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Samstag, 9. November 2019

Vom Duft vergangener Farben und von der Sehnsucht nach Abenteuern, Reisen und echten Feen...



Es ist ganz stille. Aufrecht steht der Duft
vergangner Farben in den welken Wegen.
Die Himmel halten einen langen Regen
die Blätter gehn auf Stufen durch die Luft.


Rainer Maria Rilke














Es gab eine längere Pause in diesem Blog. Den vergangenen Sommer habe ich übersprungen. Zu groß war er mir, zu heiß und zu laut. Und leider zu sehr mit anderem angefüllt.

Mit dem Herbst nun kommt die Lesezeit. In jeder Hinsicht. Die Neugier auf neu erscheinende Bücher wächst und jede Menge Menschen beschäftigen sich wieder einmal mit dem Thema Lesen. Und so fand nun auch eine Vorlesestudie der Stiftung Lesen erneut heraus, dass Eltern ihren Kindern viel zu selten vorlesen. 

Das erinnerte mich an ein kleines Mädchen, mit dem ich mich vor einiger Zeit auf dem Spielplatz an meiner Schule unterhielt. Ich hatte es zuvor dort noch nie gesehen. Es ging selbst noch in den Kindergarten, wie es mir erzählte, und war gekommen, um ein Geschwisterkind vom Nachmittagsunterricht abzuholen. Wir sprachen über den Schulanfang und das Lesenlernen. Es würde so gern schon lesen können, meinte es. Und wie eben Erwachsene manchmal so daherreden, sagte ich so etwas wie: "Na, das lernst du bestimmt schnell - und bis dahin kannst du dir ja noch vorlesen lassen!" Da sah mich das Mädchen traurig an. "Von wem denn?" Ich fragte: "Wird denn im Kindergarten nicht vorgelesen?" Es schüttelte den Kopf. "Nur manchmal. Wenn die Vorlesepaten kommen. Und oft kommen die gar nicht." - "Und die Erzieherinnen?" - "Nein, die nicht. Die machen andere Sachen mit uns, aber vorlesen tun die gar nicht." Die Mutter des Mädchens, die vom Rand des Spielplatzes unsere Unterhaltung mitverfolgte und sehr müde wirkte, fügte hinzu: "Und zuhause schaffen wir es auch nicht. Auch wenn wir es uns noch so sehr vornehmen. Wir finden einfach keine Zeit." In diesem Augenblick setzte die Schulglocke unserem Gespräch ein Ende.

Zurück blieb ich. Etwas ratlos. Es war ja nichts so Neues, was ich da erfahren hatte. Ich weiß um die vielseitigen Aufgaben der Erzieherinnen und Erzieher im Kindergarten und darum, dass es von ihnen fast überall noch immer zu wenige gibt; ich weiß auch, dass es nicht immer einfach ist, ehrenamtliche Lesepaten zu finden. Ich weiß, wie viele Großeltern selbst noch im Arbeitsleben stehen und ich weiß auch noch, wie es war, selbst als Mutter todmüde von der Arbeit nach Hause zu kommen. 

Ich erinnere mich aber auch daran, dass Lesen - auch das gemeinsame Lesen mit meinem Kind - für mich eher Erholung bedeutete und den Vorrang hatte vor anderen Tätigkeiten. Auch vor dem Fernsehen, dazu war ich meist zu ungeduldig; ich wollte nicht nur dasitzen und aufnehmen, was mir dort serviert wurde. Beim Lesen musste ich selbst aktiv werden, konnte innehalten, wann ich wollte und in Ruhe nachdenken oder träumen, vor- oder zurückblättern. Computer hatten wir damals noch keinen, auch kein Internet. Ein Handy diente nur zum Telefonieren. Niemand hätte geahnt, was ein Handy kurze Zeit später schon alles können würde! Aber aus vielen Büchern, die wir in dieser Zeit gemeinsam gelesen hatten, zitieren Raphi und ich oft noch heute, wenn wir uns treffen und uns gerade etwas daraus in den Sinn kommt, vor allem, wenn es etwas Witziges war! Das passiert oft, ein Stichwort genügt - und wir können immer wieder neu darüber lachen! Auch das zählt zu den gemeinsamen Erinnerungen, die bleiben. Erinnerungen an Erlebtes können ja manchmal ganz unterschiedlich sein und es gibt vieles, woran wir vielleicht nicht so gern zurückdenken. Erinnerungen an Gelesenes jedoch zählen meist zu den schönen Erinnerungen, an denen wir uns aufrichten können, wenn es uns mal nicht so gut geht. 

