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Samstag, 9. November 2019

Vom Duft vergangener Farben und von der Sehnsucht nach Abenteuern, Reisen und echten Feen...



Es ist ganz stille. Aufrecht steht der Duft
vergangner Farben in den welken Wegen.
Die Himmel halten einen langen Regen
die Blätter gehn auf Stufen durch die Luft.


Rainer Maria Rilke














Es gab eine längere Pause in diesem Blog. Den vergangenen Sommer habe ich übersprungen. Zu groß war er mir, zu heiß und zu laut. Und leider zu sehr mit anderem angefüllt.

Mit dem Herbst nun kommt die Lesezeit. In jeder Hinsicht. Die Neugier auf neu erscheinende Bücher wächst und jede Menge Menschen beschäftigen sich wieder einmal mit dem Thema Lesen. Und so fand nun auch eine Vorlesestudie der Stiftung Lesen erneut heraus, dass Eltern ihren Kindern viel zu selten vorlesen. 

Das erinnerte mich an ein kleines Mädchen, mit dem ich mich vor einiger Zeit auf dem Spielplatz an meiner Schule unterhielt. Ich hatte es zuvor dort noch nie gesehen. Es ging selbst noch in den Kindergarten, wie es mir erzählte, und war gekommen, um ein Geschwisterkind vom Nachmittagsunterricht abzuholen. Wir sprachen über den Schulanfang und das Lesenlernen. Es würde so gern schon lesen können, meinte es. Und wie eben Erwachsene manchmal so daherreden, sagte ich so etwas wie: "Na, das lernst du bestimmt schnell - und bis dahin kannst du dir ja noch vorlesen lassen!" Da sah mich das Mädchen traurig an. "Von wem denn?" Ich fragte: "Wird denn im Kindergarten nicht vorgelesen?" Es schüttelte den Kopf. "Nur manchmal. Wenn die Vorlesepaten kommen. Und oft kommen die gar nicht." - "Und die Erzieherinnen?" - "Nein, die nicht. Die machen andere Sachen mit uns, aber vorlesen tun die gar nicht." Die Mutter des Mädchens, die vom Rand des Spielplatzes unsere Unterhaltung mitverfolgte und sehr müde wirkte, fügte hinzu: "Und zuhause schaffen wir es auch nicht. Auch wenn wir es uns noch so sehr vornehmen. Wir finden einfach keine Zeit." In diesem Augenblick setzte die Schulglocke unserem Gespräch ein Ende.

Zurück blieb ich. Etwas ratlos. Es war ja nichts so Neues, was ich da erfahren hatte. Ich weiß um die vielseitigen Aufgaben der Erzieherinnen und Erzieher im Kindergarten und darum, dass es von ihnen fast überall noch immer zu wenige gibt; ich weiß auch, dass es nicht immer einfach ist, ehrenamtliche Lesepaten zu finden. Ich weiß, wie viele Großeltern selbst noch im Arbeitsleben stehen und ich weiß auch noch, wie es war, selbst als Mutter todmüde von der Arbeit nach Hause zu kommen. 

Ich erinnere mich aber auch daran, dass Lesen - auch das gemeinsame Lesen mit meinem Kind - für mich eher Erholung bedeutete und den Vorrang hatte vor anderen Tätigkeiten. Auch vor dem Fernsehen, dazu war ich meist zu ungeduldig; ich wollte nicht nur dasitzen und aufnehmen, was mir dort serviert wurde. Beim Lesen musste ich selbst aktiv werden, konnte innehalten, wann ich wollte und in Ruhe nachdenken oder träumen, vor- oder zurückblättern. Computer hatten wir damals noch keinen, auch kein Internet. Ein Handy diente nur zum Telefonieren. Niemand hätte geahnt, was ein Handy kurze Zeit später schon alles können würde! Aber aus vielen Büchern, die wir in dieser Zeit gemeinsam gelesen hatten, zitieren Raphi und ich oft noch heute, wenn wir uns treffen und uns gerade etwas daraus in den Sinn kommt, vor allem, wenn es etwas Witziges war! Das passiert oft, ein Stichwort genügt - und wir können immer wieder neu darüber lachen! Auch das zählt zu den gemeinsamen Erinnerungen, die bleiben. Erinnerungen an Erlebtes können ja manchmal ganz unterschiedlich sein und es gibt vieles, woran wir vielleicht nicht so gern zurückdenken. Erinnerungen an Gelesenes jedoch zählen meist zu den schönen Erinnerungen, an denen wir uns aufrichten können, wenn es uns mal nicht so gut geht. 

