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Sonntag, 17. Juni 2018

Von gefiederten Zeitgenossen, von liebenswerten Schurken, vom Sommerbeginn - und vom Leben überhaupt...

Der Sommer, der Sommer,
Das ist die schönste Zeit:
Wir ziehen in die Wälder
Und durch die Au'n und Felder
Voll Lust und Fröhlichkeit.
 

Der Sommer, der Sommer,
Der schenkt uns Freuden viel:
Wir jagen dann und springen
Nach bunten Schmetterlingen
Und spielen manches Spiel.
 

Der Sommer, der Sommer,
Der schenkt uns manchen Fund:
Erdbeeren wir uns suchen
Im Schatten hoher Buchen
Und laben Herz und Mund.
 

Der Sommer, der Sommer,
Der heißt uns lustig sein:
Wir winden Blumenkränze
Und halten Reigentänze
Beim Abendsonnenschein.
 

August Hoffmann von Fallersleben



Und schon ist wieder der Sommer ins Land gezogen. Ein schöner, blütenreicher Frühling ist ihm vorangegangen.

Gerne erinnere ich mich an einen Nachmittag mit "meinen" Kindern auf einer nahegelegenen Streuobstwiese. Wir waren kaum angekommen und mit einem Mal war es ungewohnt still geworden und von einigen Kindern war gar nichts mehr zu sehen. Viele von ihnen saßen längst oben in den Apfelbäumen, sie waren flugs hinaufgeklettert, lagen ganz entspannt in den Ästen und schauten durch die Blätter und Blüten in den Himmel. "Oh", sagte ich noch, "ich bin mir gar nicht so sicher, ob wir das überhaupt dürfen. Auf jeden Fall müssen wir sehr vorsichtig sein und aufpassen, dass keine Zweige abgerissen werden!" Sie versprachen es und verhielten sich sehr achtsam, auch die Lebhafteren unter ihnen. Andere Kinder lagen bäuchlings im Gras und beobachteten Käfer, während wieder andere lange Ketten aus Gänseblümchen und Löwenzahn flochten. Viele von ihnen schienen ganz eins geworden mit der Natur, die sie umgab. Und ich dachte daran, dass dies etwas ist, was vielen Kindern, die in den Städten wohnen, heute fehlt: Einfach in die Natur hinausgehen können und die Seele baumeln lassen.




Hier in unserer ländlichen Umgebung haben wir großes Glück. Auch der Vogel des Jahres, der Star, wohnt gleich zu mehreren in Mauerhöhlen in der Außenwand unseres Schulgebäudes, so dass wir reichlich Gelegenheit haben, ihn zu beobachten. Oft sehen wir ihn, so wie hier, singend und schwatzend aus seiner Höhle schauen und können nur staunen, wie viele Stimmen anderer Vögel er imitieren kann.

Mehr über ihn könnt ihr erfahren, wenn ihr auf diesen Link klickt: Ein echter Star unter den Vögeln - Kindernetz.de SWR

Für alle, die zum Nachschlagen gern auf handfeste Bücher zurückgreifen: In diesem Jahr sind einige, zum Teil sehr schöne Vogelsachbücher für Kinder erschienen, was die Auswahl gar nicht so leicht macht.

Eins möchte ich euch hier vorstellen, aus dem ihr in kurzen Texten mit vielen schönen Fotos und Zeichnungen Spannendes über das Leben und Verhalten von Vögeln erfahren könnt und darüber hinaus Anregungen für eigenes Tun bekommt. Das stabil gefertigte Sachbuch eignet sich gut zum Mithinausnehmen in die Natur.






Naturführer für Kinder
Vögel
München 2018 (Dorling Kindersley)
ISBN 978-3-8310-3468-0
7,95 €

Überall im Buchhandel


Für diejenigen unter euch, die sich gern alles noch genauer anschauen, von Vogelfedern fasziniert sind und diese vielleicht auch gerne sammeln, gibt es hingegen ein ganz besonders kunstvolles Sachbilderbuch, in dem ihr alles über Federn und ihre Funktion erfahren und nebenbei in traumhafte Bilder eintauchen könnt.

