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Samstag, 9. November 2019

Vom Duft vergangener Farben und von der Sehnsucht nach Abenteuern, Reisen und echten Feen...



Es ist ganz stille. Aufrecht steht der Duft
vergangner Farben in den welken Wegen.
Die Himmel halten einen langen Regen
die Blätter gehn auf Stufen durch die Luft.


Rainer Maria Rilke














Es gab eine längere Pause in diesem Blog. Den vergangenen Sommer habe ich übersprungen. Zu groß war er mir, zu heiß und zu laut. Und leider zu sehr mit anderem angefüllt.

Mit dem Herbst nun kommt die Lesezeit. In jeder Hinsicht. Die Neugier auf neu erscheinende Bücher wächst und jede Menge Menschen beschäftigen sich wieder einmal mit dem Thema Lesen. Und so fand nun auch eine Vorlesestudie der Stiftung Lesen erneut heraus, dass Eltern ihren Kindern viel zu selten vorlesen. 

Das erinnerte mich an ein kleines Mädchen, mit dem ich mich vor einiger Zeit auf dem Spielplatz an meiner Schule unterhielt. Ich hatte es zuvor dort noch nie gesehen. Es ging selbst noch in den Kindergarten, wie es mir erzählte, und war gekommen, um ein Geschwisterkind vom Nachmittagsunterricht abzuholen. Wir sprachen über den Schulanfang und das Lesenlernen. Es würde so gern schon lesen können, meinte es. Und wie eben Erwachsene manchmal so daherreden, sagte ich so etwas wie: "Na, das lernst du bestimmt schnell - und bis dahin kannst du dir ja noch vorlesen lassen!" Da sah mich das Mädchen traurig an. "Von wem denn?" Ich fragte: "Wird denn im Kindergarten nicht vorgelesen?" Es schüttelte den Kopf. "Nur manchmal. Wenn die Vorlesepaten kommen. Und oft kommen die gar nicht." - "Und die Erzieherinnen?" - "Nein, die nicht. Die machen andere Sachen mit uns, aber vorlesen tun die gar nicht." Die Mutter des Mädchens, die vom Rand des Spielplatzes unsere Unterhaltung mitverfolgte und sehr müde wirkte, fügte hinzu: "Und zuhause schaffen wir es auch nicht. Auch wenn wir es uns noch so sehr vornehmen. Wir finden einfach keine Zeit." In diesem Augenblick setzte die Schulglocke unserem Gespräch ein Ende.

Zurück blieb ich. Etwas ratlos. Es war ja nichts so Neues, was ich da erfahren hatte. Ich weiß um die vielseitigen Aufgaben der Erzieherinnen und Erzieher im Kindergarten und darum, dass es von ihnen fast überall noch immer zu wenige gibt; ich weiß auch, dass es nicht immer einfach ist, ehrenamtliche Lesepaten zu finden. Ich weiß, wie viele Großeltern selbst noch im Arbeitsleben stehen und ich weiß auch noch, wie es war, selbst als Mutter todmüde von der Arbeit nach Hause zu kommen. 

Ich erinnere mich aber auch daran, dass Lesen - auch das gemeinsame Lesen mit meinem Kind - für mich eher Erholung bedeutete und den Vorrang hatte vor anderen Tätigkeiten. Auch vor dem Fernsehen, dazu war ich meist zu ungeduldig; ich wollte nicht nur dasitzen und aufnehmen, was mir dort serviert wurde. Beim Lesen musste ich selbst aktiv werden, konnte innehalten, wann ich wollte und in Ruhe nachdenken oder träumen, vor- oder zurückblättern. Computer hatten wir damals noch keinen, auch kein Internet. Ein Handy diente nur zum Telefonieren. Niemand hätte geahnt, was ein Handy kurze Zeit später schon alles können würde! Aber aus vielen Büchern, die wir in dieser Zeit gemeinsam gelesen hatten, zitieren Raphi und ich oft noch heute, wenn wir uns treffen und uns gerade etwas daraus in den Sinn kommt, vor allem, wenn es etwas Witziges war! Das passiert oft, ein Stichwort genügt - und wir können immer wieder neu darüber lachen! Auch das zählt zu den gemeinsamen Erinnerungen, die bleiben. Erinnerungen an Erlebtes können ja manchmal ganz unterschiedlich sein und es gibt vieles, woran wir vielleicht nicht so gern zurückdenken. Erinnerungen an Gelesenes jedoch zählen meist zu den schönen Erinnerungen, an denen wir uns aufrichten können, wenn es uns mal nicht so gut geht. 