Ich glaube nicht, dass es heute, hätte ich noch einmal jüngere Kinder, sehr viel anders wäre. Gewiss, heute verbringe ich gern viel Zeit im Internet mit dem Laptop oder Tablet. Zeit zum Lesen nehme ich mir dennoch. Mir würde sonst etwas fehlen! Ich glaube, es ist wichtig, sich die Zeit bewusst zu nehmen. Und vieles, womit ich mich im Internet beschäftige, hat mit dem Thema Lesen zu tun, wie ja auch mein Blog hier.

Noch immer weiß ich wenig über seine Leserinnen und Leser. Schauen hier wirklich Kinder herein? Oder doch mehr deren Eltern und Großeltern? Oder Menschen, die beruflich mit Kindern zu tun haben? Ich weiß es nicht. Zumeist mache ich ja über soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook auf neue Beiträge aufmerksam und dort erreiche ich wohl eher die Erwachsenen.

Jedenfalls habe ich wieder nach Büchern Ausschau gehalten, an denen Kleine und Große gleichermaßen Freude haben können. Gerade das Bilderbuch hat in den letzten Jahren eine beeindruckende Entwicklung genommen, es ist inzwischen zu einer eigenen Kunstform geworden, die ihre Fans in jedem Alter findet.

Kennt ihr das? Jemand ist müde und will nur noch schlafen, der oder die andere hingegen ist so was von hellwach und voller abenteuerlicher Ideen? Ebenso geht es den ungleichen Nachbarn Bär und Ente. Wer von euch sich wohl in dieser witzigen Geschichte wiederfindet und wo?

Jory John/Benji Davies:
Du schon wieder!

Übersetzt von Ebi Naumann
ISBN: 978-3-8489-0169-2
13,00 €
Stuttgart 2019 (Aladin)

Überall im Buchhandel










Der Herbst ist die Zeit des Vogelzugs. Nur Gänserich George gibt vor, nicht gern zu reisen. Er bleibt lieber am Ort. Fragen Freunde nach, gibt er an, viel zu tun zu haben. Aber George hat in Wirklichkeit ein ganz anderes Problem: Er kann nämlich nicht fliegen. Sein technisch begabter Freund Pascal - natürlich mal wieder ein Bär! - lässt sich auf der Suche nach einer Lösung so manches einfallen, doch auch er stößt bald an seine Grenzen. Wie George schließlich doch noch zum Fliegen verholfen werden kann, erzählt diese berührende Geschichte von verlässlicher Freundschaft und Phantasie, die alle Hindernisse überwindet.



Gus Gordon:  

Irgendwohin
oder der Tag, an dem George das Fliegen lernte

Aus dem Englischen von
Gundula Müller-Wallraf

ISBN 978-3-95728-026-8
14, 00 €
München 2018 (Knesebeck)
Überall im Buchhandel

Feengeschichten waren zu allen Zeiten dazu angetan, unsere Phantasie zu beflügeln. Wir versetzen uns ins Jahr 1917 in England. Zwei kleine Mädchen spielen gern im Wald und leben mit den "Geschöpfen des Waldes" in vertrauter Freundschaft. Eines Tages kommen sie auf die Idee, die Feen, die sich nur ihnen zu erkennen geben, zu fotografieren, um sie auch den Erwachsenen zu zeigen. Sie ahnen nicht, welchen Wirbel sie damit auslösen werden! Die Bilder machen überall die Runde, Zeitungen berichten darüber. Arthur Doyle, Autor der Sherlock-Holmes-Bücher, der sich gern mit außergewöhnlichen Erscheinungen beschäftigt, hält die Feenfotos für echt. Viele Menschen beschäftigten sich über viele Jahre mit diesem Rätsel. Erst als die beiden Schwestern schon in hohem Alter waren, gab eine von ihnen zu, dass sie damals für die Fotos selbst gemalte und ausgeschnittene Papierfiguren mit Stecknadeln verwendet hätten. Die Feen selbst seien zu unruhig gewesen, um sich fotografieren zu lassen, denn Fotografieren war damals noch eine aufwändige Sache, die viel Stillhalten erforderte. Dass es die Feen von Cottingley jedoch wirklich gegeben hat, haben beide Frauen ihr Leben lang hoch und heilig versichert! Ihre Geschichte wird nun in diesem bezaubernden Bilderbuch nacherzählt:


Ana Sender:

Die Feen von Cottingley

Aus dem Spanischen von Marianne Gareis

15,00 €
ISBN: 978-3-314-10477-0
Zürich 2019 (Nord-Süd)

Überall im Buchhandel













Für alle Kinder, die ebenso gern im Wald sind, gibt es ein neues Natur-Sachbuch von Peter Wohlleben, den ihr bereits von seinen faszinierenden Büchern über Bäume kennt. Diesmal geht es um Tiere und wieder gibt es jede Menge Wissenswertes und Erstaunliches mit vielen tollen Fotos sowie praktische Tipps für eigene Erkundungen.




Peter Wohlleben:

Weißt du, wo die Tiere wohnen?

Eine Entdeckungsreise durch Wiese und Wald
Illustrationen von Stefanie Reich und Dagmar Herrmann
18,00 €
ISBN: 978-3-7891-0941-6
Hamburg 2019 (Oetinger)

Überall im Buchhandel





Dass ihr mir gut durch den Herbst kommt und euch eure Neugier und den Spaß am Lesen, Lernen und Entdecken immer erhaltet, wünscht euch

Betty


Sonntag, 17. Juni 2018

Von gefiederten Zeitgenossen, von liebenswerten Schurken, vom Sommerbeginn - und vom Leben überhaupt...

Der Sommer, der Sommer,
Das ist die schönste Zeit:
Wir ziehen in die Wälder
Und durch die Au'n und Felder
Voll Lust und Fröhlichkeit.
 

Der Sommer, der Sommer,
Der schenkt uns Freuden viel:
Wir jagen dann und springen
Nach bunten Schmetterlingen
Und spielen manches Spiel.
 

Der Sommer, der Sommer,
Der schenkt uns manchen Fund:
Erdbeeren wir uns suchen
Im Schatten hoher Buchen
Und laben Herz und Mund.
 

Der Sommer, der Sommer,
Der heißt uns lustig sein:
Wir winden Blumenkränze
Und halten Reigentänze
Beim Abendsonnenschein.
 

August Hoffmann von Fallersleben



Und schon ist wieder der Sommer ins Land gezogen. Ein schöner, blütenreicher Frühling ist ihm vorangegangen.

Gerne erinnere ich mich an einen Nachmittag mit "meinen" Kindern auf einer nahegelegenen Streuobstwiese. Wir waren kaum angekommen und mit einem Mal war es ungewohnt still geworden und von einigen Kindern war gar nichts mehr zu sehen. Viele von ihnen saßen längst oben in den Apfelbäumen, sie waren flugs hinaufgeklettert, lagen ganz entspannt in den Ästen und schauten durch die Blätter und Blüten in den Himmel. "Oh", sagte ich noch, "ich bin mir gar nicht so sicher, ob wir das überhaupt dürfen. Auf jeden Fall müssen wir sehr vorsichtig sein und aufpassen, dass keine Zweige abgerissen werden!" Sie versprachen es und verhielten sich sehr achtsam, auch die Lebhafteren unter ihnen. Andere Kinder lagen bäuchlings im Gras und beobachteten Käfer, während wieder andere lange Ketten aus Gänseblümchen und Löwenzahn flochten. Viele von ihnen schienen ganz eins geworden mit der Natur, die sie umgab. Und ich dachte daran, dass dies etwas ist, was vielen Kindern, die in den Städten wohnen, heute fehlt: Einfach in die Natur hinausgehen können und die Seele baumeln lassen.