Britta Teckentrup:
Die Feder
München 2018 (Prestel)
ISBN: 978-3-7913-7333-1
€ 20,00
Überall im Buchhandel





Britta Teckentrup ist auch die Autorin von Oskar, den wir hier an früherer Stelle schon einmal vorgestellt haben. Von ihm gibt es seit dem letzten Herbst eine Fortsetzung. Und diesmal ist Oskar nicht allein! "Oskar und Mo" ist ein bezauberndes Bilderbuch über Liebe und Freundschaft.

Britta Teckentrup:
Oskar und Mo
München 2017 (Prestel)
ISBN: 978-3-7913-7312-6
€ 12,99
Überall im Buchhandel








 
 




Der späte Frühling war die Zeit der bunten Blumenwiesen und leuchtenden Gräser, zumindest auf den Höhen des Odenwaldes, wo ich gern schnell mal hinfahre. Dort gibt es noch viele Wiesenblumen wie Margeriten, Glockenblumen, Wiesen-Bocksbart und - Kuckuckslichtnelken!















Hier dürfen auch die Kühe noch auf der Weide sein und ihre Kälbchen bei sich haben. Dies ist nicht nur gesund für Tier und Mensch, sondern auch eine echte Chance für unseren Star, der sich sehr gerne dort aufhält, wo Weidevieh ist. Hier findet er reichlich Nahrung - und erleichtert ganz nebenbei den Kühen das Leben, indem er sie von lästigen Insekten befreit. Eine Art Freundschaft zwischen ganz verschiedenen Tierarten, von der beide etwas haben. Und so schließt sich wieder der Kreis zum Vogel des Jahres.





Das Leben fängt immer klein an. Dann beginnt es zu wachsen. Leicht ist es auch nicht immer. Und doch lieben wir es! Von all dem handelt dieses ganz bezaubernde Bilderbuch über das Leben aus der Sicht der Tiere. Es zeigt uns das Leben aus einer anderen Perspektive und kann uns lehren, achtsamer zu werden. Auch Kindern, die erst sehr kurze Zeit Deutsch sprechen, gefiel es sehr gut.

Cynthia Rylant/Brendan Wenzel (Illustration):
LEBEN
Übersetzung aus dem Englischen: Thomas Bodmer
Zürich 2017 (Nord-Süd)
ISBN: 978-3-3141-0417-6
16,00 €
Überall im Buchhandel






 


Einstweilen zaubert der Sommer immer neue Farben...















Alte Freunde aus liebgewordenen Büchern wiedertreffen ist etwas Tolles, auch wenn es sich in diesem Fall um einen bekannten und berüchtigten Schurken handelt, der mit Vorliebe Kaffeemühlen klaut! Nun ist ja sein Erfinder Otfried Preußler leider schon vor 5 Jahren verstorben. Zum Glück aber hat eine seiner Töchter noch eine von ihm selbst geschriebene fertige Vorlage zu einem Puppenspiel in einer vergessenen Schublade gefunden, die nur noch zum Vorlesebuch umgestaltet werden musste - und schon gibt es ein neues witziges Abenteuer mit Räuber Hotzenplotz!


Otfried Preußler:
Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete
Stuttgart 2018 (Thienemann)
ISBN: 978-3-522-18510-3
12,00 €
Überall im Buchhandel





Auf dass ihr mit recht viel Lesestoff entspannt durch die heiße Jahreszeit kommen mögt!





Einen Sommer voller Abenteuer und spannender Entdeckungen wünscht euch

Betty


Donnerstag, 6. Juli 2017

Von sommerlichen Abenteuern - und Träumen, die Groß und Klein auf Reisen führen...



