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Sonntag, 24. Dezember 2017

Vom Warten aufs Christkind - und von guten Wünschen fürs Neue Jahr!

Ach, wie unendlich lang ist heut' der Tag!
Die Kinder zählen jeden Glockenschlag.
Nun endlich doch verglüht hoch über'm Tal
Im Westen sanft der Sonne gold'ner Strahl.

"Sieh, Schwesterlein, nun wird es draußen Nacht;
Schon ist ein gold'nes Sternlein aufgemacht.
Ein zweites jetzt und mehr und immer mehr.
Dort wohnt das Christkind mit dem Engelheer."

Die Kleinste spricht: "Kennt ich nur seinen Stern!
Vom Himmel fliegen säh ich's zu gern;
Doch weiß ich wohl, die Mutter sieht's allein,
Es huscht ganz heimlich in das Haus hinein."

"Horch! Hörst du's knistern?" Und sie atmen kaum,
"Gewiss, das Christkind bringt den Tannenbaum!
Er brennt! Er brennt!" Es fällt ein heller Schein.
Durchs Schlüsselloch ins dunkle Kämmerlein.

Nun spürt man schon der Tanne würz'gen Hauch.
Der Bruder fragt: "Kannst du dein Sprüchlein auch?
Ich hab' mir mein's soeben aufgesagt,
Dass ich nicht stocke, wenn das Christkind fragt."

Die Schwester nickt! - Ein helles Glöcklein klang;
Dem kleinen Pärchen wird so wonnigbang.
Die Tür springt auf; aus grüner Zweige Kranz
Strahlt blendend hell der Weihnachtskerzen Glanz.

Und jetzt zum Tisch! Oh, wie das jauchzt und lacht:
"Oh, sieh nur, was das Christkind mir gebracht!"
Die Wangen glühn, die Augen blitzen klar;
Am Hals der Eltern hängt das frohe Paar.

Nun spielen sie am hellen Weihnachtstisch;
Wie bleiben doch die Äuglein heut' so frisch!
Der Sandmann, der zu früher Zeit sonst naht,
Hat sicher heut verfehlt den rechten Pfad.

Doch endlich ruft die Mutter: "Nun ins Nest,
Damit ihr frisch erwacht am Weihnachtsfest!
Zu Bett! Zu Bett!" Die Lichter löschen aus,
Und Engel halten Wacht am stillen Haus.

Julius Sturm



Betty wünscht allen jungen
und jung gebliebenen LiteraturfreundInnen:
Ein kurzweiliges Warten aufs Christkind,
glückliche und gesegnete Weihnachtstage
und ein friedevolles Neues Jahr 2018!

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Vom Wiederfinden der Stille, von Ländern mit viel Schnee - und von manch ungewöhnlicher Freundschaft

Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus ins freie Feld,
Hehres Glänzen, heilges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schnees Einsamkeit
Steigts wie wunderbares Singen –
O du gnadenreiche Zeit!

Joseph Freiherr von Eichendorff



Wieder neigt sich ein Jahr dem Ende zu. Mit diesem einen meiner liebsten Weihnachtsgedichte möchte ich Euch nun einen schönen und friedevollen Jahreswechsel wünschen!

Das Weihnachtsgedicht von Joseph von Eichendorff stammt aus einer Zeit, die etwa 200 Jahre zurückliegt. Eine Zeit, die wir uns heute nur schwer vorstellen können. Keine, in der etwa "alles besser" war, wie manche gerne glauben möchten, o nein! Aber sie kannte mehr Ruhe und Stille. Es war eine Welt ohne Elektrizität und Elektronik. Eine Welt ohne Autos, ohne Computer und ohne Geräte, die Musik abspielen konnten. Wer Weihnachtslieder hören wollte, musste dorthin gehen, wo gesungen wurde und wo Menschen Instrumente spielen konnten. Oder selbst singen oder ein Instrument spielen. Am besten beides! Wer hingegen Ruhe und Stille suchte, der konnte sie noch finden.

Wir können uns diese Stille nicht mehr ganz zurückholen. Aber wir können uns kleine stille Oasen schaffen. Die Augen schließen, uns Gedichte und Geschichten aus anderen Zeiten und Gegenden anhören und in sie eintauchen. Vielleicht sogar ein Gedicht, das uns gut gefällt, auswendig lernen und es uns selbst aufsagen, wann immer es uns danach ist. Und für einen Augenblick unsere laute Welt draußen lassen.

Manchmal hilft uns auch eine schnurrende Katze, um zur Ruhe zu kommen. Bei uns hat Lisa diesen Job übernommen - und sie macht ihn sehr gut!




Skandinavien, das sind die nördlichen Länder Dänemark, Schweden, Finnland, Norwegen und Island, mit wunderschönen Landschaften, in die wir uns gerne träumen, wenn uns zur Weihnachtszeit der Schnee fehlt.