Ich glaube nicht, dass es heute, hätte ich noch einmal jüngere Kinder, sehr viel anders wäre. Gewiss, heute verbringe ich gern viel Zeit im Internet mit dem Laptop oder Tablet. Zeit zum Lesen nehme ich mir dennoch. Mir würde sonst etwas fehlen! Ich glaube, es ist wichtig, sich die Zeit bewusst zu nehmen. Und vieles, womit ich mich im Internet beschäftige, hat mit dem Thema Lesen zu tun, wie ja auch mein Blog hier.

Noch immer weiß ich wenig über seine Leserinnen und Leser. Schauen hier wirklich Kinder herein? Oder doch mehr deren Eltern und Großeltern? Oder Menschen, die beruflich mit Kindern zu tun haben? Ich weiß es nicht. Zumeist mache ich ja über soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook auf neue Beiträge aufmerksam und dort erreiche ich wohl eher die Erwachsenen.

Jedenfalls habe ich wieder nach Büchern Ausschau gehalten, an denen Kleine und Große gleichermaßen Freude haben können. Gerade das Bilderbuch hat in den letzten Jahren eine beeindruckende Entwicklung genommen, es ist inzwischen zu einer eigenen Kunstform geworden, die ihre Fans in jedem Alter findet.

Kennt ihr das? Jemand ist müde und will nur noch schlafen, der oder die andere hingegen ist so was von hellwach und voller abenteuerlicher Ideen? Ebenso geht es den ungleichen Nachbarn Bär und Ente. Wer von euch sich wohl in dieser witzigen Geschichte wiederfindet und wo?

Jory John/Benji Davies:
Du schon wieder!

Übersetzt von Ebi Naumann
ISBN: 978-3-8489-0169-2
13,00 €
Stuttgart 2019 (Aladin)

Überall im Buchhandel










Der Herbst ist die Zeit des Vogelzugs. Nur Gänserich George gibt vor, nicht gern zu reisen. Er bleibt lieber am Ort. Fragen Freunde nach, gibt er an, viel zu tun zu haben. Aber George hat in Wirklichkeit ein ganz anderes Problem: Er kann nämlich nicht fliegen. Sein technisch begabter Freund Pascal - natürlich mal wieder ein Bär! - lässt sich auf der Suche nach einer Lösung so manches einfallen, doch auch er stößt bald an seine Grenzen. Wie George schließlich doch noch zum Fliegen verholfen werden kann, erzählt diese berührende Geschichte von verlässlicher Freundschaft und Phantasie, die alle Hindernisse überwindet.



Gus Gordon:  

Irgendwohin
oder der Tag, an dem George das Fliegen lernte

Aus dem Englischen von
Gundula Müller-Wallraf

ISBN 978-3-95728-026-8
14, 00 €
München 2018 (Knesebeck)
Überall im Buchhandel

Feengeschichten waren zu allen Zeiten dazu angetan, unsere Phantasie zu beflügeln. Wir versetzen uns ins Jahr 1917 in England. Zwei kleine Mädchen spielen gern im Wald und leben mit den "Geschöpfen des Waldes" in vertrauter Freundschaft. Eines Tages kommen sie auf die Idee, die Feen, die sich nur ihnen zu erkennen geben, zu fotografieren, um sie auch den Erwachsenen zu zeigen. Sie ahnen nicht, welchen Wirbel sie damit auslösen werden! Die Bilder machen überall die Runde, Zeitungen berichten darüber. Arthur Doyle, Autor der Sherlock-Holmes-Bücher, der sich gern mit außergewöhnlichen Erscheinungen beschäftigt, hält die Feenfotos für echt. Viele Menschen beschäftigten sich über viele Jahre mit diesem Rätsel. Erst als die beiden Schwestern schon in hohem Alter waren, gab eine von ihnen zu, dass sie damals für die Fotos selbst gemalte und ausgeschnittene Papierfiguren mit Stecknadeln verwendet hätten. Die Feen selbst seien zu unruhig gewesen, um sich fotografieren zu lassen, denn Fotografieren war damals noch eine aufwändige Sache, die viel Stillhalten erforderte. Dass es die Feen von Cottingley jedoch wirklich gegeben hat, haben beide Frauen ihr Leben lang hoch und heilig versichert! Ihre Geschichte wird nun in diesem bezaubernden Bilderbuch nacherzählt:


Ana Sender:

Die Feen von Cottingley

Aus dem Spanischen von Marianne Gareis

15,00 €
ISBN: 978-3-314-10477-0
Zürich 2019 (Nord-Süd)

Überall im Buchhandel













Für alle Kinder, die ebenso gern im Wald sind, gibt es ein neues Natur-Sachbuch von Peter Wohlleben, den ihr bereits von seinen faszinierenden Büchern über Bäume kennt. Diesmal geht es um Tiere und wieder gibt es jede Menge Wissenswertes und Erstaunliches mit vielen tollen Fotos sowie praktische Tipps für eigene Erkundungen.




Peter Wohlleben:

Weißt du, wo die Tiere wohnen?

Eine Entdeckungsreise durch Wiese und Wald
Illustrationen von Stefanie Reich und Dagmar Herrmann
18,00 €
ISBN: 978-3-7891-0941-6
Hamburg 2019 (Oetinger)

Überall im Buchhandel





Dass ihr mir gut durch den Herbst kommt und euch eure Neugier und den Spaß am Lesen, Lernen und Entdecken immer erhaltet, wünscht euch

Betty


Sonntag, 10. März 2019

Von der Sehnsucht nach dem Frühling, vielen Bären und der Geschichte eines alten Hauses...

Singt ein Vogel, singt ein Vogel, singt im Märzenwald,
kommt der helle, der helle Frühling, kommt der Frühling bald.
Komm doch, lieber Frühling, lieber Frühling, komm doch bald herbei,
jag den Winter, jag den Winter fort und mach das Leben frei!

Kinderlied (Text & Weise: Heinz Lau)





Auf einer Wanderung bei Heidelberg hatte ich das große Glück, diesen kleinen Sänger mit meiner Kamera einzufangen. Es sah so aus, als gebe er ein Konzert ganz für mich allein. Und als mahnte er mich, dass es Zeit würde, mich endlich wieder an mein Blog hier zu setzen.

Meine Wanderung führte mich hoch über dem Neckartal zum so genannten "Philosophenweg", von dem man den schönsten Blick auf Heidelberg hat und wo der Frühling schon sehr früh anfängt.

Blick auf Heidelberg vom Philosophenweg


Hier sind viele Dichter und Denker schon zu früheren Zeiten gern spazieren gegangen und haben sich zu manchem Gedicht und Gedanken inspirieren lassen.










Krokusblüte in der Eichendorff-Anlage am Philosophenweg Heidelberg





So auch der Dichter Hölderlin vor mehr als 200 Jahren, der Heidelberg diese Liebeserklärung machte:


Lange lieb' ich dich schon, möchte dich, mir zur Lust,
   Mutter nennen, und dir schenken ein kunstlos Lied,
      Du, der Vaterlandsstädte
         Ländlichschönste, so viel ich sah.

Wie der Vogel des Walds über die Gipfel fliegt,
   Schwingt sich über den Strom, wo er vorbei dir glänzt,
      Leicht und kräftig die Brücke,
         Die von Wagen und Menschen tönt.

Friedrich Hölderlin



Und wir spüren: Etwas davon ist noch immer da!





Aber ich wollte ja auch nach zum Frühling passendem Lesestoff für euch Ausschau halten.

Ich weiß nicht, wie es euch geht: Bärengeschichten lassen mich nie los, sie faszinieren mich immer wieder. Und wer glaubt, über Bären sei schon alles erzählt, den kann ich beruhigen: Es findet sich noch immer wieder etwas Neues, so wie diese bezaubernde Bilderbuchgeschichte aus Japan, wo es eher als bei uns möglich ist, vom Ast eines Baumes aus das Meer zu sehen. Sie handelt von einem kleinen Hasen auf der Suche nach dem Frühling.







Chiaki Okada / Ko Okada:

Bist du der Frühling?

Aus dem Japanischen übersetzt von Ursula Gräfe
Frankfurt 2019 (Moritz)
ISBN: 978-3-89565-372-8
14,00 €
Überall im Buchhandel






Darf man denn auch Lügengeschichten erzählen? Warum nicht? Wenn alle sich klar darüber sind, dass es sich um eine Lügengeschichte handelt und alle ihren Spaß daran haben: Jederzeit!