Sommergedicht

Ich bin der Sommer
In erbsengrünen Hosen
und kirschrotem Wams
ziehe ich lustig einher.
Heb ich den Finger,
blüh'n Rosen.
Heb ich die Hand,
rauscht die Welle im Meer.
Spiel ich die Flöte,
tanzt der Delfin,
duftet's nach Wiesengrün
und Jasmin.

Mascha Kaléko


Ein merkwürdiges Erlebnis fällt mir ein, sobald ich die Gedichte der von mir sehr geliebten Dichterin Mascha Kaléko in ihrer wunderbaren, bilderreichen Sprache lese. Es war mir so gruselig, dass ich lange nicht darüber sprechen konnte, weil es mich so sehr beschäftigt hat. Ich sollte in einer Bibliothek einer Runde zum Teil sehr kleiner Kinder in Begleitung ihrer Eltern Bilderbücher vorstellen. Ich stellte mir das ganz nett vor und freute mich darauf. Niemanden in dieser Runde kannte ich zuvor, ich war also zunächst für die Kinder dort eine Fremde. Dennoch kamen viele sehr schnell zutraulich angekrabbelt und setzten sich in meine Nähe. Ich hatte das Bilderbuch "Schnip" gewählt, die Geschichte eines jungen Vogels, der sich zunächst nicht zu fliegen getraut, aber vielen anderen Tieren hilft und am Ende doch noch zum Helden wird. Kein Buch von der grellen, schrillen Sorte, eher eine ruhige, zärtliche Erzählung in sanften Farben. 


Claudia Lagermann: Schnipp
Illustrationen von Hanneke Siemensma
Aus dem Niederländischen von Andrea Kluitmann
Münster 2015 (Bohem)

ISBN 978-3-95939-015-6
Überall im Buchhandel


Die Kinder waren gewiss noch etwas schüchtern, aber sie hörten interessiert zu und schauten sich die Bilder an. Ab und zu krabbelten sie ein wenig herum, wie das sehr kleine Kinder nun mal gern tun. Das störte mich nicht. Wer würde denn verlangen, dass sie mäuschenstill sitzen blieben? Andere schnuckelten sich ganz entspannt auf den Teppich, eines schlummerte gar ein wenig. Auch das fand ich nicht schlimm, denn ich lese selbst gern Bücher zur Entspannung und nutze sie, um zur Ruhe zu kommen. Es war ein später Nachmittag im Herbst und so ein Tag ist für kleine Kinder, die meist schon in eine Krippe oder einen Kindergarten gehen, lang und anstrengend. Für meine Schulkinder, die ich sonst betreue, hätte ich mir manches Mal gewünscht, dass sie sich so entspannen könnten. Aber ihr wisst ja selbst, wie anstrengend Schule ist! Am Ende sangen wir das Abendlied "Der Mann im Mond" von Mascha Kaléko, das ich selbst sehr gern habe. Die Kinder kannten es noch nicht, deshalb hörten sie erst einmal zu oder summten nur mit. Beim nächsten Mal hätten sie sich gewiss daran erinnert und mitgemacht.

Was soll ich sagen? Es gab kein nächstes Mal. Und es sollte mir übel ergehen! Die Eltern beschwerten sich bei der Bibliotheksleitung. Sie fanden nämlich, das sei ja doch alles viel zu langweilig für ihre Kinder gewesen. Außerdem hätten sie doch etwas lernen sollen! Ja, auch nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr! 


