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Samstag, 8. Dezember 2018

Von der Kraft eigener innerer Bilder, von reisenden Zwei- und Vierbeinern und der Freundschaft, die Einsamkeit überwindet...

"Lass dich nicht unterkriegen;
sei frech und wild und wunderbar."

Astrid Lindgren

(Aus: Pippi Langstrumpf)








Ursprünglich wollte ich hier vor zwei Wochen etwas zum Bundesweiten Vorlesetag schreiben. Aber wie immer, wenn ich mich nach einem bestimmten Tag im Kalender ausrichten will, geht es schief. Vielmehr fällt mir selten etwas Gescheites dazu ein. Versteht mich richtig: Es ist gut, dass es diesen Tag gibt, der uns daran erinnert, wie wichtig es ist, dass die Kleinen von den Großen vorgelesen bekommen. Aber bei diesem Tag darf es nicht bleiben. Kinder sollten jeden Tag vorgelesen bekommen! So wie Menschen das ganze Jahr über versuchen sollten, sich gegenseitig eine Freude zu machen, nicht nur an Weihnachten. Denn auch dieses Fest steht wieder vor der Tür. Natürlich sind die dunklen Abende im Herbst und Winter - und gerade jetzt in der Adventszeit auch zum Vorlesen wie geschaffen.




Vorgelesen habe ich dann in der Tat. Nicht am Vorlesetag, da habe ich nur zugehört. Aber kurz darauf hatten wir einen Kinder-Flohmarkt, dort haben wir uns einen Nachmittag lang herrlich mit schaurigen und witzigen Gespenstergeschichten gegruselt und viel gelacht. Eine davon, die von Rupp Rüpel, dem grausigsten Gespenst von ganz Småland, findet ihr in den Märchen von Astrid Lindgren, die vielleicht nicht ganz so bekannt sind wie Pippi, Michel, Ronja oder Karlsson vom Dach, aber sich gerade deshalb lohnen, wiederentdeckt zu werden.

Astrid Lindgren:

Märchen

Mit teilweise farbigen Illustrationen von Ilon Wikland
Aus dem Schwedischen von Senta Kapoun & Hedwig Kronnerwetter / Anna-Liese Kornitzky / Karl Kurt Peters
Hamburg 1989 (Oetinger)
17,00 €
ISBN-13: 978-3-7891-2947-6

Überall im Buchhandel





Astrid Lindgren wird für mich immer die wichtigste Autorin bleiben, nicht nur weil ich ihre Bücher sehr liebe und immer wieder gern lese. Nein, auch weil sie diejenige ist, die sich stets dafür stark gemacht hat, dass Kinder Kinder sein dürfen. Dass sie ein Recht darauf haben, ungestört zu spielen und sich in der freien Natur zu bewegen. Dass sie ein liebevolles Zuhause brauchen und vor Gewalt geschützt werden müssen. Und dass Kinder Bücher brauchen! Sie hat einmal gesagt - vor 40 Jahren, als sie in Frankfurt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels bekam:

"Alles, was an Großem in der Welt geschah, vollzog sich zuerst in der Phantasie eines Menschen, und wie die Welt von Morgen aussieht, hängt in großem Maß von der Einbildungskraft jener ab, die gerade jetzt lesen lernen." 

Damit meinte sie, dass wir beim Lesen lernen, uns unsere eigenen Bilder zu schaffen, uns etwas vorzustellen. Menschen, die das schon als Kinder lernen, können auch eine Vorstellung davon entwickeln, wie eine bessere Welt aussehen könnte und was dafür verändert werden muss.