Ich glaube nicht, dass es heute, hätte ich noch einmal jüngere Kinder, sehr viel anders wäre. Gewiss, heute verbringe ich gern viel Zeit im Internet mit dem Laptop oder Tablet. Zeit zum Lesen nehme ich mir dennoch. Mir würde sonst etwas fehlen! Ich glaube, es ist wichtig, sich die Zeit bewusst zu nehmen. Und vieles, womit ich mich im Internet beschäftige, hat mit dem Thema Lesen zu tun, wie ja auch mein Blog hier.

Noch immer weiß ich wenig über seine Leserinnen und Leser. Schauen hier wirklich Kinder herein? Oder doch mehr deren Eltern und Großeltern? Oder Menschen, die beruflich mit Kindern zu tun haben? Ich weiß es nicht. Zumeist mache ich ja über soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook auf neue Beiträge aufmerksam und dort erreiche ich wohl eher die Erwachsenen.

Jedenfalls habe ich wieder nach Büchern Ausschau gehalten, an denen Kleine und Große gleichermaßen Freude haben können. Gerade das Bilderbuch hat in den letzten Jahren eine beeindruckende Entwicklung genommen, es ist inzwischen zu einer eigenen Kunstform geworden, die ihre Fans in jedem Alter findet.

Kennt ihr das? Jemand ist müde und will nur noch schlafen, der oder die andere hingegen ist so was von hellwach und voller abenteuerlicher Ideen? Ebenso geht es den ungleichen Nachbarn Bär und Ente. Wer von euch sich wohl in dieser witzigen Geschichte wiederfindet und wo?

Jory John/Benji Davies:
Du schon wieder!

Übersetzt von Ebi Naumann
ISBN: 978-3-8489-0169-2
13,00 €
Stuttgart 2019 (Aladin)

Überall im Buchhandel










Der Herbst ist die Zeit des Vogelzugs. Nur Gänserich George gibt vor, nicht gern zu reisen. Er bleibt lieber am Ort. Fragen Freunde nach, gibt er an, viel zu tun zu haben. Aber George hat in Wirklichkeit ein ganz anderes Problem: Er kann nämlich nicht fliegen. Sein technisch begabter Freund Pascal - natürlich mal wieder ein Bär! - lässt sich auf der Suche nach einer Lösung so manches einfallen, doch auch er stößt bald an seine Grenzen. Wie George schließlich doch noch zum Fliegen verholfen werden kann, erzählt diese berührende Geschichte von verlässlicher Freundschaft und Phantasie, die alle Hindernisse überwindet.



Gus Gordon:  

Irgendwohin
oder der Tag, an dem George das Fliegen lernte

Aus dem Englischen von
Gundula Müller-Wallraf

ISBN 978-3-95728-026-8
14, 00 €
München 2018 (Knesebeck)
Überall im Buchhandel

Feengeschichten waren zu allen Zeiten dazu angetan, unsere Phantasie zu beflügeln. Wir versetzen uns ins Jahr 1917 in England. Zwei kleine Mädchen spielen gern im Wald und leben mit den "Geschöpfen des Waldes" in vertrauter Freundschaft. Eines Tages kommen sie auf die Idee, die Feen, die sich nur ihnen zu erkennen geben, zu fotografieren, um sie auch den Erwachsenen zu zeigen. Sie ahnen nicht, welchen Wirbel sie damit auslösen werden! Die Bilder machen überall die Runde, Zeitungen berichten darüber. Arthur Doyle, Autor der Sherlock-Holmes-Bücher, der sich gern mit außergewöhnlichen Erscheinungen beschäftigt, hält die Feenfotos für echt. Viele Menschen beschäftigten sich über viele Jahre mit diesem Rätsel. Erst als die beiden Schwestern schon in hohem Alter waren, gab eine von ihnen zu, dass sie damals für die Fotos selbst gemalte und ausgeschnittene Papierfiguren mit Stecknadeln verwendet hätten. Die Feen selbst seien zu unruhig gewesen, um sich fotografieren zu lassen, denn Fotografieren war damals noch eine aufwändige Sache, die viel Stillhalten erforderte. Dass es die Feen von Cottingley jedoch wirklich gegeben hat, haben beide Frauen ihr Leben lang hoch und heilig versichert! Ihre Geschichte wird nun in diesem bezaubernden Bilderbuch nacherzählt:


Ana Sender:

Die Feen von Cottingley

Aus dem Spanischen von Marianne Gareis

15,00 €
ISBN: 978-3-314-10477-0
Zürich 2019 (Nord-Süd)

Überall im Buchhandel













Für alle Kinder, die ebenso gern im Wald sind, gibt es ein neues Natur-Sachbuch von Peter Wohlleben, den ihr bereits von seinen faszinierenden Büchern über Bäume kennt. Diesmal geht es um Tiere und wieder gibt es jede Menge Wissenswertes und Erstaunliches mit vielen tollen Fotos sowie praktische Tipps für eigene Erkundungen.




Peter Wohlleben:

Weißt du, wo die Tiere wohnen?

Eine Entdeckungsreise durch Wiese und Wald
Illustrationen von Stefanie Reich und Dagmar Herrmann
18,00 €
ISBN: 978-3-7891-0941-6
Hamburg 2019 (Oetinger)

Überall im Buchhandel





Dass ihr mir gut durch den Herbst kommt und euch eure Neugier und den Spaß am Lesen, Lernen und Entdecken immer erhaltet, wünscht euch

Betty


Samstag, 8. Dezember 2018

Von der Kraft eigener innerer Bilder, von reisenden Zwei- und Vierbeinern und der Freundschaft, die Einsamkeit überwindet...

"Lass dich nicht unterkriegen;
sei frech und wild und wunderbar."

Astrid Lindgren

(Aus: Pippi Langstrumpf)








Ursprünglich wollte ich hier vor zwei Wochen etwas zum Bundesweiten Vorlesetag schreiben. Aber wie immer, wenn ich mich nach einem bestimmten Tag im Kalender ausrichten will, geht es schief. Vielmehr fällt mir selten etwas Gescheites dazu ein. Versteht mich richtig: Es ist gut, dass es diesen Tag gibt, der uns daran erinnert, wie wichtig es ist, dass die Kleinen von den Großen vorgelesen bekommen. Aber bei diesem Tag darf es nicht bleiben. Kinder sollten jeden Tag vorgelesen bekommen! So wie Menschen das ganze Jahr über versuchen sollten, sich gegenseitig eine Freude zu machen, nicht nur an Weihnachten. Denn auch dieses Fest steht wieder vor der Tür. Natürlich sind die dunklen Abende im Herbst und Winter - und gerade jetzt in der Adventszeit auch zum Vorlesen wie geschaffen.




Vorgelesen habe ich dann in der Tat. Nicht am Vorlesetag, da habe ich nur zugehört. Aber kurz darauf hatten wir einen Kinder-Flohmarkt, dort haben wir uns einen Nachmittag lang herrlich mit schaurigen und witzigen Gespenstergeschichten gegruselt und viel gelacht. Eine davon, die von Rupp Rüpel, dem grausigsten Gespenst von ganz Småland, findet ihr in den Märchen von Astrid Lindgren, die vielleicht nicht ganz so bekannt sind wie Pippi, Michel, Ronja oder Karlsson vom Dach, aber sich gerade deshalb lohnen, wiederentdeckt zu werden.