Ich will ehrlich sein: Ich bin leicht zu erschrecken! Ich habe großen Respekt vor Kindern. Es wäre mir nicht in den Sinn gekommen, diese Kleinen, die mich noch gar nicht kannten, um diese Uhrzeit gleich beim ersten Termin zuzukaspern und dann noch zu verlangen, sie müssten jetzt unbedingt alle mitmachen - und womöglich noch alle dasselbe tun! Das aber wurde wohl von mir erwartet. Nun ist das gewiss kein Beinbruch, solche Sachen passieren. Dann war ich eben nicht die Richtige für diese Aufgabe. Ich hatte zu dieser Zeit noch sehr viel anderes um die Ohren, deshalb entschied ich mich, mein Honorar zu spenden und anderen Platz zu machen, die es möglicherweise besser können. Vielleicht war es feige, so schnell aufzugeben? Ich weiß es nicht. Für die Kinder stimmte es mich ein wenig traurig. Ich fühle, dass wir in einer hektischen Zeit leben, wo uns überall "Action" geboten wird. Die viele Elektronik, von der wir umgeben sind, kann großen Spaß machen, aber sie macht uns auf Dauer auch nervös und zapplig, und zwar uns Große ebenso wie die Kleinen. Sich auf etwas Ruhigeres einzulassen, braucht Zeit und Geduld. Und die haben wir kaum mehr, weil unser Kalender so voll ist. Keine Zeit mehr, Bilder einfach nur auf sich wirken zu lassen. Keine Zeit mehr für Gedichte. Oder? 

Wenn ihr anderer Meinung sein solltet, möchte ich euch dazu einladen. Und deshalb habe ich das Bilderbuch hier schließlich doch empfohlen. Ich habe ihm gewiss Unrecht damit getan, dass ich es bislang nicht tat. Es kann nichts für all die Missverständnisse und mein Unbehagen! Und noch weniger kann die Dichterin Mascha Kaléko dafür, diese Malerin mit Worten, die, wenn sie noch leben würde, in diesem Juni 110 Jahre alt geworden wäre! Auf ihr Buch "Träume, die auf Reisen führen" stieß ich in einer meiner Lieblingsbuchhandlungen. Darin findet ihr den "Mann im Mond" und ebenso unser Sommergedicht. Ihre Gedichte laden zum Träumen ein. Vielleicht finden manche Erwachsene das nicht gut. Sie denken, wenn Kinder träumen, lernen sie nichts. Aber ich sage euch: Das ist ein großer Irrtum! Denn wer träumen kann, schafft sich eine reiche innere Welt. Und auf die kann er - oder sie - immer zurückgreifen, auch dann, wenn es in der Außenwelt mal nicht so toll aussieht.

Mascha Kaléko, Eva-Maria Prokop (Hrsg.):
Träume, die auf Reisen führen. Gedichte für Kinder.
Mit Bildern von Hildegard Müller
München 2016 (dtv/Reihe Hanser)
ISBN
978-3-423-64027-5
Überall im Buchhandel



Natürlich blieb es, wie immer, wenn ich mich in eine gute Buchhandlung verirre, nicht bei einem einzigen Gedichtbuch. Ich fand gleich noch ein weiteres und las mich darin fest. Die Gedichtsammlung "Großer Ozean" ist schon etwas älter, aus dem Jahr 2000, wurde 2001 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert und war so erfolgreich, dass sie immer wieder neu aufgelegt wird. Auch hierin finden sich Gedichte für alle - Große wie Kleine - und vielleicht macht es doch Spaß, gemeinsam hineinzuschauen und manches neu und anderes wiederzuentdecken.

Hans-Joachim Gelberg (Hrsg.):
Großer Ozean. Gedichte für alle.
Weinheim 2015 (Beltz & Gelberg)

ISBN 978-3-407-74631-3
Überall im Buchhandel




Aussicht vom Königsstuhl/Rügen



Kremser in Putgarten auf Rügen

















Leuchttürme Arkona/Rügen



Ehemaliger Leuchtturm Ranzow
Auf Reisen war ich vor einigen Wochen wieder - auf Rügen - und fand auch diesmal - außer Meer, Kreidefelsen und Leuchttürmen - allerlei Wundersames.



















Peilturm Arkona - Wer hat den Mond auf die Turmspitze gesteckt???





So entdeckte ich einen fahrbaren Bücherschrank, der von Dorf zu Dorf zieht, damit Klein und Groß gut mit Büchern versorgt sind. Auf dem Weg dorthin kam es auch zu mancher vierbeinigen Begegnung...













 

Als ich dann sogar einen "Bücherbahnhof" gefunden hatte, könnt ihr euch denken, wo ich die nächsten Stunden zugebracht habe...