Fernsehen und elektronische Spiele können natürlich auch Spaß machen, aber sie lassen im Kopf und im Herzen kaum mehr Platz für eigene Gedanken. Wer seine Zeit nur vor Apparaten verbringt, hat am Ende des Tages den Kopf voller fertiger Bilder, die andere Menschen sich ausgedacht haben und schafft es nur noch schwer, sich selbst etwas auszudenken. Aber ihr wollt ja die Welt mitgestalten und nicht nur tun, was euch irgendjemand sagt! Denn Mitgestalten bedeutet Freiheit! Und deshalb ist es wichtig, viel zu lesen und selbst nachzudenken. Und das Gedachte zum Ausdruck bringen. Selbst etwas erzählen. Oder schreiben. Oder eigene Bilder malen, etwas Eigenes erfinden, basteln oder bauen. Oder Musik machen, seine Gedanken und Gefühle in Klänge verwandeln. Allein für sich und gemeinsam mit anderen. Beides ist wichtig!





Hansestadt Lübeck - An der Untertrave
Dieser Herbst war für mich wieder einmal ein Reiseherbst. Meine Fahrt hatte - wie so oft - meine geliebte Ostsee zum Ziel, aber zuvor machte ich Halt in der Lüneburger Heide und in Lübeck, der Stadt der vielen Türme und des Marzipans. Die Stadt liegt ganz von Wasser umgeben und im Hansahafen an der Untertrave könnt ihr alte - oder wie man sagt: historische - Segelschiffe bewundern, wie hier die "Lisa von Lübeck".






Lisa von Lübeck

Lübeck - Holstentor
Das Lübecker Holstentor ist das berühmteste Stadttor Deutschlands und war früher auf der Rückseite von 50-Mark-Geldscheinen zu bewundern. Die Türme links gehören zur Marienkirche, der Turm auf der rechten Seite ist der von St. Petri. Von dessen Plattform hat man einen tollen Rundblick über die ganze Stadt und muss dazu nicht einmal Treppen steigen. Ein Aufzug führt hinauf. Obwohl ich selbst es sehr spannend finde, über Treppen auf Kirchtürme zu steigen. Aber es ist natürlich toll, wenn es einen Aufzug gibt! So können auch Menschen, die durch eine Verletzung oder Behinderung nicht ganz so beweglich sind, die schöne Aussicht genießen, selbst im Rolli.

Lübeck - Holstentor von der Stadtseite


Lübeck - Theaterfigurenmuseum im Kolk
In einer engen Gasse in der Nähe der Petrikirche gibt es ein Figurentheater und auch ein Theaterfigurenmuseum.

Ich wäre sehr gern hineingegangen, aber es hat leider für längere Zeit wegen Umbaus geschlossen. Allerdings entsteht dort wohl etwas wirklich Tolles und wir dürfen auf die Zeit gespannt sein, wenn einmal alles fertig ist!












Fenster zum Lübecker Figurentheater


Das Lübecker Figurentheater im Kolk
Der Spielplan des Figurentheaters selbst jedoch läuft zunächst noch weiter und bietet am Wochenende Aufführungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Mehr dazu findet ihr unter:

https://www.figurentheater-luebeck.de/.

Vielleicht findet ihr ja Zeit für einen Besuch, wenn ihr irgendwann mal nach Lübeck kommt.

Meine eigene Zeit war leider zu kurz, denn ich wollte ja weiter auf die Insel Rügen und nach Kranichen, die dort gern auf ihrem Flug in den Süden rasten, Ausschau halten. Und - siehe da!








Allabendlich bot sich ein großartiges Schauspiel, wenn sich die "Vögel des Glücks" von den Feldern, auf denen sie den ganzen Tag nach Nahrung gesucht hatten, in die Lüfte erhoben und sich auf den Weg machten zu ihren Schlafplätzen im flachen Boddengewässer zwischen den Halbinseln.

Mit nassen Füßen zu schlafen, macht einem Kranich nichts aus. Der Wasser-Schlafplatz im Schilf schützt ihn vor Fressfeinden wie zum Beispiel dem Fuchs, der sich nicht so gerne nasse Pfoten holt und dann doch lieber verzichtet und nach Mäusen Ausschau hält.


Und so erlebte ich dort den schönsten Sonnenuntergang - mit Kranichen und Schwänen!