Astrid Lindgren:

Märchen

Mit teilweise farbigen Illustrationen von Ilon Wikland
Aus dem Schwedischen von Senta Kapoun & Hedwig Kronnerwetter / Anna-Liese Kornitzky / Karl Kurt Peters
Hamburg 1989 (Oetinger)
17,00 €
ISBN-13: 978-3-7891-2947-6

Überall im Buchhandel





Astrid Lindgren wird für mich immer die wichtigste Autorin bleiben, nicht nur weil ich ihre Bücher sehr liebe und immer wieder gern lese. Nein, auch weil sie diejenige ist, die sich stets dafür stark gemacht hat, dass Kinder Kinder sein dürfen. Dass sie ein Recht darauf haben, ungestört zu spielen und sich in der freien Natur zu bewegen. Dass sie ein liebevolles Zuhause brauchen und vor Gewalt geschützt werden müssen. Und dass Kinder Bücher brauchen! Sie hat einmal gesagt - vor 40 Jahren, als sie in Frankfurt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels bekam:

"Alles, was an Großem in der Welt geschah, vollzog sich zuerst in der Phantasie eines Menschen, und wie die Welt von Morgen aussieht, hängt in großem Maß von der Einbildungskraft jener ab, die gerade jetzt lesen lernen." 

Damit meinte sie, dass wir beim Lesen lernen, uns unsere eigenen Bilder zu schaffen, uns etwas vorzustellen. Menschen, die das schon als Kinder lernen, können auch eine Vorstellung davon entwickeln, wie eine bessere Welt aussehen könnte und was dafür verändert werden muss.

Fernsehen und elektronische Spiele können natürlich auch Spaß machen, aber sie lassen im Kopf und im Herzen kaum mehr Platz für eigene Gedanken. Wer seine Zeit nur vor Apparaten verbringt, hat am Ende des Tages den Kopf voller fertiger Bilder, die andere Menschen sich ausgedacht haben und schafft es nur noch schwer, sich selbst etwas auszudenken. Aber ihr wollt ja die Welt mitgestalten und nicht nur tun, was euch irgendjemand sagt! Denn Mitgestalten bedeutet Freiheit! Und deshalb ist es wichtig, viel zu lesen und selbst nachzudenken. Und das Gedachte zum Ausdruck bringen. Selbst etwas erzählen. Oder schreiben. Oder eigene Bilder malen, etwas Eigenes erfinden, basteln oder bauen. Oder Musik machen, seine Gedanken und Gefühle in Klänge verwandeln. Allein für sich und gemeinsam mit anderen. Beides ist wichtig!





Hansestadt Lübeck - An der Untertrave
Dieser Herbst war für mich wieder einmal ein Reiseherbst. Meine Fahrt hatte - wie so oft - meine geliebte Ostsee zum Ziel, aber zuvor machte ich Halt in der Lüneburger Heide und in Lübeck, der Stadt der vielen Türme und des Marzipans. Die Stadt liegt ganz von Wasser umgeben und im Hansahafen an der Untertrave könnt ihr alte - oder wie man sagt: historische - Segelschiffe bewundern, wie hier die "Lisa von Lübeck".






Lisa von Lübeck

Lübeck - Holstentor
Das Lübecker Holstentor ist das berühmteste Stadttor Deutschlands und war früher auf der Rückseite von 50-Mark-Geldscheinen zu bewundern. Die Türme links gehören zur Marienkirche, der Turm auf der rechten Seite ist der von St. Petri. Von dessen Plattform hat man einen tollen Rundblick über die ganze Stadt und muss dazu nicht einmal Treppen steigen. Ein Aufzug führt hinauf. Obwohl ich selbst es sehr spannend finde, über Treppen auf Kirchtürme zu steigen. Aber es ist natürlich toll, wenn es einen Aufzug gibt! So können auch Menschen, die durch eine Verletzung oder Behinderung nicht ganz so beweglich sind, die schöne Aussicht genießen, selbst im Rolli.

Lübeck - Holstentor von der Stadtseite


Lübeck - Theaterfigurenmuseum im Kolk
In einer engen Gasse in der Nähe der Petrikirche gibt es ein Figurentheater und auch ein Theaterfigurenmuseum.

Ich wäre sehr gern hineingegangen, aber es hat leider für längere Zeit wegen Umbaus geschlossen. Allerdings entsteht dort wohl etwas wirklich Tolles und wir dürfen auf die Zeit gespannt sein, wenn einmal alles fertig ist!