Dänemark lässt uns sogleich an die Märchen von Hans Christian Andersen denken, wie "Das Mädchen mit den Schwefelhölzchen" oder "Die kleine Meerjungfrau", Schweden kennen wir vor allem aus den bezaubernden Geschichten Astrid Lindgrens, die uns die Abenteuer von Pippi, Michel, Madita oder den Kindern aus Bullerbü immer wieder miterleben lassen, oder auch aus den herrlichen Bilderbüchern von Sven Nordqvists "Pettersson und Findus". In Norwegen spielt "Sofies Welt" von Jostein Garder, ein spannender Roman über die Geschichte der Philosophie. Aus den anderen Ländern fallen uns schon nicht mehr so viele Geschichten ein, obwohl es dort ebenso wunderbare gibt, die hier nur fast niemand kennt. Höchste Zeit also, sie kennenzulernen und zugleich etwas über Weihnachtsbräuche in diesen Ländern zu erfahren!



Esther Kalb (Hrsg.):
Skandinavische Weihnachten

Mit Texten von:
Astrid Lindgren
Sven Nordqvist
Hans Christian Andersen
Selma Lagerlöf u.v.

Hamburg 2016 (Oetinger)
ISBN-13: 978-3-7891-0415-2
Überall im Buchhandel





Irgendwann geht die Weihnachtszeit vorüber; die Tage werden schon ab jetzt wieder länger, aber der Winter wird hier in Europa noch eine Zeit andauern. Deshalb braucht es mehr Vorlesegeschichten, weshalb ich Euch hier eine weitere, ganz bezaubernde Geschichtensammlung von bekannten und weniger bekannten Autorinnen und Autoren empfehle:


Barbara Gelberg (Hrsg.):
Einmal, als der Bär ans Meer kam
Die schönsten Vorlesegeschichten mit Bildern von Anke Kuhl und Philip Waechter

Geschichten von Katja Alves, Martin Auer, Zsusza Bánk, Kirsten Boie, Alina Bronsky, Wieland Freund, Josef Guggenmos, Kenneth Graham, Peter Härtling, Finn-Ole Heinrich, Franz Hohler, Janosch, Åsa Lind, Paul Maar, Erwin Moser, Salah Naoura, Christine Nöstlinger, Uri Orlev, Mirjam Pressler, Hilke Rosenboom, Oliver Scherz, Jürg Schubiger, Rafik Schami, Frederik Vahle, E.B. White, Frederik Vahle, Martina Wildner u.v.a.m.

Weinheim 2016 (Beltz)
ISBN: 978-3-407-82169-0
Überall im Buchhandel

Um eine ungewöhnliche Freundschaft geht es im nächsten Buch. Ein Leopard und eine Maus? Kann das gut gehen? Lest selbst! "Rigo und Rosa" ist eine berührende Geschichte um das, was Freundschaft ausmacht, begleitet von wunderschönen Zeichnungen.

Lorenz Pauli, Kathrin Schärer:
Rigo und Rosa
28 Geschichten aus dem Zoo und aus dem Leben
Zürich 2016 (Oell Füssli)
ISBN 978-3-7152-0710-0
Überall im Buchhandel









Manche von Euch werden Weihnachten feiern, manche nicht; sie feiern dafür andere Feste im Laufe des Jahres, die ihnen wichtig sind.

Egal, was, wo, wann, mit wem und wie Ihr feiert:

Möge es stets ein friedevolles Fest sein, das Ihr genießen könnt, mit den Menschen, die Ihr lieb habt, mit viel Zeit zum Genießen und Freuen, zum Spielen und Erzählen!

In diesem Sinne wünsche ich Euch schöne Ferien, tolle Feiertage und einen guten Start im Neuen Jahr!

Eure Betty

Donnerstag, 24. Dezember 2015

Von kerzenhellen Nächten... - Frohe Weihnachten!

Vom Himmel in die tiefsten Klüfte
Ein milder Stern herniederlacht.
Vom Tannenwalde steigen Düfte
Und hauchen durch die Winterlüfte,
Und kerzenhelle wird die Nacht.

Mir ist das Herz so froh erschrocken,
Das ist die liebe Weihnachtszeit!
Ich höre fernher Kirchenglocken
Mich lieblich heimatlich verlocken
In märchenstille Herrlichkeit.

Ein frommer Zauber hält mich wieder,
Anbetend, staunend muß ich stehn;
Es sinkt auf meine Augenlider
Ein goldner Kindertraum hernieder,
Ich fühl’s, ein Wunder ist gescheh’n.

Theodor Storm (Weihnachtslied)


Euch Lieben allen frohe Festtage und ein glückliches Neues Jahr!


Auf bald!

Betty

Dienstag, 6. Januar 2015

Winterzeit - Lesezeit


"Viele Winter und viele Sommer sah ich gehen. Geduld nur, Geduld! Der Frühling ist nah."