Eine haarsträubende Lügengeschichte, an der die Kinder meiner Sprachgruppe großen Spaß hatten, ist "Mama, da steht ein Bär vor der Tür!" Denn, was würde eure Mutter sagen, wenn plötzlich ein Bär vor der Tür stünde? Im elften Stock?! Was ein Bär dort wohl will? - Natürlich: Das Meer sehen!

Sabine Lipan/Manuela Olten

Mama, da steht ein Bär vor der Tür!

München 2014 (Tulipan)
ISBN 978-3-86429-183-8
14,95 €
Überall im Buchhandel

Zu diesem Buch gibt es auch witzige, kostenlose Spiele-Apps in App-Stores für iOS und Android. Bitte ladet euch aber nie etwas selbst herunter, sondern nur in Absprache mit euren Eltern, da es auch bei kostenlosen Apps immer mal passieren kann, dass man aus Versehen etwas zusätzlich mit einkauft, das dann plötzlich eine Menge Geld kostet! Fragt bitte immer zunächst Erwachsene, die sich damit auskennen!











Manchmal entstehen Freundschaften an ungewöhnlichen Orten. So wie die von Maus und Ente, die sich - im Bauch eines Wolfes treffen! Hier hat es jemand verstanden, daraus eine herrlich komische Geschichte zu spinnen!

Mac Barnett/Jon Klassen

Der Wolf, die Ente & die Maus

Aus dem Englischen übersetzt von Thomas Bodmer
Zürich 2018 (NordSüd)
ISBN: 978-3-314-10440-4
15,00 €
Überall im Buchhandel














Noch einmal um Bären soll es hier gehen, diesmal für die Freunde von Sachbüchern unter euch. Der Eisbär ist ein sehr gefährdetes Tier, gerade in unseren Zeiten, da unser Klima immer wärmer zu werden droht. Denn ein Eisbär, wie sein Name schon sagt, braucht nun mal Kälte und eine geschlossene Eisdecke zum Leben. Er ist von der Natur einzigartig für dieses Leben ausgestattet. Der beste Weg, Tieren helfen zu können, ist, zunächst mal ganz viel über sie und das, was sie brauchen, zu lernen. Dies könnt ihr ganz nebenbei beim Lesen dieser faszinierenden Eisbärengeschichte.

Jenni Desmond

Der Eisbär

Aus dem Englischen übersetzt von Sophie Birkenstädt
Hamburg 2017 (Aladin)
16,95 €
Überall im Buchhandel




Nun ging es lange um Tiere. Im letzten Buch, das ich euch vorstellen möchte, geht es hingegen um Menschen. In einem alten Haus in Russland, in Moskau, lebt eine Familie über mehrere Generationen. Wir bekommen Einblick in ihr Haus, in ihr Leben in einem Zeitraum von 100 Jahren - von 1902 bis 2002 - und so zugleich in die russische Geschichte. Dieses Buch ist für die Älteren unter euch, empfohlen ist es ab zwölf Jahren, aber auch Jüngere, die sich dafür interessieren, können sich natürlich damit beschäftigen, vielleicht gemeinsam mit jemand Erwachsenem.

Alexandra Litwina
Lorenz Hoffmann (Übers.)
Thomas Weiler (Übers.)
Anna Desnitskaya (Illustr.)

In einem alten Haus in Moskau

Ein Streifzug durch 100 Jahre russische Geschichte
Hildesheim 2017 (Gerstenberg)
ISBN 978-3-8369-5993-3
24.95 €
Überall im Buchhandel







Nun bleibt mir, euch einen schönen Frühling zu wünschen!

Sitzt mir aber vor lauter Lesen oder gar Computerspielen nicht nur im Zimmer! Nichts wie raus mit uns an die frische Luft! Notfalls auch - wie hier im Bild - mit wollenen Unterhosen... :-)

Herzliche Grüße

Eure Betty

Sonntag, 9. September 2018

Von starken Pferden, traurigen Panthern, cleveren Raben und anderen Tieren...

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält;
denn heute löst sich von den Zweigen nur,
was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.