Fenster zum Lübecker Figurentheater


Das Lübecker Figurentheater im Kolk
Der Spielplan des Figurentheaters selbst jedoch läuft zunächst noch weiter und bietet am Wochenende Aufführungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Mehr dazu findet ihr unter:

https://www.figurentheater-luebeck.de/.

Vielleicht findet ihr ja Zeit für einen Besuch, wenn ihr irgendwann mal nach Lübeck kommt.

Meine eigene Zeit war leider zu kurz, denn ich wollte ja weiter auf die Insel Rügen und nach Kranichen, die dort gern auf ihrem Flug in den Süden rasten, Ausschau halten. Und - siehe da!








Allabendlich bot sich ein großartiges Schauspiel, wenn sich die "Vögel des Glücks" von den Feldern, auf denen sie den ganzen Tag nach Nahrung gesucht hatten, in die Lüfte erhoben und sich auf den Weg machten zu ihren Schlafplätzen im flachen Boddengewässer zwischen den Halbinseln.

Mit nassen Füßen zu schlafen, macht einem Kranich nichts aus. Der Wasser-Schlafplatz im Schilf schützt ihn vor Fressfeinden wie zum Beispiel dem Fuchs, der sich nicht so gerne nasse Pfoten holt und dann doch lieber verzichtet und nach Mäusen Ausschau hält.


Und so erlebte ich dort den schönsten Sonnenuntergang - mit Kranichen und Schwänen!














Tiere unterwegs auf Reisen sind gar keine Seltenheit und der Vogelzug im Frühling und Herbst ist nur ein Beispiel. Zu Land, zu Wasser und in der Luft sind Tiere aus vielerlei Gründen unterwegs. Wer mehr darüber erfahren möchte, wird an diesem Bilderbuch Freude haben:

Laura Knowles, Chris Madden

Unser Weg so weit

Kleine Geschichten von großen Tierreisen

München 2018 (arsEdition)
ISBN: 978-3-8458-2886-2
16,00 €

Überall im Buchhandel


 


Aussicht vom Königsstuhl auf Jasmund / Insel Rügen
Und auch wir Menschen reisen. Manche von uns, weil sie es müssen, weil sie auf der Suche nach Schutz und Sicherheit sind. Andere reisen, weil sie es wollen. Dass es ein Glück ist und kein Verdienst, reisen zu dürfen und nicht zu müssen, ist mir bewusst. Ich bin dankbar dafür und weiß, dass es nicht selbstverständlich ist.

An den Kreidefelsen von Rügens Nord- und Ostküste hatte inzwischen Maler Herbst den Pinsel geschwungen und geradezu unwirkliche Bilder gezaubert.



Kreidefelsen an der Viktoria-Sicht auf Jasmund / Insel Rügen


Der Königsstuhl auf Jasmund / Insel Rügen
Bunte Wälder, weiße Klippen, blaues Meer... - fehlt noch etwas?

Ach ja! Leuchttürme!










Die Leuchttürme von Kap Arkona

Das Kap Arkona mit seinen zwei Leuchttürmen am nördlichsten Punkt der Insel Rügen ist ein ganz besonderer Ort. Der kleine Turm ist der ältere von beiden und wurde vor fast 200 Jahren erbaut. Im Jahr 1901 wurde dann der große Turm neben den kleinen gesetzt, sein Licht sollte mehr Reichweite bekommen. Er ging 1905 in Betrieb und gibt bis heute Schiffen draußen auf dem Meer Orientierung.

Im kleinen Turm gibt es heute interessante Ausstellungen und ein Trauzimmer, in dem geheiratet werden kann. Ein Stück entfernt steht noch ein etwa hundert Jahre alter Marinepeilturm. Das Besteigen der Türme lohnt immer, sie alle bieten einen herrlichen Ausblick über Land und Meer und obwohl sie nah beieinander stehen, ist jede Aussicht immer wieder ein bisschen anders.





Der Marinepeilturm von Arkona
Aber schließlich wurde es auch für mich Zeit, wieder gen Süden aufzubrechen.