Aus Astrid Lindgrens "Tomte Tummetott"







Auch bei uns hat nun der Winter seinen Einzug gehalten und uns in manchen Gegenden während der Ferien einige Schneetage beschert, die viele Kinder gern zum Rodeln nutzten. Weihnachten ist schon vorüber, ein neues Jahr hat begonnen und heute ist nun bereits der Tag der Heiligen Drei Könige, der Weisen aus dem Morgenland, die sich nach der Erzählung auf den Weg nach Bethlehem gemacht hatten, um nach dem Kind in der Krippe zu schauen. So finden wir derzeit auch in vielen Kirchen schöne Krippen und Krippenlandschaften aufgebaut, die noch während des ganzen Monats Januar bestaunt werden können, denn eigentlich endet die Weihnachtszeit erst am Lichtmesstag, dem 2. Februar, wenn dann wirklich der Frühling nicht mehr allzu fern ist.


Während eines Besuchs bei Freunden am Rhein hatte ich während der letzten Tage Gelegenheit, mir zwei schöne Krippen anzusehen, zum einen Europas größte Wurzelholzkrippe in Rheinbrohl (oben) und die Krippe im Kloster Maria Laach.


Manchmal spricht mich eine Figur besonders an, so ging es mir in Maria Laach mit dem kleinen Hirtenmädchen, das mit seinem Schäfchen auf dem Arm so ganz versunken wirkt. Vielleicht erinnert es mich an mich selbst, denn ich war als Kind überall zu finden, wo es Tiere gab, und trug nur allzu gern die Zicklein einer Tante auf dem Arm herum. Sogar ein Kopftuch trug ich hin und wieder, weil ich sehr oft Ohrenschmerzen hatte. So kann man sich manchmal in einer bestimmten Figur wiederfinden und sich an ihre Stelle versetzen.



Die Winterzeit ist natürlich allerbeste Lesezeit und eignet sich besonders gut, es sich bei einer Tasse Tee oder Kakao mit einem Buch gemütlich zu machen. Im Kindergarten lassen sich die Kinder wie stets gern vorlesen. Eine Wintergeschichte, die sie besonders mochten, ist Tomte Tummetott von Astrid Lindgren mit jenen bezaubernden Bildern von Harald Wiberg, die seit über fünfzig Jahren Kindern und Erwachsenen Freude machen. Sie wollten sie immer wieder hören, weil sie, wie sie sagten, "so schön" sei. Besonders mochten sie auch den sich wiederholenden Vers: "Viele Winter und viele Sommer sah ich gehen...", es schien, als würde er uns allen helfen, ein wenig zur Ruhe zu finden und uns zu entspannen, was heute für Kleine wie Große manchmal gar nicht so einfach ist.

Astrid Lindgren/Harald Wiberg: Tomte Tummetott,
Verlag Friedrich Oetinger, Hamburg, 1960
12,90 €
ISBN: 978-3-7891-6130-8

Link zum Buch: Tomte Tummetott




Astrid Lindgren/Harald Wiberg: Tomte und der Fuchs
Verlag Friedrich Oetinger, Hamburg 1966
12,90 €
ISBN: 978-3-7891-6131-5

Link zum Buch: Tomte und der Fuchs

Von Otfried Preußler, Autor der Geschichten von der kleinen Hexe, dem kleinen Gespenst und dem kleinen Wassermann, von Hörbe und Räuber Hotzenplotz, der im Februar des letzten Jahres leider verstorben ist, gibt es eine Sammlung winterlicher Geschichten, die sich besonders gut für die kalte Jahreszeit eignen. Das Buch lässt uns Wiedersehen feiern mit manchen unserer alten, liebgewonnenen Freunde, enthält aber auch ebenso schöne, weniger bekannte Geschichten.

Otfried Preußler: Winterzeit, tief verschneit
Thienemann Verlag, Stuttgart/Wien 2011
16,95 €
ISBN: 978-3-522-18228-7

Link zum Buch: Winterzeit, tief verschneit 




Viele Kinder lieben Musik, manche singen gern oder spielen ein Instrument. Und vielleicht haben sich manche von Euch schon einmal die Frage gestellt, seit wann es Musik gibt, wie sie in früheren Zeiten entstanden ist und sich entwickelt hat. Die Geschichte der Musik besteht aus vielen spannenden Geschichten, die Rudolf Herfurtner in dem Buch "Ohne Musik ist alles nichts" sehr  lebendig erzählt. Die gebundene Ausgabe des Buches erschien vor sieben Jahren im Hanser Verlag, seit diesem Jahr ist es nun auch als Taschenbuch in der Reihe Hanser bei dtv (Deutscher Taschenbuch Verlag) erhältlich. Empfohlen ist es für Kinder ab 10 Jahren, wobei dies nicht bedeutet, dass sich nicht auch Jüngere schon herantrauen dürfen. Und auch viele Erwachsene lassen sich Geschichte lieber in Geschichten erzählen, als nur in ein Lexikon zu schauen.

Rudolf Herfurtner: Ohne Musik ist alles nichts
Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2015
9,95 €
ISBN: 978-3-423-62591-3

Link zum Buch: Ohne Musik ist alles nichts
 

So wünsche ich Euch und uns einen schönen Lesewinter und ein gutes Neues Jahr 2015!

Bis bald!

Eure Betty