Tiere unterwegs auf Reisen sind gar keine Seltenheit und der Vogelzug im Frühling und Herbst ist nur ein Beispiel. Zu Land, zu Wasser und in der Luft sind Tiere aus vielerlei Gründen unterwegs. Wer mehr darüber erfahren möchte, wird an diesem Bilderbuch Freude haben:

Laura Knowles, Chris Madden

Unser Weg so weit

Kleine Geschichten von großen Tierreisen

München 2018 (arsEdition)
ISBN: 978-3-8458-2886-2
16,00 €

Überall im Buchhandel


 


Aussicht vom Königsstuhl auf Jasmund / Insel Rügen
Und auch wir Menschen reisen. Manche von uns, weil sie es müssen, weil sie auf der Suche nach Schutz und Sicherheit sind. Andere reisen, weil sie es wollen. Dass es ein Glück ist und kein Verdienst, reisen zu dürfen und nicht zu müssen, ist mir bewusst. Ich bin dankbar dafür und weiß, dass es nicht selbstverständlich ist.

An den Kreidefelsen von Rügens Nord- und Ostküste hatte inzwischen Maler Herbst den Pinsel geschwungen und geradezu unwirkliche Bilder gezaubert.



Kreidefelsen an der Viktoria-Sicht auf Jasmund / Insel Rügen


Der Königsstuhl auf Jasmund / Insel Rügen
Bunte Wälder, weiße Klippen, blaues Meer... - fehlt noch etwas?

Ach ja! Leuchttürme!










Die Leuchttürme von Kap Arkona

Das Kap Arkona mit seinen zwei Leuchttürmen am nördlichsten Punkt der Insel Rügen ist ein ganz besonderer Ort. Der kleine Turm ist der ältere von beiden und wurde vor fast 200 Jahren erbaut. Im Jahr 1901 wurde dann der große Turm neben den kleinen gesetzt, sein Licht sollte mehr Reichweite bekommen. Er ging 1905 in Betrieb und gibt bis heute Schiffen draußen auf dem Meer Orientierung.

Im kleinen Turm gibt es heute interessante Ausstellungen und ein Trauzimmer, in dem geheiratet werden kann. Ein Stück entfernt steht noch ein etwa hundert Jahre alter Marinepeilturm. Das Besteigen der Türme lohnt immer, sie alle bieten einen herrlichen Ausblick über Land und Meer und obwohl sie nah beieinander stehen, ist jede Aussicht immer wieder ein bisschen anders.





Der Marinepeilturm von Arkona
Aber schließlich wurde es auch für mich Zeit, wieder gen Süden aufzubrechen.

Der Heimweg führte mich über Jena, wo ich mir unbedingt noch Schillers Gartenhaus anschauen wollte. Da dieses damals nicht gut zu heizen war, wurde es nur als  Sommerhaus genutzt, in das die Familie des Dichters jeden Frühling aus ihrer Stadtwohnung umsiedelte. Die Schillers waren nicht reich und konnte es sich nicht leisten, zwei Häuser mit Möbeln auszustatten. Deshalb wurden die Möbel stets mitgenommen. Ein Riesenumzug also, zweimal im Jahr! Das stelle ich mir ganz schön anstrengend vor!








Schillers Gartenhaus in Jena

Der Garten ist wunderschön angelegt und offen für alle. An seinem anderen Ende befindet sich ein runder, steinerner Tisch, an dem Schiller oft mit seinem Dichterfreund Goethe gesessen und Gespräche geführt hat. Es fühlt sich schon ganz besonders an, dort zu sitzen!

Besonders fasziniert hat mich der große Feldahornbaum, der an diesem Tag in der herbstlichen Mittagssonne den Garten in herrliche Goldtöne tauchte.











Doch irgendwann geht auch der schönste Reise-Herbst einmal zu Ende und wir müssen uns für den Winter einrichten. Dazu brauchen wir Bücher, das ist ja klar!

Ein großes Vorlesebuch erschien pünktlich zum Vorlesetag und bietet eine bunte Sammlung an Geschichten von verschiedenen Autorinnen und Autoren. Hier dürfte jede und jeder fündig werden!

