fast niemand kennt. Höchste Zeit also, sie kennenzulernen und zugleich etwas über Weihnachtsbräuche in diesen Ländern zu erfahren!



Esther Kalb (Hrsg.):
Skandinavische Weihnachten

Mit Texten von:
Astrid Lindgren
Sven Nordqvist
Hans Christian Andersen
Selma Lagerlöf u.v.

Hamburg 2016 (Oetinger)
ISBN-13: 978-3-7891-0415-2
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Irgendwann geht die Weihnachtszeit vorüber; die Tage werden schon ab jetzt wieder länger, aber der Winter wird hier in Europa noch eine Zeit andauern. Deshalb braucht es mehr Vorlesegeschichten, weshalb ich Euch hier eine weitere, ganz bezaubernde Geschichtensammlung von bekannten und weniger bekannten Autorinnen und Autoren empfehle:


Barbara Gelberg (Hrsg.):
Einmal, als der Bär ans Meer kam
Die schönsten Vorlesegeschichten mit Bildern von Anke Kuhl und Philip Waechter

Geschichten von Katja Alves, Martin Auer, Zsusza Bánk, Kirsten Boie, Alina Bronsky, Wieland Freund, Josef Guggenmos, Kenneth Graham, Peter Härtling, Finn-Ole Heinrich, Franz Hohler, Janosch, Åsa Lind, Paul Maar, Erwin Moser, Salah Naoura, Christine Nöstlinger, Uri Orlev, Mirjam Pressler, Hilke Rosenboom, Oliver Scherz, Jürg Schubiger, Rafik Schami, Frederik Vahle, E.B. White, Frederik Vahle, Martina Wildner u.v.a.m.

Weinheim 2016 (Beltz)
ISBN: 978-3-407-82169-0
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Um eine ungewöhnliche Freundschaft geht es im nächsten Buch. Ein Leopard und eine Maus? Kann das gut gehen? Lest selbst! "Rigo und Rosa" ist eine berührende Geschichte um das, was Freundschaft ausmacht, begleitet von wunderschönen Zeichnungen.

Lorenz Pauli, Kathrin Schärer:
Rigo und Rosa
28 Geschichten aus dem Zoo und aus dem Leben
Zürich 2016 (Oell Füssli)
ISBN 978-3-7152-0710-0
Überall im Buchhandel









Manche von Euch werden Weihnachten feiern, manche nicht; sie feiern dafür andere Feste im Laufe des Jahres, die ihnen wichtig sind.

Egal, was, wo, wann, mit wem und wie Ihr feiert:

Möge es stets ein friedevolles Fest sein, das Ihr genießen könnt, mit den Menschen, die Ihr lieb habt, mit viel Zeit zum Genießen und Freuen, zum Spielen und Erzählen!

In diesem Sinne wünsche ich Euch schöne Ferien, tolle Feiertage und einen guten Start im Neuen Jahr!

Eure Betty

Sonntag, 21. August 2016

Vom sommerlichen Seele-baumeln-Lassen, Lese-Abenteuern und dem Blick über den eigenen Tellerrand

Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiss,
Das durch den sonnigen Himmel schreitet.
Und schmücke den Hut, der dich begleitet,
Mit einem grünen Reis.


Verstecke dich faul in der Fülle der Gräser.
Weil`s wohltut, weil`s frommt.
Und bist du ein Mundharmonikabläser
Und hast eine bei dir, dann spiel, was dir kommt.


Und lass deine Melodien lenken
Von dem freigegebenen Wolkengezupf.
Vergiss dich. Es soll dein Denken
Nicht weiter reichen als ein Grashüpferhupf.


Joachim Ringelnatz (Sommerfrische)



Einmal wieder hat der Sommer uns eingeholt, fast schon überholt. Für manche von Euch sind die Ferien vielleicht schon vorüber, andere haben noch ein paar Tage davon übrig behalten. Ich selbst finde mich irgendwo dazwischen. Meine Ferien sind kurz, was nicht schlimm ist, weil ich eine Arbeit habe, die mir großen Spaß macht. Gern würde auch ich die Tage am liebsten einfach auf der Wiese verträumen, wie es oben der Dichter Joachim Ringelnatz so schön beschreibt. Aber es gibt natürlich noch andere Dinge, solche, die dringend erledigt werden müssen, und solche, die ich unbedingt tun möchte, wie zum Beispiel: schreiben.

