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Sonntag, 21. August 2016

Vom sommerlichen Seele-baumeln-Lassen, Lese-Abenteuern und dem Blick über den eigenen Tellerrand

Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiss,
Das durch den sonnigen Himmel schreitet.
Und schmücke den Hut, der dich begleitet,
Mit einem grünen Reis.


Verstecke dich faul in der Fülle der Gräser.
Weil`s wohltut, weil`s frommt.
Und bist du ein Mundharmonikabläser
Und hast eine bei dir, dann spiel, was dir kommt.


Und lass deine Melodien lenken
Von dem freigegebenen Wolkengezupf.
Vergiss dich. Es soll dein Denken
Nicht weiter reichen als ein Grashüpferhupf.


Joachim Ringelnatz (Sommerfrische)



Einmal wieder hat der Sommer uns eingeholt, fast schon überholt. Für manche von Euch sind die Ferien vielleicht schon vorüber, andere haben noch ein paar Tage davon übrig behalten. Ich selbst finde mich irgendwo dazwischen. Meine Ferien sind kurz, was nicht schlimm ist, weil ich eine Arbeit habe, die mir großen Spaß macht. Gern würde auch ich die Tage am liebsten einfach auf der Wiese verträumen, wie es oben der Dichter Joachim Ringelnatz so schön beschreibt. Aber es gibt natürlich noch andere Dinge, solche, die dringend erledigt werden müssen, und solche, die ich unbedingt tun möchte, wie zum Beispiel: schreiben.

Zu Besuch auf Schloss Ribbeck im Havelland
Verreist war ich in diesem Jahr schon, im Frühsommer, und habe zuerst Herrn von Ribbeck im Havelland besucht, über dessen Birnbaumgedicht von Theodor Fontane ich hier in einem früheren Beitrag schon einmal ausführlich geschrieben hatte. Ihr könnt es dort nachlesen.

Das Schloss im Bild wurde jedoch später erbaut und hat nun gar nichts mehr zu tun mit dem "Doppeldachhaus", das es inzwischen leider nicht mehr gibt. Auch den alten Birnbaum gibt es nicht mehr - Reste von ihm werden in der Dorfkirche aufbewahrt -, aber es wurden im Schlosspark viele neue Birnbäume gepflanzt, und zwar wurden hier ganz verschiedene Birnensorten aus allen Bundesländern Deutschlands zusammengetragen. Im Moment sind diese Baumsetzlinge natürlich noch sehr klein, aber ich denke mir, dass in einigen Jahren stattliche, ansehnliche Birnbäume aus ihnen werden, die helfen, die alte Geschichte lebendig zu halten, und vielleicht besucht Ihr sie ja dann einmal. Oder Eure Kinder und Enkel. Denn Bäume pflanzt man nun einmal nicht für sich selbst, sondern für die nächsten Kinder, die nachwachsen. Dafür dürfen wir uns an alten Bäumen freuen, die andere Menschen - oder manchmal auch Tiere - oder der Wind! - gepflanzt haben, als wir noch lange nicht geboren waren.

Alte Kastanienallee auf der Insel Rügen


Altes Schulzimmer im Schulhaus Ribbeck
An Sehenswertem gibt es in dem kleinen Ort Ribbeck auch noch ein altes Dorfschulhaus mit einem gemütlichen Café, wo Ihr das ehemalige Schulzimmer mit den alten Holzbänken und Schiefertafeln, auf denen viele Eurer Großeltern noch das Schreiben gelernt haben, besichtigen könnt. Solltet Ihr also einmal nach Brandenburg kommen - oder gar in der Nähe wohnen, kann ich Euch einen Besuch dort nur empfehlen!






Süderleuchtturm / Insel Hiddensee
Weiter ging es zu den traumhaft schönen Inseln Rügen und Hiddensee und ihren Leuchttürmen, von denen ich Euch einige "mitgebracht" habe...













Leuchtturm Dornbusch / Hiddensee




Die Leuchttürme von Arkona / Insel Rügen


Kap Arkona / Rügen:
Alter und neuer Leuchtturm


Eine interessante Entdeckung im Ort Vitte auf der Insel Hiddensee war auch die Figurensammlung "Homunkulus", wo es Puppen und Requisiten zu bestaunen gibt, die alle einmal in Theaterstücken der Seebühne Hiddensee mitgespielt haben. 