Betty am Meer


Katerchen Paul - auch ganz oben im Bild - verriet mir während meines Frühstückstees sein Lieblingsbuch für diesen Sommer: "Ab heute wird's wild und gefährlich" erzählt die Geschichte der Hauskatze Molly, die ihr Zuhause verliert, da ihr Frauchen ins Seniorenheim muss und dort keine Haustiere erlaubt sind. Sie kann dem Transportkäfig fürs Tierheim knapp entkommen - und macht sich auf den Weg in die Wildnis. Nun ist jedoch zu vermuten, dass sie vom wilden Leben bislang wenig Ahnung hatte. Das große Abenteuer beginnt!



Martina Baumbach, Katrin Engelking:
Ab heute wird's wild und gefährlich
Stuttgart 2017 (Thienemann)
ISBN:
978-3-522-18447-2
Überall im Buchhandel















Wer sich auf Abenteuer begibt, der kann etwas erzählen!  Erinnerungen, die miteinander geteilt werden, beginnen meist mit den Worten: "Weißt du noch?" Und zuweilen fällt im Rückblick ein magischer Schimmer auf unsere Abenteuer - und unser äußeres und inneres Erleben verbinden sich zu etwas ganz Neuem. Davon erzählt dieses stimmungsvolle Bilderbuch.

Zoran Drvenkar, Jutta Bauer:

Weißt du noch
München 2017 (Hanser)
ISBN:
978-3-446-25478-7
Überall im Buchhandel





 






Ich wünsche euch einen tollen Sommer! Und mögen euch viele schöne Erinnerungen davon im Gedächtnis bleiben!

Eure Betty












Sonntag, 21. August 2016

Vom sommerlichen Seele-baumeln-Lassen, Lese-Abenteuern und dem Blick über den eigenen Tellerrand

Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiss,
Das durch den sonnigen Himmel schreitet.
Und schmücke den Hut, der dich begleitet,
Mit einem grünen Reis.


Verstecke dich faul in der Fülle der Gräser.
Weil`s wohltut, weil`s frommt.
Und bist du ein Mundharmonikabläser
Und hast eine bei dir, dann spiel, was dir kommt.


Und lass deine Melodien lenken
Von dem freigegebenen Wolkengezupf.
Vergiss dich. Es soll dein Denken
Nicht weiter reichen als ein Grashüpferhupf.


Joachim Ringelnatz (Sommerfrische)



Einmal wieder hat der Sommer uns eingeholt, fast schon überholt. Für manche von Euch sind die Ferien vielleicht schon vorüber, andere haben noch ein paar Tage davon übrig behalten. Ich selbst finde mich irgendwo dazwischen. Meine Ferien sind kurz, was nicht schlimm ist, weil ich eine Arbeit habe, die mir großen Spaß macht. Gern würde auch ich die Tage am liebsten einfach auf der Wiese verträumen, wie es oben der Dichter Joachim Ringelnatz so schön beschreibt. Aber es gibt natürlich noch andere Dinge, solche, die dringend erledigt werden müssen, und solche, die ich unbedingt tun möchte, wie zum Beispiel: schreiben.

Zu Besuch auf Schloss Ribbeck im Havelland
Verreist war ich in diesem Jahr schon, im Frühsommer, und habe zuerst Herrn von Ribbeck im Havelland besucht, über dessen Birnbaumgedicht von Theodor Fontane ich hier in einem früheren Beitrag schon einmal ausführlich geschrieben hatte. Ihr könnt es dort nachlesen.