Zu Besuch auf Schloss Ribbeck im Havelland
Verreist war ich in diesem Jahr schon, im Frühsommer, und habe zuerst Herrn von Ribbeck im Havelland besucht, über dessen Birnbaumgedicht von Theodor Fontane ich hier in einem früheren Beitrag schon einmal ausführlich geschrieben hatte. Ihr könnt es dort nachlesen.

Das Schloss im Bild wurde jedoch später erbaut und hat nun gar nichts mehr zu tun mit dem "Doppeldachhaus", das es inzwischen leider nicht mehr gibt. Auch den alten Birnbaum gibt es nicht mehr - Reste von ihm werden in der Dorfkirche aufbewahrt -, aber es wurden im Schlosspark viele neue Birnbäume gepflanzt, und zwar wurden hier ganz verschiedene Birnensorten aus allen Bundesländern Deutschlands zusammengetragen. Im Moment sind diese Baumsetzlinge natürlich noch sehr klein, aber ich denke mir, dass in einigen Jahren stattliche, ansehnliche Birnbäume aus ihnen werden, die helfen, die alte Geschichte lebendig zu halten, und vielleicht besucht Ihr sie ja dann einmal. Oder Eure Kinder und Enkel. Denn Bäume pflanzt man nun einmal nicht für sich selbst, sondern für die nächsten Kinder, die nachwachsen. Dafür dürfen wir uns an alten Bäumen freuen, die andere Menschen - oder manchmal auch Tiere - oder der Wind! - gepflanzt haben, als wir noch lange nicht geboren waren.

Alte Kastanienallee auf der Insel Rügen


Altes Schulzimmer im Schulhaus Ribbeck
An Sehenswertem gibt es in dem kleinen Ort Ribbeck auch noch ein altes Dorfschulhaus mit einem gemütlichen Café, wo Ihr das ehemalige Schulzimmer mit den alten Holzbänken und Schiefertafeln, auf denen viele Eurer Großeltern noch das Schreiben gelernt haben, besichtigen könnt. Solltet Ihr also einmal nach Brandenburg kommen - oder gar in der Nähe wohnen, kann ich Euch einen Besuch dort nur empfehlen!






Süderleuchtturm / Insel Hiddensee
Weiter ging es zu den traumhaft schönen Inseln Rügen und Hiddensee und ihren Leuchttürmen, von denen ich Euch einige "mitgebracht" habe...













Leuchtturm Dornbusch / Hiddensee




Die Leuchttürme von Arkona / Insel Rügen


Kap Arkona / Rügen:
Alter und neuer Leuchtturm


Eine interessante Entdeckung im Ort Vitte auf der Insel Hiddensee war auch die Figurensammlung "Homunkulus", wo es Puppen und Requisiten zu bestaunen gibt, die alle einmal in Theaterstücken der Seebühne Hiddensee mitgespielt haben. 










Außerdem hatte ich unterwegs natürlich wieder viele nette Begegnungen mit Vier- und Zweibeinern...

Pferde auf Hiddensee




Junge Silbermöwe im Hafen Sassnitz auf Rügen



















Freund Kormoran auf Fischfang im Sassnitzer Hafen





Schlummernde Café-Katze

















"Mäh-Arbeiter" als Landschaftspfleger am Kap Arkona




Junger Haussperling im Rügenhof Arkona
Und natürlich konnte ich es auch wieder nicht lassen, in diversen Bücherecken zu stöbern, denn gerade in den Ferien sollte Zeit sein zum ungestörten Lesen und Sich-Vorlesen-Lassen.

So fand ich eine schöne Sammlung mit illustrierten Märchen aus der damaligen DDR, die dieses Jahr neu aufgelegt werde. Viele darin sind alte Bekannte, wie Rotkäppchen, Aschenputtel oder die Bremer Stadtmusikanten, manche wiederum sind hier weniger bekannt, wie zum Beispiel der "Dumme Iwanuschka" aus einem Märchen aus Russland, über dessen Missverständnisse und Missgeschicke ich als Kind schon viel lachen musste.