Außerdem hatte ich unterwegs natürlich wieder viele nette Begegnungen mit Vier- und Zweibeinern...

Pferde auf Hiddensee




Junge Silbermöwe im Hafen Sassnitz auf Rügen



















Freund Kormoran auf Fischfang im Sassnitzer Hafen





Schlummernde Café-Katze

















"Mäh-Arbeiter" als Landschaftspfleger am Kap Arkona




Junger Haussperling im Rügenhof Arkona
Und natürlich konnte ich es auch wieder nicht lassen, in diversen Bücherecken zu stöbern, denn gerade in den Ferien sollte Zeit sein zum ungestörten Lesen und Sich-Vorlesen-Lassen.

So fand ich eine schöne Sammlung mit illustrierten Märchen aus der damaligen DDR, die dieses Jahr neu aufgelegt werde. Viele darin sind alte Bekannte, wie Rotkäppchen, Aschenputtel oder die Bremer Stadtmusikanten, manche wiederum sind hier weniger bekannt, wie zum Beispiel der "Dumme Iwanuschka" aus einem Märchen aus Russland, über dessen Missverständnisse und Missgeschicke ich als Kind schon viel lachen musste.


"Guten Tag, Rotkäppchen", sprach der Wolf
Illustrierte Märchen aus der Zeit der DDR
Weinheim 2016 (Beltz)
ISBN: 978-3-407-77201-5
Überall im Buchhandel

Ich bin mit Kinderbüchern aus der DDR aufgewachsen, obwohl ich nicht dort gewohnt habe. Ich kannte das Land damals nur von Besuchen. Meine Mutter kam aus Döbeln in Sachsen und ich hatte dort noch viele Verwandte und Bekannte, mit denen wir uns Pakete hin und her schickten. Sie bekamen von uns Kaffee, Kakao und andere Dinge, die damals dort schwer zu bekommen waren, und sie wiederum schickten Bücher. Gerade in der DDR gab es viele talentierte Illustratoren, also Leute, die sehr schöne Bilder zu den Geschichten gestalteten, und so war ich im Besitz vieler schöner Bilderbücher. Die meisten davon habe ich nicht mehr, umso mehr freue ich mich, dass manche Verlage sie nun neu herausbringen. Somit gehen uns diese Schätze von einst nicht verloren!

Sogar mein allererstes Tier-Bilderbuch habe ich wiedergefunden; es ist natürlich etwas für die Kleinen, aber auch für alle anderen, die schöne Bilderbücher einfach lieben und sammeln:




Elsbeth Friemert/Ingeborg Meyer-Rey (Illustrationen):
Wer kennt meine Tiere
Weinheim 2016 (Beltz)
ISBN: 978-3-407-77121-6

Überall im Buchhandel






Einen klassischen Ferienschmöker, der schon früher Kinder begeistert hat, habe ich wiederentdeckt und neu gelesen.

Viel erleben kann, wer eine Reise tut, noch dazu zum ersten Mal allein, wie Emil, der mit dem Zug von Neustadt nach Berlin fährt, um seine Großmutter, seine Tante und seine Kusine "Pony Hütchen" zu besuchen. Unterwegs wird ihm sein Reisegeld gestohlen, für das seine Mutter, die allein mit ihm lebt, lange arbeiten und sparen musste. Da gibt es nur eins: Er muss den Dieb finden und sein Geld wiederbekommen! Was tun? Alleine wäre es wohl schwierig. Aber Emil findet Freunde...

Erich Kästner:
Emil und die Detektive
Berlin 1929
(Dressler)
ISBN-13: 978-3-7915-3012-3

Überall im Buchhandel

Was dieses Buch - auch für die Großen - so besonders macht: Es lässt beim Lesen ein Bild des alten Berlin entstehen, mit Pferdekutschen, den ersten Autos und Straßenbahnen, wie wir es sonst nur von wenigen alten Bildern kennen. Und leider leben nicht mehr viele der älteren Menschen, die uns noch davon erzählen könnten. So bleibt dieses Buch ein Klassiker für alle Zeiten und Emils Abenteuer, mit Erich Kästners unvergleichlichem Humor erzählt, lesen sich noch ebenso spannend wie einst.