Friedrich Hebbel



Schon will der Sommer allmählich wieder Abschied nehmen. Er hatte diesmal viel Hitze und Trockenheit im Gepäck. So fällt es uns leichter, ihn ziehen zu lassen, wissen auch Kühle und Regen wieder zu schätzen. Der kleine, puschelige Geselle oben ist mir in Ludwigsburg über den Weg gehuscht und war schon eifrig am Vorräte-Sammeln.


Hattet ihr schöne Ferien? Und hoffentlich gute Bücher zu lesen?

Ich war während des Sommers zuhause und habe nur kleine Ausflüge unternommen. Diesmal werde ich erst im Herbst verreisen, wieder auf die Insel Rügen, diesmal um Zugvögel zu beobachten. Ich freue mich schon sehr auf die Kraniche und Wildgänse und werde bald davon berichten. 

Aber auch zuhause gibt es immer wieder etwas zu entdecken. An einem Wochenende im August fand an dem Ort, an dem ich wohne, ein Fuhrmannstag statt. Dort wurde gezeigt, wie früher mit Pferden gepflügt wurde. So etwas bekommen wir heute, wo die Feldarbeit längst von Traktoren erledigt wird, nicht mehr oft zu sehen!



 
Ebenso selten geworden sind die kräftigen Pferderassen, die zum Ziehen von schweren Lasten eingesetzt wurden, wie hier die schönen blonden Schwarzwälder mit ihrer dunklen Fuchsfarbe beim Holzrückewettbewerb.

Holzrückepferde, die schwere Baumstämme aus dem Wald ziehen, werden heute noch eingesetzt, an Berghängen und wo sonst das Gelände schwierig ist. Und auch zunehmend wieder dort, wo Menschen erkannt haben, dass umsichtiges Arbeiten mit Pferden viel weniger Schaden im Wald anrichtet als eine große Maschine, die links und rechts nicht mehr viel übrig lässt!

Wenn wir wieder lernen, achtsam mit der Umwelt umzugehen, die wir ja brauchen und uns erhalten sollten, wird das Pferd nicht nur als Sportkamerad, sondern auch als Arbeitspartner wieder interessant. Gerade für die knifflige und nicht ungefährliche Arbeit mit Baumstämmen braucht es gegenseitiges Vertrauen und feinfühlige Kommunikation zwischen Mensch und Tier. Dies konnte hier sehr gut beobachtet werden. Es zeigte sich schnell, wo die Zusammenarbeit stimmte!



Natürlich war ich auch mal wieder bei den Dichtern in Marbach, in den Literaturmuseen. Von der hoch gelegenen Terrasse hat man einen weiten Blick über den Neckar. Es gibt auch ein Café und es lässt sich dort schön in der Sonne sitzen und schmökern, wie ihr hier seht...









Postkarten und Briefe des Dichters Rilke
Im Museum gibt es eine Ausstellung über Paris, wo sich im Verlauf von etwa 200 Jahren viele unserer Dichter und Schriftsteller, aber auch viele Maler, Bildhauer und Fotografen immer wieder für kürzere oder längere Zeit aufhielten, manche einfach, weil ihnen die französische Hauptstadt am Seine-Fluss so gut gefiel, manche auch auf der Durchreise oder auf der Flucht vor Verfolgung und weil sie dort zeitweise freier arbeiten konnten als in Deutschland.

Denn zu gewissen Zeiten durfte hier nur veröffentlicht werden, was den Herrschenden so passte. Das ist heute zum Glück nicht mehr so. Inzwischen leben wir in einer Demokratie. Das bedeutet, jede und jeder kann hier mitbestimmen und seine Meinung sagen, solange damit niemand verletzt oder ausgegrenzt wird, und die Ausübung von Kunst, Presse und Wissenschaft ist frei. Das bedeutet: Jeder und jede kann malen oder schreiben, was er oder sie will, die Musik machen, die er oder sie mag, und lernen und erforschen, was er oder sie möchte. Bis es jedoch so weit war, gab es manchen Kampf auszufechten. Umso wichtiger ist es, dass wir uns dafür einsetzen, dass es so bleibt! Denn Freiheit ist etwas ganz Wichtiges, um die Dinge tun zu können, zu denen ein Mensch sich berufen fühlt.

Postkarten und Briefe Walter Benjamins
Sicherlich hatte aber in Paris manche und mancher auch hin und wieder Heimweh oder wollte einfach das Erlebte mit anderen teilen und schrieb Postkarten und lange Briefe an Freundinnen und Freunde, meistens noch in akkurater Schrift von Hand, wie hier zu bestaunen.