Paul Maar / Kirsten Boie / Elisabeth Zöller u.a.:

Komm mit ins Land der Fantasie

Das große Vorlesebuch

Hamburg 2018 (Ellermann)
EUR 30,00
ISBN-13: 978-3-7707-0097-4

Überall im Buchhandel


Ein zauberhaftes Bilderbuch mit einer sehr berührenden Geschichte, die - obwohl keine Weihnachtsgeschichte im eigentlichen Sinn - gut in die Weihnachtszeit passt, ist von

Martin Widmark, Emilia Dziubak:

Als Larson das Glück wiederfand

Aus dem Schwedischen übersetzt von Ole Könnecke

München 2018 (arsEdition)
ISBN: 978-3-8458-2599-1
15,00 €

Überall im Buchhandel

Sie handelt von Einsamkeit und von Freundschaft, die solche überwinden helfen kann.

Dass niemand von euch in diesen Tagen einsam sein muss und jede und jeder von euch einen Ort der Zuflucht und des Friedens findet, das wünscht euch von Herzen - mit allen guten Wünschen für Weihnachten und für das Neue Jahr

Eure Betty

Sonntag, 22. November 2015

Von leuchtenden Kindern, von Menschen, die sich nicht von schlechten Nachrichten aufhalten lassen - und von der Kraft des Erzählens.

Wir sind alle bestimmt, zu leuchten,
wie es die Kinder tun.


Nelson Mandela










An diesen Worten bin ich hängen geblieben, als ich nach einem passenden Anfang für meinen längst überfälligen Herbst-Blogpost suchte. Ich habe lange gezögert; es ist mir schwer gefallen, in diesen Tage Worte zu finden. Es passieren in der Welt gerade viele Dinge, die weder die Kleinen noch die Großen verstehen, und wir alle haben so wenig entgegenzusetzen.

In solchen Tagen kann es gut sein, den Blick auf Menschen zu richten, die sich nicht von schlechten Nachrichten aufhalten lassen, die auch Gefahren und Unbequemlichkeiten auf sich nehmen, um sich gegen Unterdrückung und Ausgrenzung und für Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen. Ein solcher Mensch war Nelson Mandela, der in Südafrika gegen die Ausgrenzung von Menschen schwarzer Hautfarbe kämpfte und dafür lange im Gefängnis saß, später sogar Präsident seines Landes wurde und auch nach dieser Zeit nicht aufhörte, den Menschen zu sagen, dass sie lieber miteinander reden sollen, statt aufeinander zu schießen.

Was er über Kinder sagte, finde ich sehr treffend, denn ich bin jeden Tag mit Kindern zusammen und kann es bestätigen. Allen Kindern, die ich bislang kennenlernte, war eines gemeinsam: Sie wünschten sich, Freunde zu haben und gemeinsam ungestört spielen, Spaß haben und lachen zu können. Sie begegnen einander neugierig und aufgeschlossen und möchten gemeinsam lernen und die Welt entdecken. Unterschiede unter Menschen finden sie interessant, manchmal witzig, nie jedoch störend. Wenn Kinder doch einmal andere Kinder ausgrenzen, weil diese anders sind, als sie selbst, haben sie sich das meistens von Erwachsenen abgeschaut. Vorurteile und Hass gegen andere Menschen sind von Erwachsenen gemacht, nie von Kindern! Und deshalb ist das etwas, was Kinder sich NICHT, AUF KEINEN FALL von Erwachsenen abschauen dürfen! Vielmehr können und müssen hier ganz dringend wir Erwachsenen von Euch Kindern lernen!!!

Hier haben Kinder auf einem Tuch ein herbstliches Bild ausgelegt - so vielfältig bunt wie unsere Welt:



Wenn Euch übrigens die Nachrichten für die Großen manchmal Angst machen oder Ihr sie nicht versteht, findet Ihr beim ZDF Nachrichten für Kinder unter www.logo.de. Komplizierte Dinge werden dort recht gut erklärt und Ihr könnt auch Eure eigenen Fragen stellen.