Wir alle werden nicht jünger - und der Deutsche Jugendliteraturpreis wird 60 Jahre alt! Mit ihm wurden und werden Bücher ausgezeichnet, die nicht nur gut geschrieben und mit schönen Bildern illustriert sind, sondern auch das Verständnis der Menschen füreinander fördern, denn nur mit Interesse aneinander und Respekt voreinander kann es möglich werden, in Frieden zusammenzuleben und Freundschaft zu schließen.

Zu diesem besonderen Geburtstag nun ist ein ganz besonderes Buch erschienen mit preisgekrönten Geschichten aus den zurückliegenden 10 Jahren. Wir finden darin bekannte Autorinnen und Autoren wie Kirsten Boie oder Peter Härtling, aber auch Namen, die es noch zu entdecken gilt. Denn sie kommen aus 5 Kontinenten und zählen zu den besten Kinderbuchschriftstellern der Welt. Und so handeln auch die Geschichten von Kindern aus aller Welt und ihren Schicksalen - und wir werden wieder einmal feststellen, dass alle sich sehr ähnlich sind in ihrem Fühlen und Denken und ihren Träumen - und dass das, was uns allen gemeinsam ist und uns verbindet, sehr viel größer ist, als das, was uns unterscheidet.

Stephanie Jentgens (Hg.):
Was ist los vor meiner Tür?
20 Geschichten der Besten
zum 60. Geburtstag des Deutschen Jugendliteraturpreises
Berlin 2016 (Jacoby & Stuart)
ISBN 978-3-942787-87-1
Überall im Buchhandel

Ich wünsche Euch noch einen schönen verbleibenden Sommer mit vielen spannenden Lese-Abenteuern und einen guten Start in den Herbst!

Viele liebe Grüße

Eure Betty







Sonntag, 22. November 2015

Von leuchtenden Kindern, von Menschen, die sich nicht von schlechten Nachrichten aufhalten lassen - und von der Kraft des Erzählens.

Wir sind alle bestimmt, zu leuchten,
wie es die Kinder tun.


Nelson Mandela










An diesen Worten bin ich hängen geblieben, als ich nach einem passenden Anfang für meinen längst überfälligen Herbst-Blogpost suchte. Ich habe lange gezögert; es ist mir schwer gefallen, in diesen Tage Worte zu finden. Es passieren in der Welt gerade viele Dinge, die weder die Kleinen noch die Großen verstehen, und wir alle haben so wenig entgegenzusetzen.

In solchen Tagen kann es gut sein, den Blick auf Menschen zu richten, die sich nicht von schlechten Nachrichten aufhalten lassen, die auch Gefahren und Unbequemlichkeiten auf sich nehmen, um sich gegen Unterdrückung und Ausgrenzung und für Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen. Ein solcher Mensch war Nelson Mandela, der in Südafrika gegen die Ausgrenzung von Menschen schwarzer Hautfarbe kämpfte und dafür lange im Gefängnis saß, später sogar Präsident seines Landes wurde und auch nach dieser Zeit nicht aufhörte, den Menschen zu sagen, dass sie lieber miteinander reden sollen, statt aufeinander zu schießen.

Was er über Kinder sagte, finde ich sehr treffend, denn ich bin jeden Tag mit Kindern zusammen und kann es bestätigen. Allen Kindern, die ich bislang kennenlernte, war eines gemeinsam: Sie wünschten sich, Freunde zu haben und gemeinsam ungestört spielen, Spaß haben und lachen zu können. Sie begegnen einander neugierig und aufgeschlossen und möchten gemeinsam lernen und die Welt entdecken. Unterschiede unter Menschen finden sie interessant, manchmal witzig, nie jedoch störend. Wenn Kinder doch einmal andere Kinder ausgrenzen, weil diese anders sind, als sie selbst, haben sie sich das meistens von Erwachsenen abgeschaut. Vorurteile und Hass gegen andere Menschen sind von Erwachsenen gemacht, nie von Kindern! Und deshalb ist das etwas, was Kinder sich NICHT, AUF KEINEN FALL von Erwachsenen abschauen dürfen! Vielmehr können und müssen hier ganz dringend wir Erwachsenen von Euch Kindern lernen!!!