Wer auf der Flucht war, wie der große Denker Walter Benjamin, musste außerdem sehr unauffällig leben und hatte vielleicht auch nicht immer genügend Papier zur Verfügung. Ob er deshalb in so winzig kleiner Schrift schrieb?

Fotos von einem Besuch Rilkes
im Tagebuch seines Freundes Harry Graf Kessler



In Paris war auch der Dichter Rainer Maria Rilke, der hier auf alten Fotos im Tagebuch seines Freundes zu bewundern ist. Wenn ihr hier schon früher mitgelesen habt, kennt ihr ihn von dem Gedicht "Das Karussel", zu dem ich an anderer Stelle schon einmal ein schönes Bilderbuch vorgestellt habe. Ihr findet es, wenn ihr hier klickt.





"Das Karussel" - Original-Handschrift von Rainer Maria Rilke
Die Original-Handschrift zum "Carrussel" ist ebenfalls in Marbach ausgestellt. Denn auch dieses Karussel hat etwas mit Paris zu tun, es befand sich dort in einem bekannten Park, dem "Jardin du Luxembourg". Oft ging Rilke jedoch auch in den "Jardins des Plantes", den Pflanzengarten, also den Botanischen Garten mit einem Zoo, in dem damals große Tiere leider noch in Käfigen ausgestellt waren. Unter diesen Tieren gab es einen Panther, der den Dichter sehr beschäftigte und ihn zu einem seiner schönsten Gedichte inspirierte:

Der Panther

Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

Rainer Maria Rilke



Ein nachdenkliches und bei aller Schönheit seiner Bilder im Grunde auch trauriges Gedicht, das uns zum Nachdenken bringen kann, darüber, wie Menschen mit Tieren umgehen und was sie ihnen manchmal antun!

Zum Glück leben in Europa Zootiere heute eher in Freigehegen, die ihrer Art und ihren Bedürfnissen etwas besser gerecht werden. Dennoch ist ein Gehege von der Größe des Jagdreviers eines Panthers in keinem noch so gut aufgestellten Zoo möglich.

Der letzte Panther, den ich in einem Zoo sah - ich gehe nicht so oft in Zoos -, lag in der Stuttgarter Wilhelma zum Glück sehr entspannt auf einem hoch angebrachten Baumstamm im Schatten und musste nicht in einem engen Käfig im Kreis herumlaufen. Zoos, wo solches noch der Fall ist, sollte man besser nicht unterstützen.

Zu Rilkes Panther-Gedicht gibt es nun auch ein wunderschönes Bilderbuch mit beeindruckenden Illustrationen von Julia Nüsch, in dessen Verlauf wir den Dichter auf seinem Spaziergang in den "Jardin des Plantes" begleiten können und die Welt für einen Augenblick mit den Augen des Panthers sehen lernen.

Der Panther
von Rainer Maria Rilke
mit Bildern von Julia Nüsch
Berlin 2018 (Kindermann)
ISBN 978-3-934029-71-2
€ 15,90
Überall im Buchhandel



Das Schöne am Herbstbeginn: Es gibt neue Bücher! Und so ist auch nun endlich das dritte Buch von unserem geliebten Oskar erschienen. Diesmal geht es darum, was Oskar so alles kann.

Auch wenn die Oskar-Bücher schon für die Kleinsten geeignet sind, weil sie wenig Text zu eindrucksvollen Bildern enthalten, mögen auch die Größeren den charmanten Raben. Vor allem Kindern, die erst Deutsch lernen, kann er eine Hilfe sein, neue Wörter zu lernen und nach und nach auch von sich selbst zu erzählen.

Britta Teckentrup:
Oskar kann ...
München-London-New York 2018 (Prestel)
ISBN: 978-3-7913-7360-7
€ 12,99
Überall im Buchhandel



Auf ein weiteres tolles Bilderbuch bin ich durch Zufall gestoßen. Es handelt von Finn, der sich ein Tier wünscht. Sofort! Am liebsten einen Löwen! Seine Mutter wendet ein, dass dies zu gefährlich sei, denn womöglich frisst solch ein Löwe den Postboten. Mit einem Happs! Aber Finn lässt sich nicht entmutigen und hat noch ganz andere Vorschläge auf Lager. Auf welche Lösung sich Finns Familie schließlich einigt, erfahrt ihr, wenn ihr die farbenfrohe Traumreise durch die Welt der Wunschtiere gemeinsam mit Finn antretet, indem ihr euch durch das Buch blättert.