Menschen aus anderen Ländern kennenlernen geht besonders gut, wenn wir uns ihre Geschichten erzählen lassen. Manchmal sind dies sehr alte Geschichten oder Märchen, die seit langem von Eltern oder Großeltern den Kindern und Enkeln immer weitererzählt wurden, so dass sie uns mit Menschen verbinden können, die in früheren Zeiten gelebt haben. Nelson Mandela gehörte zu den Menschen, die gern solche Geschichten gesammelt haben, und so entstand diese liebevolle Märchensammlung aus Afrika mit vielen Bildern afrikanischer Künstler:

Nelson Mandela:
Meine afrikanischen Lieblingsmärchen
München 2006 (dtv)
ISBN 978-3-423-20924-3
9,95 €
Überall im Buchhandel

Link zum Buch

Wer gern mehr über Nelson Mandela erfahren möchte, findet hier ein interessantes Kurzportrait bei Geolino.






Viele der Menschen, die derzeit auf der Flucht vor Krieg, Armut, Hunger, Unterdrückung und Gewalt nach Europa kommen, sind aus Afrika. Oft verlieren wir über den vielen Nachrichten, die wir hören, die gewaltige Größe und Vielfalt dieses Kontinents aus den Augen. Kinder interessieren sich natürlich am meisten dafür, wie Kinder dort leben und welche Geschichten sie erzählen und erzählt bekommen.

Dieses vom Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF, der Stiftung Lesen und der Peter-Krämer-Stiftung (Schulen für Afrika) empfohlene Lese- und Vorlesebuch lädt ein zu einer Reise in verschiedene Gegenden Afrikas und erzählt von Kindern, Tieren und Abenteuern. Für jede Altersstufe findet sich etwas darin - und falls Ihr mal doch niemanden zum Vorlesen findet, liegt auch eine CD als Hörbuch bei!


Afrika, wie ist es da?

Geschichten zum Vor- und Selberlesen
Hamburg 2014 (Carlsen)
ISBN 978-3-551-18344-6
16,99 €
Überall im Buchhandel

Link zum Buch











Eine der Hainbuchen vor unserem Kinderhort im Oktober



Maler Herbst in der Stadt...





... und in den Weinbergen.




Aus Goethes Garten...
Wenig ist inzwischen von den Farben des Herbstes übrig geblieben. Den kleinen Glücksbringer auf dem nebenstehenden Bild fand ich in Weimar im Garten des Dichters Goethe.









Wer sich weitere Fotos von meinen Reisen im Sommer und Herbst anschauen möchte, kann mich wie immer gern auf meinen anderen Blog besuchen unter www.bettys-corner.de. Ihr findet dort Bilder von meinem Besuch im Malerdorf Worpswede bei Bremen, an der Ostsee und in Erfurt und Weimar.

Windmühle Kröpelin in Mecklenburg



Leuchtturm Timmendorf auf der Insel Poel/Mecklenburg

Und natürlich findet Ihr Windmühlen - und Leuchttürme! Diese würden wiederum sehr schön zu unseren Worten vom Beginn passen. Vielleicht könnt Ihr Kinder so etwas wie Leuchttürme sein, die manchen verirrten Großen den Weg zu einem besseren Miteinander weisen?!













Im Herbst war ich dann wieder viel in meiner eigenen Umgebung unterwegs, - wie hier auf einer Wanderung mit meinem Sohn Raphael, den ich leider nicht mehr so oft sehe, weil er inzwischen nach Köln gezogen ist. Aber wir besuchen einander oft.




Nun ist der späte Herbst ja allgemein die beste Zeit zum Lesen und sich Vorlesen-Lassen. Kleine wie Große lassen sich außerdem gern von Bildern verzaubern. Eine schöne Bilderbuchsammlung mit bekannten und weniger bekannten Geschichten findet sich nun in einem farbenfrohen Band vereint und verspricht gemütliche nachmittägliche oder abendliche Lese- und Vorlesestunden.