Hier haben Kinder auf einem Tuch ein herbstliches Bild ausgelegt - so vielfältig bunt wie unsere Welt:



Wenn Euch übrigens die Nachrichten für die Großen manchmal Angst machen oder Ihr sie nicht versteht, findet Ihr beim ZDF Nachrichten für Kinder unter www.logo.de. Komplizierte Dinge werden dort recht gut erklärt und Ihr könnt auch Eure eigenen Fragen stellen.

Menschen aus anderen Ländern kennenlernen geht besonders gut, wenn wir uns ihre Geschichten erzählen lassen. Manchmal sind dies sehr alte Geschichten oder Märchen, die seit langem von Eltern oder Großeltern den Kindern und Enkeln immer weitererzählt wurden, so dass sie uns mit Menschen verbinden können, die in früheren Zeiten gelebt haben. Nelson Mandela gehörte zu den Menschen, die gern solche Geschichten gesammelt haben, und so entstand diese liebevolle Märchensammlung aus Afrika mit vielen Bildern afrikanischer Künstler:

Nelson Mandela:
Meine afrikanischen Lieblingsmärchen
München 2006 (dtv)
ISBN 978-3-423-20924-3
9,95 €
Überall im Buchhandel

Link zum Buch

Wer gern mehr über Nelson Mandela erfahren möchte, findet hier ein interessantes Kurzportrait bei Geolino.






Viele der Menschen, die derzeit auf der Flucht vor Krieg, Armut, Hunger, Unterdrückung und Gewalt nach Europa kommen, sind aus Afrika. Oft verlieren wir über den vielen Nachrichten, die wir hören, die gewaltige Größe und Vielfalt dieses Kontinents aus den Augen. Kinder interessieren sich natürlich am meisten dafür, wie Kinder dort leben und welche Geschichten sie erzählen und erzählt bekommen.

Dieses vom Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF, der Stiftung Lesen und der Peter-Krämer-Stiftung (Schulen für Afrika) empfohlene Lese- und Vorlesebuch lädt ein zu einer Reise in verschiedene Gegenden Afrikas und erzählt von Kindern, Tieren und Abenteuern. Für jede Altersstufe findet sich etwas darin - und falls Ihr mal doch niemanden zum Vorlesen findet, liegt auch eine CD als Hörbuch bei!


Afrika, wie ist es da?

Geschichten zum Vor- und Selberlesen
Hamburg 2014 (Carlsen)
ISBN 978-3-551-18344-6
16,99 €
Überall im Buchhandel

Link zum Buch











Eine der Hainbuchen vor unserem Kinderhort im Oktober



Maler Herbst in der Stadt...





... und in den Weinbergen.




Aus Goethes Garten...
Wenig ist inzwischen von den Farben des Herbstes übrig geblieben. Den kleinen Glücksbringer auf dem nebenstehenden Bild fand ich in Weimar im Garten des Dichters Goethe.









Wer sich weitere Fotos von meinen Reisen im Sommer und Herbst anschauen möchte, kann mich wie immer gern auf meinen anderen Blog besuchen unter www.bettys-corner.de. Ihr findet dort Bilder von meinem Besuch im Malerdorf Worpswede bei Bremen, an der Ostsee und in Erfurt und Weimar.

Windmühle Kröpelin in Mecklenburg



Leuchtturm Timmendorf auf der Insel Poel/Mecklenburg

Und natürlich findet Ihr Windmühlen - und Leuchttürme! Diese würden wiederum sehr schön zu unseren Worten vom Beginn passen. Vielleicht könnt Ihr Kinder so etwas wie Leuchttürme sein, die manchen verirrten Großen den Weg zu einem besseren Miteinander weisen?!













Im Herbst war ich dann wieder viel in meiner eigenen Umgebung unterwegs, - wie hier auf einer Wanderung mit meinem Sohn Raphael, den ich leider nicht mehr so oft sehe, weil er inzwischen nach Köln gezogen ist. Aber wir besuchen einander oft.




Nun ist der späte Herbst ja allgemein die beste Zeit zum Lesen und sich Vorlesen-Lassen. Kleine wie Große lassen sich außerdem gern von Bildern verzaubern. Eine schöne Bilderbuchsammlung mit bekannten und weniger bekannten Geschichten findet sich nun in einem farbenfrohen Band vereint und verspricht gemütliche nachmittägliche oder abendliche Lese- und Vorlesestunden.