Hier in unserer ländlichen Umgebung haben wir großes Glück. Auch der Vogel des Jahres, der Star, wohnt gleich zu mehreren in Mauerhöhlen in der Außenwand unseres Schulgebäudes, so dass wir reichlich Gelegenheit haben, ihn zu beobachten. Oft sehen wir ihn, so wie hier, singend und schwatzend aus seiner Höhle schauen und können nur staunen, wie viele Stimmen anderer Vögel er imitieren kann.

Mehr über ihn könnt ihr erfahren, wenn ihr auf diesen Link klickt: Ein echter Star unter den Vögeln - Kindernetz.de SWR

Für alle, die zum Nachschlagen gern auf handfeste Bücher zurückgreifen: In diesem Jahr sind einige, zum Teil sehr schöne Vogelsachbücher für Kinder erschienen, was die Auswahl gar nicht so leicht macht.

Eins möchte ich euch hier vorstellen, aus dem ihr in kurzen Texten mit vielen schönen Fotos und Zeichnungen Spannendes über das Leben und Verhalten von Vögeln erfahren könnt und darüber hinaus Anregungen für eigenes Tun bekommt. Das stabil gefertigte Sachbuch eignet sich gut zum Mithinausnehmen in die Natur.






Naturführer für Kinder
Vögel
München 2018 (Dorling Kindersley)
ISBN 978-3-8310-3468-0
7,95 €

Überall im Buchhandel


Für diejenigen unter euch, die sich gern alles noch genauer anschauen, von Vogelfedern fasziniert sind und diese vielleicht auch gerne sammeln, gibt es hingegen ein ganz besonders kunstvolles Sachbilderbuch, in dem ihr alles über Federn und ihre Funktion erfahren und nebenbei in traumhafte Bilder eintauchen könnt.

Britta Teckentrup:
Die Feder
München 2018 (Prestel)
ISBN: 978-3-7913-7333-1
€ 20,00
Überall im Buchhandel





Britta Teckentrup ist auch die Autorin von Oskar, den wir hier an früherer Stelle schon einmal vorgestellt haben. Von ihm gibt es seit dem letzten Herbst eine Fortsetzung. Und diesmal ist Oskar nicht allein! "Oskar und Mo" ist ein bezauberndes Bilderbuch über Liebe und Freundschaft.

Britta Teckentrup:
Oskar und Mo
München 2017 (Prestel)
ISBN: 978-3-7913-7312-6
€ 12,99
Überall im Buchhandel








 
 




Der späte Frühling war die Zeit der bunten Blumenwiesen und leuchtenden Gräser, zumindest auf den Höhen des Odenwaldes, wo ich gern schnell mal hinfahre. Dort gibt es noch viele Wiesenblumen wie Margeriten, Glockenblumen, Wiesen-Bocksbart und - Kuckuckslichtnelken!















Hier dürfen auch die Kühe noch auf der Weide sein und ihre Kälbchen bei sich haben. Dies ist nicht nur gesund für Tier und Mensch, sondern auch eine echte Chance für unseren Star, der sich sehr gerne dort aufhält, wo Weidevieh ist. Hier findet er reichlich Nahrung - und erleichtert ganz nebenbei den Kühen das Leben, indem er sie von lästigen Insekten befreit. Eine Art Freundschaft zwischen ganz verschiedenen Tierarten, von der beide etwas haben. Und so schließt sich wieder der Kreis zum Vogel des Jahres.





Das Leben fängt immer klein an. Dann beginnt es zu wachsen. Leicht ist es auch nicht immer. Und doch lieben wir es! Von all dem handelt dieses ganz bezaubernde Bilderbuch über das Leben aus der Sicht der Tiere. Es zeigt uns das Leben aus einer anderen Perspektive und kann uns lehren, achtsamer zu werden. Auch Kindern, die erst sehr kurze Zeit Deutsch sprechen, gefiel es sehr gut.