Annemarie van der Eem & Mark Jansen:
Ich will einen Löwen!
Aus dem Niederländischen von Eva Schweikart
Frankfurt 2018 (S. Fischer-Sauerländer)

ISBN: 978-3-7373-5582-7
€ 14,99
Überall im Buchhandel




Aber es kommt nicht darauf an, sich unbedingt ein "eigenes" Haustier zu halten. Tiere sind nicht zu unserer Unterhaltung da! Sie haben kein leichtes Leben mit uns Menschen und brauchen unsere Fürsorge und unseren Schutz. Dafür kann sich jede und jeder einsetzen, auch ohne ein Tier zuhause zu haben.

Egal, ob groß, ob klein - seid Botschafterinnen und Botschafter der Tiere! 

Ich wünsche euch einen schönen, farbenfrohen Herbst!

Herzliche Grüße

Eure Betty



Sonntag, 17. Juni 2018

Von gefiederten Zeitgenossen, von liebenswerten Schurken, vom Sommerbeginn - und vom Leben überhaupt...

Der Sommer, der Sommer,
Das ist die schönste Zeit:
Wir ziehen in die Wälder
Und durch die Au'n und Felder
Voll Lust und Fröhlichkeit.
 

Der Sommer, der Sommer,
Der schenkt uns Freuden viel:
Wir jagen dann und springen
Nach bunten Schmetterlingen
Und spielen manches Spiel.
 

Der Sommer, der Sommer,
Der schenkt uns manchen Fund:
Erdbeeren wir uns suchen
Im Schatten hoher Buchen
Und laben Herz und Mund.
 

Der Sommer, der Sommer,
Der heißt uns lustig sein:
Wir winden Blumenkränze
Und halten Reigentänze
Beim Abendsonnenschein.
 

August Hoffmann von Fallersleben



Und schon ist wieder der Sommer ins Land gezogen. Ein schöner, blütenreicher Frühling ist ihm vorangegangen.

Gerne erinnere ich mich an einen Nachmittag mit "meinen" Kindern auf einer nahegelegenen Streuobstwiese. Wir waren kaum angekommen und mit einem Mal war es ungewohnt still geworden und von einigen Kindern war gar nichts mehr zu sehen. Viele von ihnen saßen längst oben in den Apfelbäumen, sie waren flugs hinaufgeklettert, lagen ganz entspannt in den Ästen und schauten durch die Blätter und Blüten in den Himmel. "Oh", sagte ich noch, "ich bin mir gar nicht so sicher, ob wir das überhaupt dürfen. Auf jeden Fall müssen wir sehr vorsichtig sein und aufpassen, dass keine Zweige abgerissen werden!" Sie versprachen es und verhielten sich sehr achtsam, auch die Lebhafteren unter ihnen. Andere Kinder lagen bäuchlings im Gras und beobachteten Käfer, während wieder andere lange Ketten aus Gänseblümchen und Löwenzahn flochten. Viele von ihnen schienen ganz eins geworden mit der Natur, die sie umgab. Und ich dachte daran, dass dies etwas ist, was vielen Kindern, die in den Städten wohnen, heute fehlt: Einfach in die Natur hinausgehen können und die Seele baumeln lassen.




Hier in unserer ländlichen Umgebung haben wir großes Glück. Auch der Vogel des Jahres, der Star, wohnt gleich zu mehreren in Mauerhöhlen in der Außenwand unseres Schulgebäudes, so dass wir reichlich Gelegenheit haben, ihn zu beobachten. Oft sehen wir ihn, so wie hier, singend und schwatzend aus seiner Höhle schauen und können nur staunen, wie viele Stimmen anderer Vögel er imitieren kann.

Mehr über ihn könnt ihr erfahren, wenn ihr auf diesen Link klickt: Ein echter Star unter den Vögeln - Kindernetz.de SWR

Für alle, die zum Nachschlagen gern auf handfeste Bücher zurückgreifen: In diesem Jahr sind einige, zum Teil sehr schöne Vogelsachbücher für Kinder erschienen, was die Auswahl gar nicht so leicht macht.