Der Heimweg führte mich über Jena, wo ich mir unbedingt noch Schillers Gartenhaus anschauen wollte. Da dieses damals nicht gut zu heizen war, wurde es nur als  Sommerhaus genutzt, in das die Familie des Dichters jeden Frühling aus ihrer Stadtwohnung umsiedelte. Die Schillers waren nicht reich und konnte es sich nicht leisten, zwei Häuser mit Möbeln auszustatten. Deshalb wurden die Möbel stets mitgenommen. Ein Riesenumzug also, zweimal im Jahr! Das stelle ich mir ganz schön anstrengend vor!








Schillers Gartenhaus in Jena

Der Garten ist wunderschön angelegt und offen für alle. An seinem anderen Ende befindet sich ein runder, steinerner Tisch, an dem Schiller oft mit seinem Dichterfreund Goethe gesessen und Gespräche geführt hat. Es fühlt sich schon ganz besonders an, dort zu sitzen!

Besonders fasziniert hat mich der große Feldahornbaum, der an diesem Tag in der herbstlichen Mittagssonne den Garten in herrliche Goldtöne tauchte.











Doch irgendwann geht auch der schönste Reise-Herbst einmal zu Ende und wir müssen uns für den Winter einrichten. Dazu brauchen wir Bücher, das ist ja klar!

Ein großes Vorlesebuch erschien pünktlich zum Vorlesetag und bietet eine bunte Sammlung an Geschichten von verschiedenen Autorinnen und Autoren. Hier dürfte jede und jeder fündig werden!

Paul Maar / Kirsten Boie / Elisabeth Zöller u.a.:

Komm mit ins Land der Fantasie

Das große Vorlesebuch

Hamburg 2018 (Ellermann)
EUR 30,00
ISBN-13: 978-3-7707-0097-4

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Ein zauberhaftes Bilderbuch mit einer sehr berührenden Geschichte, die - obwohl keine Weihnachtsgeschichte im eigentlichen Sinn - gut in die Weihnachtszeit passt, ist von

Martin Widmark, Emilia Dziubak:

Als Larson das Glück wiederfand

Aus dem Schwedischen übersetzt von Ole Könnecke

München 2018 (arsEdition)
ISBN: 978-3-8458-2599-1
15,00 €

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Sie handelt von Einsamkeit und von Freundschaft, die solche überwinden helfen kann.

Dass niemand von euch in diesen Tagen einsam sein muss und jede und jeder von euch einen Ort der Zuflucht und des Friedens findet, das wünscht euch von Herzen - mit allen guten Wünschen für Weihnachten und für das Neue Jahr

Eure Betty

Donnerstag, 6. Juli 2017

Von sommerlichen Abenteuern - und Träumen, die Groß und Klein auf Reisen führen...



Sommergedicht

Ich bin der Sommer
In erbsengrünen Hosen
und kirschrotem Wams
ziehe ich lustig einher.
Heb ich den Finger,
blüh'n Rosen.
Heb ich die Hand,
rauscht die Welle im Meer.
Spiel ich die Flöte,
tanzt der Delfin,
duftet's nach Wiesengrün
und Jasmin.

Mascha Kaléko


Ein merkwürdiges Erlebnis fällt mir ein, sobald ich die Gedichte der von mir sehr geliebten Dichterin Mascha Kaléko in ihrer wunderbaren, bilderreichen Sprache lese. Es war mir so gruselig, dass ich lange nicht darüber sprechen konnte, weil es mich so sehr beschäftigt hat. Ich sollte in einer Bibliothek einer Runde zum Teil sehr kleiner Kinder in Begleitung ihrer Eltern Bilderbücher vorstellen. Ich stellte mir das ganz nett vor und freute mich darauf. Niemanden in dieser Runde kannte ich zuvor, ich war also zunächst für die Kinder dort eine Fremde. Dennoch kamen viele sehr schnell zutraulich angekrabbelt und setzten sich in meine Nähe. Ich hatte das Bilderbuch "Schnip" gewählt, die Geschichte eines jungen Vogels, der sich zunächst nicht zu fliegen getraut, aber vielen anderen Tieren hilft und am Ende doch noch zum Helden wird. Kein Buch von der grellen, schrillen Sorte, eher eine ruhige, zärtliche Erzählung in sanften Farben. 