Lena Arro, Lieve Baeten, Kirsten Boie, Erhard Dietl, Eva Eriksson, Astrid Lindgren, Paul Maar, Dorothy Palanza:

Mein Bilderbuchschatz

Von Drachen, Bären und schönen Träumen
Hamburg 2006/2015 (Oetinger)
ISBN-13: 978-3-7891-7784-2
16,99 €

Überall im Buchhandel

Link zum Buch





Und natürlich steht am Ende des Herbstes auch Advent vor der Tür, und für alle, die es gar nicht erwarten können, gibt es zum Glück Adventskalender! Als Kind habe ich sie geliebt und mich von den Bildern vor und hinter den Türchen verzaubern lassen. Nach Weihnachten habe ich diese stets wieder vorsichtig verschlossen und die Kalender sorgfältig aufbewahrt; hin und wieder kam auch ein neuer hinzu, und so hüte ich noch heute eine recht ansehnliche Sammlung, für die ich kaum Platz an den Wänden finde, so dass ich immer nur einige von ihnen aufhängen kann.

Für diejenigen unter Euch, denen es genauso geht, und die von Adventskalendern nie genug bekommen können, liegt ein solcher diesem neuen Vorlesebuch mit 24 Weihnachtsgeschichten bei.

Autorinnen und Autoren wie Astrid Lindgren, Christine Nöstlinger, Antonia Michaelis, Rolf Krenzer und viele andere stimmen uns mit lustigen und nachdenklichen Geschichten auf die Weihnachtstage ein.

24 Vorlesegeschichten für die Weihnachtszeit

Einband und farbige Illustrationen von Heike Vogel
Hamburg 2015 (Ellermann)
ISBN-13: 978-3-7707-3949-3
14,99 €
Überall im Buchhandel

Link zum Buch



Die Adventszeit ist die Zeit der Wünsche, mögen diese groß sein oder auch nur klein. Ich wünsche Euch vor allem Erwachsene, die sich Zeit für Euch nehmen, sei es zum Vorlesen oder zum Reden und Zuhören. Und Freunde, die für Euch da sind und für die Ihr da sein könnt! Lisa hier meint übrigens, dass die Zahl der Beine bei Freunden keine sehr große Rolle spielt...

Alles Liebe und einen schönen Advent!

Eure Betty







Samstag, 28. Februar 2015

Von einem blauen Band, einem dichtenden Pfarrer und seinem Turmhahn - und wundersamen Wasserfrauen in tiefen Seen...


Er ist 's

Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
– Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's!
Dich hab ich vernommen!

Eduard Mörike


Gewiss, ein wenig Zeit werden wir ihm noch lassen müssen, aber erste Boten zeigen, dass der Frühling zu uns unterwegs ist. Die Veilchen träumen zwar noch, dafür steckt - Hokuspokus - der Krokus seine Nase schon ans Licht, wie es auch in dem schönen Märzlied von Rolf Zuckowski heißt. Diesen hier auf dem Bild fand ich im Garten meiner Mama, zusammen mit vielen Schneeglöckchen, die sich dort versammelt haben, um eine neue Jahreszeit einläuten.



Eine liebe Freundin von mir meinte, dieses hier sähe aus wie eine Tänzerin. Dies war mir zuvor noch gar nicht aufgefallen, aber beim näheren Hinsehen könnte man es wirklich glauben. Oder was meint Ihr?

Das bekannte Frühlingsgedicht vom blauen Band lese und höre ich immer wieder gern, weil es das Kommen des Frühlings sehr schön beschreibt. Sein Dichter, Eduard Mörike, steht mir außerdem nahe, weil er aus meiner Gegend kommt. Er ist in dem schönen Städtchen Ludwigsburg geboren, wo ich immer wieder sehr gern hinfahre und die herrlichen Schlossgärten bewundere. Einiges darüber findet Ihr in Betty's Büchergarten. 

Nun war Dichter auch früher nicht der Beruf, den sich Eltern unbedingt für ihre Kinder wünschen, und so musste Eduard auf Geheiß seines Onkels, der seine Ausbildung bezahlte, Pfarrer werden. In diesem Beruf war er jedoch nicht sehr glücklich; er stieg nicht gern auf die Kanzel in der Kirche und predigte. Er mochte nicht gern vor vielen Menschen reden. Viel lieber ging er in der Natur spazieren, schrieb Gedichte und sammelte Märchen, Sagen und Geschichten, die sich die Leute erzählten.