Lena Arro, Lieve Baeten, Kirsten Boie, Erhard Dietl, Eva Eriksson, Astrid Lindgren, Paul Maar, Dorothy Palanza:

Mein Bilderbuchschatz

Von Drachen, Bären und schönen Träumen
Hamburg 2006/2015 (Oetinger)
ISBN-13: 978-3-7891-7784-2
16,99 €

Überall im Buchhandel

Link zum Buch





Und natürlich steht am Ende des Herbstes auch Advent vor der Tür, und für alle, die es gar nicht erwarten können, gibt es zum Glück Adventskalender! Als Kind habe ich sie geliebt und mich von den Bildern vor und hinter den Türchen verzaubern lassen. Nach Weihnachten habe ich diese stets wieder vorsichtig verschlossen und die Kalender sorgfältig aufbewahrt; hin und wieder kam auch ein neuer hinzu, und so hüte ich noch heute eine recht ansehnliche Sammlung, für die ich kaum Platz an den Wänden finde, so dass ich immer nur einige von ihnen aufhängen kann.

Für diejenigen unter Euch, denen es genauso geht, und die von Adventskalendern nie genug bekommen können, liegt ein solcher diesem neuen Vorlesebuch mit 24 Weihnachtsgeschichten bei.

Autorinnen und Autoren wie Astrid Lindgren, Christine Nöstlinger, Antonia Michaelis, Rolf Krenzer und viele andere stimmen uns mit lustigen und nachdenklichen Geschichten auf die Weihnachtstage ein.

24 Vorlesegeschichten für die Weihnachtszeit

Einband und farbige Illustrationen von Heike Vogel
Hamburg 2015 (Ellermann)
ISBN-13: 978-3-7707-3949-3
14,99 €
Überall im Buchhandel

Link zum Buch



Die Adventszeit ist die Zeit der Wünsche, mögen diese groß sein oder auch nur klein. Ich wünsche Euch vor allem Erwachsene, die sich Zeit für Euch nehmen, sei es zum Vorlesen oder zum Reden und Zuhören. Und Freunde, die für Euch da sind und für die Ihr da sein könnt! Lisa hier meint übrigens, dass die Zahl der Beine bei Freunden keine sehr große Rolle spielt...

Alles Liebe und einen schönen Advent!

Eure Betty







Sonntag, 16. November 2014

Im Herbst auf Reisen - mit Büchern im Gepäck

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: »Junge, wiste 'ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn.«



So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. 's war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.«
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
Sangen »Jesus meine Zuversicht«,
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
»He is dod nu. Wer giwt uns nu 'ne Beer?«

So klagten die Kinder. Das war nicht recht -
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was damals er tat,
Als um eine Birn' ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gingen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet's wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung' übern Kirchhof her,
So flüstert's im Baume: »Wiste 'ne Beer?«
Und kommt ein Mädel, so flüstert's: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew' di 'ne Birn.«

So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

Theodor Fontane



Die "liebe Herbsteszeit" in Theodor Fontanes Gedicht, das ich sehr mag, - nun, sie ist leider viel schneller verstrichen, als es mir lieb sein konnte. Sie war für mich angefüllt mit Lernen und Reisen, und ich habe sie sehr genossen, nur, dass ich allzu gern mehr Zeit für dieses Blog gehabt hätte, das mir sehr am Herzen liegt.

An Fontanes Gedicht musste ich denken, als mich mein Weg durchs Havelland, führte, jene bezaubernde Flusslandschaft in der Nähe von Berlin, und links und rechts der Autobahn Kraniche auf ihrem Durchzug in den Süden rasteten.


Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland
von Theodor Fontane
illustriert von Bernd Streiter
Ueberreuther Verlag, Berlin 2012
14,95 €
ISBN: 978-3-219-115146-8


Da ich die 125 Jahre alte Ballade vom Birnbaum des Dichters Theodor Fontane schon in meiner Kinderzeit liebte, kam mir in den Sinn, dass es hierzu doch auch ein Buch für Kinder geben müsste, und bin schließlich fündig geworden. Dieses schöne, stimmungsvolle Bilderbuch mit Aquarellen von Bernd Streiter erzählt anschaulich die Geschichte des adligen Herrn, der Kindern stets gern von den Früchten seines Baums abgab. Als er jedoch alt geworden war und wusste, dass er nicht mehr lange zu leben hatte, kam ihm in den Sinn, dass sein geiziger Sohn den Kindern wohl nichts übrig lassen würde. Er dachte nach und hatte alsbald eine Idee!