Das Schloss im Bild wurde jedoch später erbaut und hat nun gar nichts mehr zu tun mit dem "Doppeldachhaus", das es inzwischen leider nicht mehr gibt. Auch den alten Birnbaum gibt es nicht mehr - Reste von ihm werden in der Dorfkirche aufbewahrt -, aber es wurden im Schlosspark viele neue Birnbäume gepflanzt, und zwar wurden hier ganz verschiedene Birnensorten aus allen Bundesländern Deutschlands zusammengetragen. Im Moment sind diese Baumsetzlinge natürlich noch sehr klein, aber ich denke mir, dass in einigen Jahren stattliche, ansehnliche Birnbäume aus ihnen werden, die helfen, die alte Geschichte lebendig zu halten, und vielleicht besucht Ihr sie ja dann einmal. Oder Eure Kinder und Enkel. Denn Bäume pflanzt man nun einmal nicht für sich selbst, sondern für die nächsten Kinder, die nachwachsen. Dafür dürfen wir uns an alten Bäumen freuen, die andere Menschen - oder manchmal auch Tiere - oder der Wind! - gepflanzt haben, als wir noch lange nicht geboren waren.

Alte Kastanienallee auf der Insel Rügen


Altes Schulzimmer im Schulhaus Ribbeck
An Sehenswertem gibt es in dem kleinen Ort Ribbeck auch noch ein altes Dorfschulhaus mit einem gemütlichen Café, wo Ihr das ehemalige Schulzimmer mit den alten Holzbänken und Schiefertafeln, auf denen viele Eurer Großeltern noch das Schreiben gelernt haben, besichtigen könnt. Solltet Ihr also einmal nach Brandenburg kommen - oder gar in der Nähe wohnen, kann ich Euch einen Besuch dort nur empfehlen!






Süderleuchtturm / Insel Hiddensee
Weiter ging es zu den traumhaft schönen Inseln Rügen und Hiddensee und ihren Leuchttürmen, von denen ich Euch einige "mitgebracht" habe...













Leuchtturm Dornbusch / Hiddensee




Die Leuchttürme von Arkona / Insel Rügen


Kap Arkona / Rügen:
Alter und neuer Leuchtturm


Eine interessante Entdeckung im Ort Vitte auf der Insel Hiddensee war auch die Figurensammlung "Homunkulus", wo es Puppen und Requisiten zu bestaunen gibt, die alle einmal in Theaterstücken der Seebühne Hiddensee mitgespielt haben. 










Außerdem hatte ich unterwegs natürlich wieder viele nette Begegnungen mit Vier- und Zweibeinern...

Pferde auf Hiddensee




Junge Silbermöwe im Hafen Sassnitz auf Rügen



















Freund Kormoran auf Fischfang im Sassnitzer Hafen





Schlummernde Café-Katze

















"Mäh-Arbeiter" als Landschaftspfleger am Kap Arkona




Junger Haussperling im Rügenhof Arkona
Und natürlich konnte ich es auch wieder nicht lassen, in diversen Bücherecken zu stöbern, denn gerade in den Ferien sollte Zeit sein zum ungestörten Lesen und Sich-Vorlesen-Lassen.

So fand ich eine schöne Sammlung mit illustrierten Märchen aus der damaligen DDR, die dieses Jahr neu aufgelegt werde. Viele darin sind alte Bekannte, wie Rotkäppchen, Aschenputtel oder die Bremer Stadtmusikanten, manche wiederum sind hier weniger bekannt, wie zum Beispiel der "Dumme Iwanuschka" aus einem Märchen aus Russland, über dessen Missverständnisse und Missgeschicke ich als Kind schon viel lachen musste.


"Guten Tag, Rotkäppchen", sprach der Wolf
Illustrierte Märchen aus der Zeit der DDR
Weinheim 2016 (Beltz)
ISBN: 978-3-407-77201-5
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Ich bin mit Kinderbüchern aus der DDR aufgewachsen, obwohl ich nicht dort gewohnt habe. Ich kannte das Land damals nur von Besuchen. Meine Mutter kam aus Döbeln in Sachsen und ich hatte dort noch viele Verwandte und Bekannte, mit denen wir uns Pakete hin und her schickten. Sie bekamen von uns Kaffee, Kakao und andere Dinge, die damals dort schwer zu bekommen waren, und sie wiederum schickten Bücher. Gerade in der DDR gab es viele talentierte Illustratoren, also Leute, die sehr schöne Bilder zu den Geschichten gestalteten, und so war ich im Besitz vieler schöner Bilderbücher. Die meisten davon habe ich nicht mehr, umso mehr freue ich mich, dass manche Verlage sie nun neu herausbringen. Somit gehen uns diese Schätze von einst nicht verloren!