Eine seiner Pfarrstellen hatte er in dem kleinen Dorf Cleversulzbach in der Nähe von Heilbronn, wo heute noch ein kleines Museum im alten Schulhaus für ihn eingerichtet ist, das man besichtigen kann. Wer gerne spazieren geht oder wandert, kann auf dem "Mörike-Pfad" immer den Schildern mit dem Turmhahn-Symbol nachgehen und die Lieblingsplätze des Dichters besuchen. Ich selbst war dort schon einmal vor einigen Jahren und habe mir vorgenommen, bald einmal wieder hinzufahren.



Eine der bekanntesten Geschichten, die man sich von Mörike zu erzählen weiß, ist die vom alten Turmhahn. In der Zeit, als er in Cleversulzbach Pfarrer war, musste am Kirchturmdach manches erneuert werden, und so wurde auch gleich der alte, verwitterte Turmhahn heruntergenommen und durch einen neuen ersetzt. Mörike jedoch tat der alte Turmhahn Leid, der so einsam und vergessen im Hof herumstand. Er fand, dass er dies nach so langer, treuer Dienstzeit auf dem Kirchturmdach nicht verdient hätte, und bat darum, dass man ihm den Hahn in die Stube bringen sollte. Ratet mal, wie die Leute darauf reagiert haben? Genau! Sie sagten Dinge wie: "Der Pfarrer Mörike, der spinnt ja schon lange ein bisschen mit seiner Dichterei, und jetzt ist er nun wohl ganz verrückt geworden!"


Aber um das Gerede der Leute hat sich Eduard Mörike nie gekümmert. Der Turmhahn bekam einen Ehrenplatz in seinem Schreibzimmer und sogar ein eigenes, ihm gewidmetes Gedicht, welches so beginnt:

Zu Cleversulzbach im Unterland
Hundertunddreizehn Jahr ich stand,
Auf dem Kirchenturm ein guter Hahn,
Als ein Zierat und Wetterfahn.
In Sturm und Wind und Regennacht
Hab ich allzeit das Dorf bewacht.
Manch falber Blitz hat mich gestreift,
Der Frost mein' roten Kamm bereift,
Auch manchen lieben Sommertag,
Da man gern Schatten haben mag,
Hat mir die Sonne unverwandt
Auf meinen goldigen Leib gebrannt.
So ward ich schwarz für Alter ganz,
Und weg ist aller Glitz und Glanz.
Da haben sie mich denn zuletzt
Veracht't und schmählich abgesetzt.
Meinthalb! So ist der Welt ihr Lauf,
Jetzt tun sie einen andern 'nauf.
Stolzier, prachtier und dreh dich nur!
Dir macht der Wind noch andre Cour...

Das Gedicht geht noch viel, viel weiter und ist so lang, dass es hier jede Menge Platz bräuchte. Wer es gerne in voller Länge lesen möchte, findet es an verschiedenen Orten im Internet, wie zum Beispiel hier - sehr schön mit alten Bildern illustriert - im Goethezeitportal, wo man auch sonst vieles über Dichter erfahren kann.

Und hier geht es zum Mörike-Museum Cleversulzbach, wo man den alten Turmhahn noch bewundern kann.






In dem Kindergarten, in dem ich hin und wieder arbeite, haben sich inzwischen mehrere Kinder, die sich gern mit Büchern beschäftigen, zu einem Leseclub zusammengefunden. Gemeinsam haben wir viel gelesen und erzählt, uns mit Eltern und Großeltern zu einem Erzählcafé getroffen und auf einem kleinen Ausflug die Bücherei unserer Stadt erkundet.

Im Zuge unserer Leseabenteuer sind auch wir Mörike begegnet. Wir entdeckten die Geschichte einer Wassernixe, genannt "Die schöne Lau", welche sich die Leute von der südlichen Schwäbischen Alb bei Blaubeuren in der Nähe von Ulm erzählten, und die Mörike aufgeschrieben hat. Es gibt dort einen sehr tiefen Quellsee, seiner Farbe wegen "Blautopf" genannt, auf dessen Grund, wo sich das Wasser aus vielen, weitverzweigten Höhlen sammelt, die schöne Lau lebte und Freundschaft mit einer netten Gastwirtsfamilie in der Menschenwelt schloss, die ihr aus ihrer Traurigkeit heraushalf.  Die Illustratorin Daniela Drescher hat diese Geschichte mit stimmungsvollen Bildern in traumhaften Farben in diesem wunderschönen Bilderbuch festgehalten.