Wer gern mehr über das Gedicht und die Zeit, in der es entstand, erfahren möchte, kann sich darüber hinaus auf der Internet-Seite der Ur- und Ur-Ur-Enkel des Herrn von Ribbeck umsehen, die hierzu vieles gesammelt haben. Hier geht es zur schön gestalteten Homepage der Familie von Ribbeck.

Über meine Reisen werde ich in meinem Haupt-Blog Betty's Corner in wenigen Tagen ausführlicher berichten. Ihr dürft gern auch dort hineinschauen. Hier möchte ich nur erzählen, was für insbesondere Kinder interessant sein könnte.


Wer die vier pfiffigen Gesellen im Bild kennt, wird schnell erraten, wohin mich eine Studienreise geführt hat. Auch wenn die Stadtmusikanten im Märchen dort ja bekanntlich nie angekommen sind, weil sie inzwischen das Räuberhaus im Wald als neue Bleibe passend gefunden hatten, hat die Stadt Bremen ihnen eines Tages ein Denkmal an die Seite ihres Rathauses gesetzt, das, wie ich finde, sehr gut dort hin passt. Selbst im Dunkeln machen Esel, Hund, Katze und Hahn doch eine gute Figur, oder was meint Ihr?



Interessante Orte für Kinder entdecken war Sinn und Zweck dieser Reise, und so konnte ich deren einige kennenlernen und näher anschauen, wie die Freinet-Kindertagesstätte Prinzhöfte, im schönen Naturpark Wildeshauser Geest gelegen. Diese befindet sich in einem ehemaligen Bauernhof mit einem großen Garten- und Naturgelände rings herum, was bedeutet: Jede Menge Platz zum Toben und Spielen, Herumstrolchen und Entdecken, aber auch die Möglichkeit, einen Garten zu gestalten und mit Tieren umzugehen. Die Kinder dort bringen ihre eigenen Ideen ein und entscheiden über die Dinge, die sie selbst und das Leben und Lernen in der KiTa betreffen, gleichberechtigt mit. Das Konzept der Kindertagesstätte orientiert sich nach dem französischen Dorfschullehrer Célestin Freinet, der sich vor etwa hundert Jahren sehr viele Gedanken darüber gemacht hat, wie Kinder besser lernen können, und den Mut hatte, den Unterricht an seiner Schule völlig anders zu gestalten, als damals - und leider muss ich sagen: auch noch heute an den meisten Schulen - üblich.



Ein weiterer Ausflug führte mich zu einer Stadtteilfarm in einem Bremer Vorort, wo im Rahmen von offener Kinder- und Jugendarbeit Kinder in ihrer Freizeit Erfahrungen mit Tieren sammeln können. Auf einem großen Gelände finden sich dort Pferde, Esel, Ziegen, Schafe, Mini-Schweine, Katzen, Gänse, Laufenten und sogar Alpaka-Lamas, so dass sich für jeden ein Lieblingstier finden dürfte. Ich selbst hatte dort Gelegenheit, Erfahrungen mit Alpakas zu sammeln. Diese Tiere waren auch für mich recht neu, da ich solche zuvor immer nur hinter Zäunen bestaunt hatte. Hier ging es nun darum, ihnen ein Halfter anzulegen und mit ihnen über einen Parcours zu gehen, ein besonderes Abenteuer, da es sehr reservierte und eigenwillige Tiere sind. Gleichwohl sind sie aber sehr charmant und sanft, und ich kann Euch entgegen allem, was man Euch über sie erzählt haben mag, versichern: Sie spucken keineswegs, wenn man freundlich mit ihnen umgeht! 