Claudia Lagermann: Schnipp
Illustrationen von Hanneke Siemensma
Aus dem Niederländischen von Andrea Kluitmann
Münster 2015 (Bohem)

ISBN 978-3-95939-015-6
Überall im Buchhandel


Die Kinder waren gewiss noch etwas schüchtern, aber sie hörten interessiert zu und schauten sich die Bilder an. Ab und zu krabbelten sie ein wenig herum, wie das sehr kleine Kinder nun mal gern tun. Das störte mich nicht. Wer würde denn verlangen, dass sie mäuschenstill sitzen blieben? Andere schnuckelten sich ganz entspannt auf den Teppich, eines schlummerte gar ein wenig. Auch das fand ich nicht schlimm, denn ich lese selbst gern Bücher zur Entspannung und nutze sie, um zur Ruhe zu kommen. Es war ein später Nachmittag im Herbst und so ein Tag ist für kleine Kinder, die meist schon in eine Krippe oder einen Kindergarten gehen, lang und anstrengend. Für meine Schulkinder, die ich sonst betreue, hätte ich mir manches Mal gewünscht, dass sie sich so entspannen könnten. Aber ihr wisst ja selbst, wie anstrengend Schule ist! Am Ende sangen wir das Abendlied "Der Mann im Mond" von Mascha Kaléko, das ich selbst sehr gern habe. Die Kinder kannten es noch nicht, deshalb hörten sie erst einmal zu oder summten nur mit. Beim nächsten Mal hätten sie sich gewiss daran erinnert und mitgemacht.

Was soll ich sagen? Es gab kein nächstes Mal. Und es sollte mir übel ergehen! Die Eltern beschwerten sich bei der Bibliotheksleitung. Sie fanden nämlich, das sei ja doch alles viel zu langweilig für ihre Kinder gewesen. Außerdem hätten sie doch etwas lernen sollen! Ja, auch nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr! 


Ich will ehrlich sein: Ich bin leicht zu erschrecken! Ich habe großen Respekt vor Kindern. Es wäre mir nicht in den Sinn gekommen, diese Kleinen, die mich noch gar nicht kannten, um diese Uhrzeit gleich beim ersten Termin zuzukaspern und dann noch zu verlangen, sie müssten jetzt unbedingt alle mitmachen - und womöglich noch alle dasselbe tun! Das aber wurde wohl von mir erwartet. Nun ist das gewiss kein Beinbruch, solche Sachen passieren. Dann war ich eben nicht die Richtige für diese Aufgabe. Ich hatte zu dieser Zeit noch sehr viel anderes um die Ohren, deshalb entschied ich mich, mein Honorar zu spenden und anderen Platz zu machen, die es möglicherweise besser können. Vielleicht war es feige, so schnell aufzugeben? Ich weiß es nicht. Für die Kinder stimmte es mich ein wenig traurig. Ich fühle, dass wir in einer hektischen Zeit leben, wo uns überall "Action" geboten wird. Die viele Elektronik, von der wir umgeben sind, kann großen Spaß machen, aber sie macht uns auf Dauer auch nervös und zapplig, und zwar uns Große ebenso wie die Kleinen. Sich auf etwas Ruhigeres einzulassen, braucht Zeit und Geduld. Und die haben wir kaum mehr, weil unser Kalender so voll ist. Keine Zeit mehr, Bilder einfach nur auf sich wirken zu lassen. Keine Zeit mehr für Gedichte. Oder? 

Wenn ihr anderer Meinung sein solltet, möchte ich euch dazu einladen. Und deshalb habe ich das Bilderbuch hier schließlich doch empfohlen. Ich habe ihm gewiss Unrecht damit getan, dass ich es bislang nicht tat. Es kann nichts für all die Missverständnisse und mein Unbehagen! Und noch weniger kann die Dichterin Mascha Kaléko dafür, diese Malerin mit Worten, die, wenn sie noch leben würde, in diesem Juni 110 Jahre alt geworden wäre! Auf ihr Buch "Träume, die auf Reisen führen" stieß ich in einer meiner Lieblingsbuchhandlungen. Darin findet ihr den "Mann im Mond" und ebenso unser Sommergedicht. Ihre Gedichte laden zum Träumen ein. Vielleicht finden manche Erwachsene das nicht gut. Sie denken, wenn Kinder träumen, lernen sie nichts. Aber ich sage euch: Das ist ein großer Irrtum! Denn wer träumen kann, schafft sich eine reiche innere Welt. Und auf die kann er - oder sie - immer zurückgreifen, auch dann, wenn es in der Außenwelt mal nicht so toll aussieht.