Eduard Mörike / Daniela Drescher:
Die Geschichte von der schönen Lau. Stuttgart 2009
(Urachhaus), € 14,90 
ISBN: 978-3-8251-7641-9 
Überall im Buchhandel
Link zum Buch: Die Geschichte von der schönen Lau


Besonders liebten die Kinder die darin erzählte Begebenheit von dem frechen Burschen, der die Tiefe des Sees mit einem Bleilot an seiner Angelschnur messen wollte, und als er diese hochzog, nur eine Zwiebel daran hängen fand. Die Wasserfrau hatte ihm einen Streich gespielt, und der schwäbische Spruch, den die Leute in dieser Gegend seitdem gern sagen, ist ein wahrer Zungenbrecher, den die wir natürlich gleich ausprobieren mussten: 


„‘S leit a Klötzle Blei glei bei Blaubeura,
glei bei Blaubeura leit a Klötzle Blei!“


Wer es schafft, dies ganz schnell herzusagen, kann sich wohl einen wahren Sprachkünstler nennen. Wer mag es versuchen? :-)

Auf der Homepage von Daniela Drescher findet sich eine Kostprobe ihrer schönen Illustrationen zu verschiedenen Kinderbüchern.

Für jene, die jetzt neugierig geworden sind und sich gern über den sagenhaften Ort kundig machen möchten oder ein neues Ausflugsziel suchen, geht es hier zum Blautopf.


Wer hingegen die schönen alten Märchen aus der Sammlung der Brüder Grimm liebt, dem sei ein zauberhaftes Märchenbuch empfohlen, das auf jeweils einem großen Bild ein ganzes Märchen erzählt. Dort gibt es ein Wiedersehen all mit den alten Bekannten wie "Hänsel und Gretel", "Frau Holle", "Aschenputtel", "Dornröschen", den "Bremer Stadtmusikanten" und vielen anderen, deren Abenteuer man immer wieder neu lesen und hören kann.



Barbara Bedrischka-Bös (Illu.):
Meine wunderbare Märchenwelt.
Die schönsten Märchen der Brüder Grimm
in zauberhaften Erzählbildern
Freiburg im Breisgau 2012
Kerle Verlag, € 16.95
ISBN: 978-3-451-71115-2
Überall im Buchhandel

Link zum Buch: Meine wunderbare Märchenwelt




 
Ein sehr schönes, poetisches Bilderbuch über einen Apfelbaum im Jahreskreis ist hingegen ganz neu erschienen und lädt zum Betrachten und Träumen ein:




Görel Kristina Näslund: 
Unser Apfelbaum  
Illustrationen von Kristina Digman
Aus dem Schwedischen von Karl-Axel Daude
Zürich 2014 (Bohem Press), € 12,95
ISBN 978-3-85581-544-9
Überall im Buchhandel

Link zum Buch: Unser Apfelbaum (Seite 18 auf der Liste) 









Kommt es manchmal vor, dass Ihr Euch gern vorlesen lassen würdet, aber gerade niemand Zeit hat? Auf der Seite von OHRKA.de gibt es Abhilfe! Dort haben viele Journalisten und Schauspieler ehrenamtlich, also ohne etwas dafür zu bekommen, Kinderbuchklassiker für Euch vorgelesen, die man dort als kostenlose Hörbücher abrufen kann. Hört mal rein!

Weitere Links für Kids findet Ihr ganz unten auf der rechten Seite dieses Blogs, wo ich manches sammle, was ich beim Stöbern so finde, und von dem ich denke, dass es etwas für Euch sein könnte.

 


  
Da der nahende Frühling uns zu vielen Entdeckungen in der Natur einlädt, will ich Euch im nächsten Blog gern einige Naturführer und Bestimmungsbücher für Kinder vorstellen.

Einstweilen werde ich mich noch für einige Wochen bei den Kleinsten in einer Krippengruppe umschauen und bin sehr gespannt, ob es auch dort schon kleine Bücherwürmer gibt.
Ich werde berichten!


Einen schönen Frühling mit vielen tollen Erkundungen und viel Lesespaß
wünscht Euch

Betty