Eins möchte ich euch hier vorstellen, aus dem ihr in kurzen Texten mit vielen schönen Fotos und Zeichnungen Spannendes über das Leben und Verhalten von Vögeln erfahren könnt und darüber hinaus Anregungen für eigenes Tun bekommt. Das stabil gefertigte Sachbuch eignet sich gut zum Mithinausnehmen in die Natur.






Naturführer für Kinder
Vögel
München 2018 (Dorling Kindersley)
ISBN 978-3-8310-3468-0
7,95 €

Überall im Buchhandel


Für diejenigen unter euch, die sich gern alles noch genauer anschauen, von Vogelfedern fasziniert sind und diese vielleicht auch gerne sammeln, gibt es hingegen ein ganz besonders kunstvolles Sachbilderbuch, in dem ihr alles über Federn und ihre Funktion erfahren und nebenbei in traumhafte Bilder eintauchen könnt.

Britta Teckentrup:
Die Feder
München 2018 (Prestel)
ISBN: 978-3-7913-7333-1
€ 20,00
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Britta Teckentrup ist auch die Autorin von Oskar, den wir hier an früherer Stelle schon einmal vorgestellt haben. Von ihm gibt es seit dem letzten Herbst eine Fortsetzung. Und diesmal ist Oskar nicht allein! "Oskar und Mo" ist ein bezauberndes Bilderbuch über Liebe und Freundschaft.

Britta Teckentrup:
Oskar und Mo
München 2017 (Prestel)
ISBN: 978-3-7913-7312-6
€ 12,99
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Der späte Frühling war die Zeit der bunten Blumenwiesen und leuchtenden Gräser, zumindest auf den Höhen des Odenwaldes, wo ich gern schnell mal hinfahre. Dort gibt es noch viele Wiesenblumen wie Margeriten, Glockenblumen, Wiesen-Bocksbart und - Kuckuckslichtnelken!















Hier dürfen auch die Kühe noch auf der Weide sein und ihre Kälbchen bei sich haben. Dies ist nicht nur gesund für Tier und Mensch, sondern auch eine echte Chance für unseren Star, der sich sehr gerne dort aufhält, wo Weidevieh ist. Hier findet er reichlich Nahrung - und erleichtert ganz nebenbei den Kühen das Leben, indem er sie von lästigen Insekten befreit. Eine Art Freundschaft zwischen ganz verschiedenen Tierarten, von der beide etwas haben. Und so schließt sich wieder der Kreis zum Vogel des Jahres.





Das Leben fängt immer klein an. Dann beginnt es zu wachsen. Leicht ist es auch nicht immer. Und doch lieben wir es! Von all dem handelt dieses ganz bezaubernde Bilderbuch über das Leben aus der Sicht der Tiere. Es zeigt uns das Leben aus einer anderen Perspektive und kann uns lehren, achtsamer zu werden. Auch Kindern, die erst sehr kurze Zeit Deutsch sprechen, gefiel es sehr gut.

Cynthia Rylant/Brendan Wenzel (Illustration):
LEBEN
Übersetzung aus dem Englischen: Thomas Bodmer
Zürich 2017 (Nord-Süd)
ISBN: 978-3-3141-0417-6
16,00 €
Überall im Buchhandel






 


Einstweilen zaubert der Sommer immer neue Farben...















Alte Freunde aus liebgewordenen Büchern wiedertreffen ist etwas Tolles, auch wenn es sich in diesem Fall um einen bekannten und berüchtigten Schurken handelt, der mit Vorliebe Kaffeemühlen klaut! Nun ist ja sein Erfinder Otfried Preußler leider schon vor 5 Jahren verstorben. Zum Glück aber hat eine seiner Töchter noch eine von ihm selbst geschriebene fertige Vorlage zu einem Puppenspiel in einer vergessenen Schublade gefunden, die nur noch zum Vorlesebuch umgestaltet werden musste - und schon gibt es ein neues witziges Abenteuer mit Räuber Hotzenplotz!


Otfried Preußler:
Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete
Stuttgart 2018 (Thienemann)
ISBN: 978-3-522-18510-3
12,00 €
Überall im Buchhandel





Auf dass ihr mit recht viel Lesestoff entspannt durch die heiße Jahreszeit kommen mögt!





Einen Sommer voller Abenteuer und spannender Entdeckungen wünscht euch

Betty