Kaum hatte ich nach der Rückkehr aus Bremen die Koffer ausgepackt, konnte ich sie auch schon wieder einpacken, denn die Herbstferien wollte ich in diesem Jahr auf der schönen Insel Rügen verbringen. Ich wohnte dort ganz in der Nähe der berühmten Kreidefelsen, die seit Jahrhunderten viele Maler und Dichter inspiriert haben. Und sie sehen auch wirklich aus wie gemalt!









Wer genau hinschaut, sieht die Menschen unten am Strand ameisenklein und kann sich so gut vorstellen, wie hoch die Klippen dort sind. Dass es gilt, Acht zu geben und nicht zu nahe an die Kante zu treten, auch keine Absperrzäune zu überklettern, versteht sich in diesem Fall von selbst!






Für alle, die in diesem Jahr ihre Ferien auch an der See verbracht haben und jetzt an regnerischen Novembertagen vielleicht noch dabei sind, ihre gesammelten Schätze zu sortieren, habe ich ein Strandsteine-Bestimmungsbuch für Kinder gefunden, an dem auch Kinder mitgearbeitet haben. Anhand guter Fotos lassen sich die Steine gut vergleichen und es lässt sich vieles über ihre Herkunft erfahren.


Frank Rudolf: Strandsteine für Kids,
Wachholtz Verlag, Neumünster 2011

9,90 €
ISBN: 978-3-529-05414-3


















Natürlich gehören zur See auch Leuchttürme und meine Lieblingsleuchttürme will ich Euch hier nicht vorenthalten. Zu ihnen gehört der besonders schöne Leuchtturm Dornbusch auf der Insel Hiddensee, die man von Rügen aus mit der Fähre erreichen kann. Die Bilder zeigen, dass es auch bei Nebel reizvoll sein kann, hinzuwandern. 













Und weil wegen des Wetters das übliche Gedränge weg fiel, hatte ich genügend Ruhe und Zeit, mir seine Laterne genauer anzuschauen.

 










Das Besondere an Hiddensee: Es gibt dort keine Autos - und deshalb auch keinen Lärm und Gestank. Man geht zu Fuß, fährt Fahrrad oder nimmt die Pferdekutsche.















Am nördlichsten Punkt Rügens liegen die beiden Leuchttürme von Kap Arkona. Der kleinere ist der ältere von ihnen und heute nicht mehr in Betrieb, aber man kann beide besichtigen, - sofern man fit ist im Treppensteigen. Es lohnt sich dies auf jeden Fall und zwischendurch ergeben sich immer wieder ungewöhnliche Aus- und Durchblicke von Turm zu Turm.




























































Und da es im Herbst gerade im Norden sehr früh dunkel wird, konnte ich bereits auf dem Nachhauseweg das Leuchtfeuer beobachten.

An meinem letzten Tag fand ich dann, als wenn es so sein sollte, noch ein Buch mit Vorlesegeschichten, die allesamt an der Ostsee spielen. Sie sind von dem leider in diesem Sommer im Alter von fast 89 Jahren verstorbenen Benno Pludra, der in der damaligen DDR bekannter war als in der Gegend, in der ich wohne. Ich selbst hatte jedoch als Kind Verwandte in der DDR, die mir Bilderbücher schickten, und so kennen nun auch meine Kindergartenkinder "Heiner und seine Hähnchen", den Jungen mit dem weißblonden Igelhaar, der am Strand einschläft, als er Sand für seine Hähnchen holen will, denen Regenpfeifer, Möwe und Kiebitz nach ihm suchen helfen. Auch seine Geschichte findet sich selbstverständlich in diesem Buch, das mit ins Gepäck musste, und auf das vorzulesen ich mich schon freue.


Benno Pludra:
Bootsmann, Lütt Matten und all die anderen
Die schönsten Vorlesegeschichten
Verlagsgruppe Beltz, Weinheim 2011

14,95 €

ISBN 978-3-407-77114-8















So wünsche ich Euch einstweilen noch ein paar schöne Herbsttage, die wir in diesem Jahr etwas länger genießen dürfen! Und für Regenwetter gibt es ja zum Glück - Bücher!

Herzliche Grüße

Eure Betty