"Guten Tag, Rotkäppchen", sprach der Wolf
Illustrierte Märchen aus der Zeit der DDR
Weinheim 2016 (Beltz)
ISBN: 978-3-407-77201-5
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Ich bin mit Kinderbüchern aus der DDR aufgewachsen, obwohl ich nicht dort gewohnt habe. Ich kannte das Land damals nur von Besuchen. Meine Mutter kam aus Döbeln in Sachsen und ich hatte dort noch viele Verwandte und Bekannte, mit denen wir uns Pakete hin und her schickten. Sie bekamen von uns Kaffee, Kakao und andere Dinge, die damals dort schwer zu bekommen waren, und sie wiederum schickten Bücher. Gerade in der DDR gab es viele talentierte Illustratoren, also Leute, die sehr schöne Bilder zu den Geschichten gestalteten, und so war ich im Besitz vieler schöner Bilderbücher. Die meisten davon habe ich nicht mehr, umso mehr freue ich mich, dass manche Verlage sie nun neu herausbringen. Somit gehen uns diese Schätze von einst nicht verloren!

Sogar mein allererstes Tier-Bilderbuch habe ich wiedergefunden; es ist natürlich etwas für die Kleinen, aber auch für alle anderen, die schöne Bilderbücher einfach lieben und sammeln:




Elsbeth Friemert/Ingeborg Meyer-Rey (Illustrationen):
Wer kennt meine Tiere
Weinheim 2016 (Beltz)
ISBN: 978-3-407-77121-6

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Einen klassischen Ferienschmöker, der schon früher Kinder begeistert hat, habe ich wiederentdeckt und neu gelesen.

Viel erleben kann, wer eine Reise tut, noch dazu zum ersten Mal allein, wie Emil, der mit dem Zug von Neustadt nach Berlin fährt, um seine Großmutter, seine Tante und seine Kusine "Pony Hütchen" zu besuchen. Unterwegs wird ihm sein Reisegeld gestohlen, für das seine Mutter, die allein mit ihm lebt, lange arbeiten und sparen musste. Da gibt es nur eins: Er muss den Dieb finden und sein Geld wiederbekommen! Was tun? Alleine wäre es wohl schwierig. Aber Emil findet Freunde...

Erich Kästner:
Emil und die Detektive
Berlin 1929
(Dressler)
ISBN-13: 978-3-7915-3012-3

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Was dieses Buch - auch für die Großen - so besonders macht: Es lässt beim Lesen ein Bild des alten Berlin entstehen, mit Pferdekutschen, den ersten Autos und Straßenbahnen, wie wir es sonst nur von wenigen alten Bildern kennen. Und leider leben nicht mehr viele der älteren Menschen, die uns noch davon erzählen könnten. So bleibt dieses Buch ein Klassiker für alle Zeiten und Emils Abenteuer, mit Erich Kästners unvergleichlichem Humor erzählt, lesen sich noch ebenso spannend wie einst.


Wir alle werden nicht jünger - und der Deutsche Jugendliteraturpreis wird 60 Jahre alt! Mit ihm wurden und werden Bücher ausgezeichnet, die nicht nur gut geschrieben und mit schönen Bildern illustriert sind, sondern auch das Verständnis der Menschen füreinander fördern, denn nur mit Interesse aneinander und Respekt voreinander kann es möglich werden, in Frieden zusammenzuleben und Freundschaft zu schließen.

Zu diesem besonderen Geburtstag nun ist ein ganz besonderes Buch erschienen mit preisgekrönten Geschichten aus den zurückliegenden 10 Jahren. Wir finden darin bekannte Autorinnen und Autoren wie Kirsten Boie oder Peter Härtling, aber auch Namen, die es noch zu entdecken gilt. Denn sie kommen aus 5 Kontinenten und zählen zu den besten Kinderbuchschriftstellern der Welt. Und so handeln auch die Geschichten von Kindern aus aller Welt und ihren Schicksalen - und wir werden wieder einmal feststellen, dass alle sich sehr ähnlich sind in ihrem Fühlen und Denken und ihren Träumen - und dass das, was uns allen gemeinsam ist und uns verbindet, sehr viel größer ist, als das, was uns unterscheidet.

Stephanie Jentgens (Hg.):
Was ist los vor meiner Tür?
20 Geschichten der Besten
zum 60. Geburtstag des Deutschen Jugendliteraturpreises
Berlin 2016 (Jacoby & Stuart)
ISBN 978-3-942787-87-1
Überall im Buchhandel

Ich wünsche Euch noch einen schönen verbleibenden Sommer mit vielen spannenden Lese-Abenteuern und einen guten Start in den Herbst!

Viele liebe Grüße

Eure Betty