Sogar mein allererstes Tier-Bilderbuch habe ich wiedergefunden; es ist natürlich etwas für die Kleinen, aber auch für alle anderen, die schöne Bilderbücher einfach lieben und sammeln:




Elsbeth Friemert/Ingeborg Meyer-Rey (Illustrationen):
Wer kennt meine Tiere
Weinheim 2016 (Beltz)
ISBN: 978-3-407-77121-6

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Einen klassischen Ferienschmöker, der schon früher Kinder begeistert hat, habe ich wiederentdeckt und neu gelesen.

Viel erleben kann, wer eine Reise tut, noch dazu zum ersten Mal allein, wie Emil, der mit dem Zug von Neustadt nach Berlin fährt, um seine Großmutter, seine Tante und seine Kusine "Pony Hütchen" zu besuchen. Unterwegs wird ihm sein Reisegeld gestohlen, für das seine Mutter, die allein mit ihm lebt, lange arbeiten und sparen musste. Da gibt es nur eins: Er muss den Dieb finden und sein Geld wiederbekommen! Was tun? Alleine wäre es wohl schwierig. Aber Emil findet Freunde...

Erich Kästner:
Emil und die Detektive
Berlin 1929
(Dressler)
ISBN-13: 978-3-7915-3012-3

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Was dieses Buch - auch für die Großen - so besonders macht: Es lässt beim Lesen ein Bild des alten Berlin entstehen, mit Pferdekutschen, den ersten Autos und Straßenbahnen, wie wir es sonst nur von wenigen alten Bildern kennen. Und leider leben nicht mehr viele der älteren Menschen, die uns noch davon erzählen könnten. So bleibt dieses Buch ein Klassiker für alle Zeiten und Emils Abenteuer, mit Erich Kästners unvergleichlichem Humor erzählt, lesen sich noch ebenso spannend wie einst.


Wir alle werden nicht jünger - und der Deutsche Jugendliteraturpreis wird 60 Jahre alt! Mit ihm wurden und werden Bücher ausgezeichnet, die nicht nur gut geschrieben und mit schönen Bildern illustriert sind, sondern auch das Verständnis der Menschen füreinander fördern, denn nur mit Interesse aneinander und Respekt voreinander kann es möglich werden, in Frieden zusammenzuleben und Freundschaft zu schließen.

Zu diesem besonderen Geburtstag nun ist ein ganz besonderes Buch erschienen mit preisgekrönten Geschichten aus den zurückliegenden 10 Jahren. Wir finden darin bekannte Autorinnen und Autoren wie Kirsten Boie oder Peter Härtling, aber auch Namen, die es noch zu entdecken gilt. Denn sie kommen aus 5 Kontinenten und zählen zu den besten Kinderbuchschriftstellern der Welt. Und so handeln auch die Geschichten von Kindern aus aller Welt und ihren Schicksalen - und wir werden wieder einmal feststellen, dass alle sich sehr ähnlich sind in ihrem Fühlen und Denken und ihren Träumen - und dass das, was uns allen gemeinsam ist und uns verbindet, sehr viel größer ist, als das, was uns unterscheidet.

Stephanie Jentgens (Hg.):
Was ist los vor meiner Tür?
20 Geschichten der Besten
zum 60. Geburtstag des Deutschen Jugendliteraturpreises
Berlin 2016 (Jacoby & Stuart)
ISBN 978-3-942787-87-1
Überall im Buchhandel

Ich wünsche Euch noch einen schönen verbleibenden Sommer mit vielen spannenden Lese-Abenteuern und einen guten Start in den Herbst!

Viele liebe Grüße

Eure Betty