Cynthia Rylant/Brendan Wenzel (Illustration):
LEBEN
Übersetzung aus dem Englischen: Thomas Bodmer
Zürich 2017 (Nord-Süd)
ISBN: 978-3-3141-0417-6
16,00 €
Überall im Buchhandel






 


Einstweilen zaubert der Sommer immer neue Farben...















Alte Freunde aus liebgewordenen Büchern wiedertreffen ist etwas Tolles, auch wenn es sich in diesem Fall um einen bekannten und berüchtigten Schurken handelt, der mit Vorliebe Kaffeemühlen klaut! Nun ist ja sein Erfinder Otfried Preußler leider schon vor 5 Jahren verstorben. Zum Glück aber hat eine seiner Töchter noch eine von ihm selbst geschriebene fertige Vorlage zu einem Puppenspiel in einer vergessenen Schublade gefunden, die nur noch zum Vorlesebuch umgestaltet werden musste - und schon gibt es ein neues witziges Abenteuer mit Räuber Hotzenplotz!


Otfried Preußler:
Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete
Stuttgart 2018 (Thienemann)
ISBN: 978-3-522-18510-3
12,00 €
Überall im Buchhandel





Auf dass ihr mit recht viel Lesestoff entspannt durch die heiße Jahreszeit kommen mögt!





Einen Sommer voller Abenteuer und spannender Entdeckungen wünscht euch

Betty


Samstag, 17. Februar 2018

Vom kurzen Leben eines Schneemanns, von großen Katzen und dem Zusammensein unter demselben Himmel - und vom Ruf des Waldes...

Der Schneemann auf der Straße
trägt einen weißen Rock,
hat eine rote Nase
und einen dicken Stock.

 
Er rührt sich nicht vom Flecke,
auch wenn es stürmt und schneit.
Stumm steht er in der Ecke
zur kalten Winterszeit.


Doch tropft es von den Dächern
im ersten Sonnenschein,
da fängt er an zu laufen,
und niemand holt ihn ein.


Robert Reinick


Es war am Rosenmontag. In der Früh hatte es etwas geschneit und was davon liegen blieb, reichte gerade für diesen Mini-Schneemann. Um ihn zu bauen, hatten die Kinder meiner Feriengruppe unter viel Mühe den Schnee von den Schulhofbänken abgesammelt. Wir beschlossen, ihn zu fotografieren, denn inzwischen kam bereits die Sonne durch und wir wussten, dass ihm nur wenige Stunden bleiben würden. Spontan gaben wir ihm den Namen "Olaf", das schien irgendwie zu passen. Leider wurde er durch andere Kinder, die ihn uns wohl nicht gönnten, zerstört, bevor er schmelzen konnte, aber das ist eine andere Geschichte. Wir verschwendeten keine Zeit daran, uns darüber aufzuregen. Wenn Kinder Werke anderer nicht respektieren und zerstören, haben sie sich das vermutlich irgendwo von Erwachsenen abgeschaut und wir Großen müssen uns zunächst an unsere eigene Nase fassen und uns überlegen, welches Verhalten wir Kindern vorleben. So einfach ist das. Auf diesem Foto und in unseren Herzen jedenfalls hat Olaf seinen bleibenden Platz gefunden!


Was mir - außer Schneemann Olaf - aus diesen Fastnachtsferien noch lebhaft in Erinnerung bleiben wird, war die von allen Alterstufen geteilte Lesebegeisterung. Die Leseecke war stets gut besetzt und es wurde für diesen Bereich seitens der Kinder energisch Ruhe zum ungestörten Schmökern eingefordert. Da unsere Aktivitäten unter dem Motto "Zirkus" standen, hatte ich in der Stadtbibliothek nach einem Vorlesebuch, das uns durch die Woche begleiten könnte, gesucht und war mit Unterstützung der emsigen und netten Mitarbeiterinnen dort auch fündig geworden. Nun gibt es viele Schulkinder, denen das Lesen, kaum, dass sie es anfangs mit viel Begeisterung gelernt haben, wieder sauer gemacht wird, weil sie es mit Schule, Noten und Stillsitzenmüssen in Verbindung bringen. Hier erlebte ich jedoch eine Gruppe von über 20 Kindern von der ersten bis zu vierten Klasse, die - Jungs wie Mädchen - ganz Ohr waren, sich schlapp lachten und sich "wie Bolle" auf jede nächste Geschichte freuten. Selten hat mir Vorlesen in einem großen Rahmen so viel Spaß gemacht! Leider währte dieser nur zwei Tage. Dann war meine Stimme weg. Gründlich! Jetzt hüte ich das Bett, trinke brav Hustentee und hoffe, dass sich für die restlichen Tage ein Nachfolge-Vorleser gefunden hat, dem das Buch ebensoviel Vergnügen machte.