Mascha Kaléko, Eva-Maria Prokop (Hrsg.):
Träume, die auf Reisen führen. Gedichte für Kinder.
Mit Bildern von Hildegard Müller
München 2016 (dtv/Reihe Hanser)
ISBN
978-3-423-64027-5
Überall im Buchhandel



Natürlich blieb es, wie immer, wenn ich mich in eine gute Buchhandlung verirre, nicht bei einem einzigen Gedichtbuch. Ich fand gleich noch ein weiteres und las mich darin fest. Die Gedichtsammlung "Großer Ozean" ist schon etwas älter, aus dem Jahr 2000, wurde 2001 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert und war so erfolgreich, dass sie immer wieder neu aufgelegt wird. Auch hierin finden sich Gedichte für alle - Große wie Kleine - und vielleicht macht es doch Spaß, gemeinsam hineinzuschauen und manches neu und anderes wiederzuentdecken.

Hans-Joachim Gelberg (Hrsg.):
Großer Ozean. Gedichte für alle.
Weinheim 2015 (Beltz & Gelberg)

ISBN 978-3-407-74631-3
Überall im Buchhandel




Aussicht vom Königsstuhl/Rügen



Kremser in Putgarten auf Rügen

















Leuchttürme Arkona/Rügen



Ehemaliger Leuchtturm Ranzow
Auf Reisen war ich vor einigen Wochen wieder - auf Rügen - und fand auch diesmal - außer Meer, Kreidefelsen und Leuchttürmen - allerlei Wundersames.



















Peilturm Arkona - Wer hat den Mond auf die Turmspitze gesteckt???





So entdeckte ich einen fahrbaren Bücherschrank, der von Dorf zu Dorf zieht, damit Klein und Groß gut mit Büchern versorgt sind. Auf dem Weg dorthin kam es auch zu mancher vierbeinigen Begegnung...













 

Als ich dann sogar einen "Bücherbahnhof" gefunden hatte, könnt ihr euch denken, wo ich die nächsten Stunden zugebracht habe...














Betty am Meer


Katerchen Paul - auch ganz oben im Bild - verriet mir während meines Frühstückstees sein Lieblingsbuch für diesen Sommer: "Ab heute wird's wild und gefährlich" erzählt die Geschichte der Hauskatze Molly, die ihr Zuhause verliert, da ihr Frauchen ins Seniorenheim muss und dort keine Haustiere erlaubt sind. Sie kann dem Transportkäfig fürs Tierheim knapp entkommen - und macht sich auf den Weg in die Wildnis. Nun ist jedoch zu vermuten, dass sie vom wilden Leben bislang wenig Ahnung hatte. Das große Abenteuer beginnt!



Martina Baumbach, Katrin Engelking:
Ab heute wird's wild und gefährlich
Stuttgart 2017 (Thienemann)
ISBN:
978-3-522-18447-2
Überall im Buchhandel















Wer sich auf Abenteuer begibt, der kann etwas erzählen!  Erinnerungen, die miteinander geteilt werden, beginnen meist mit den Worten: "Weißt du noch?" Und zuweilen fällt im Rückblick ein magischer Schimmer auf unsere Abenteuer - und unser äußeres und inneres Erleben verbinden sich zu etwas ganz Neuem. Davon erzählt dieses stimmungsvolle Bilderbuch.

Zoran Drvenkar, Jutta Bauer:

Weißt du noch
München 2017 (Hanser)
ISBN:
978-3-446-25478-7
Überall im Buchhandel





 






Ich wünsche euch einen tollen Sommer! Und mögen euch viele schöne Erinnerungen davon im Gedächtnis bleiben!

Eure Betty