Tommy Löwenfreund gibt es jedoch schon ein paar Jahre und im Moment ist das Buch beim Verlag leider nicht mehr zu haben. Aber vielleicht findet ihr es zum Ausleihen in einer Bibliothek oder könnt es günstig antiquarisch erstehen. Oder ihr ladet es euch für wenig Geld als eBook herunter. Was Tommy auszeichnet: Im Grunde ist er die Jungen-Variante der von uns allen geliebten und verehrten Pippi Langstrumpf. Wie sie bewältigt auch Tommy schwierige Situationen mit Mut, Witz und unverwüstlichem Humor. Und wenn sein Löwe mit dem bezeichnenden Namen "Brüllmähne" es sich auf dem Sofa bequem macht und vergnügt eine Zebra-Sendung im Fernsehen anschaut, denken wir sogleich an das ebenso phantastische Pferd auf der Veranda der Villa Kunterbunt. In beiden Erzählungen greifen Realität und Phantansie auf eine Weise ineinander, die uns ein Stück aus dem Alltag entführt und uns zugleich neuen Mut für eben diesen Alltag mitgibt. Und wie bei den Büchern von Astrid Lindgren erübrigt sich die Frage nach "Mädchenbuch" oder "Jungenbuch". Denn Junge oder Mädchen sein spielt hier gar keine so große Rolle. Vielmehr geht es in erster Linie um das Wichtigste im Leben: Mensch zu sein und anderen ein richtig guter Freund oder eine richtig gute Freundin zu sein. Und so haben wir es hier mit einem Buch zu tun, das Mädchen wie Jungen - und auch kleinen und großen Leserinnen und Lesern gefällt. Aus diesem Grund muss es hier seinen Platz finden, auch wenn es sich um keine Neuerscheinung handelt.

Sylvia Englert (Text)
Christiane Hansen (Illustrationen):

Tommy Löwenfreund, der mutigste Junge der Welt

München 2012 (Ars Edition)
Downlowd als eBook für 2,99 € bei bücher.de

Wem es große Katzen, wie "Brüllmähne", angetan haben, der wird sich auch dem Zauber von "Leopanther" schwer entziehen können. Voller Poesie mit zauberhaften Illustrationen haben zwei polnische Brüder gemeinsam die Liebesgeschichte des Leopardenjungen Bruno und des Panthermädchens Lisa gestaltet und zu einem unvergleichlich schönen Bilderbuch werden lassen.

Pitor und Jozef Wilkon

Leopanther

Aus dem Polnischen von Ulrike Herbst-Rosocha
Affoltern am Albis/Schweiz 2017 (Bohem)
ISBN 978-3-85581-539-5
€ 14,95
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Sich gemeinsam auf den Weg machen, um einander kennenzulernen und festzustellen, dass wir alle denselben Himmel teilen, ähnliche Träume und Wünsche haben und einander brauchen, darum geht es auch in einem weiteren poetischen Bilderbuch. Es steht unter dem Motto "Für eine vereinte Welt" und ist besonders wichtig in Zeiten wie diesen, wo es schwer fällt, daran zu glauben, dass eine solche möglich ist. Vielleicht schaffen es ja die Kinder von heute, einen Grund dafür zu legen, morgen diese Welt anders, besser und für alle bewohnbar zu gestalten? Zusammen sollte es doch zu schaffen sein! Oder was meint ihr?

Britta Teckentrup

Zusammen unter einem Himmel

München 2017 (arsEdition)
Übersetzt aus dem Englischen von: Kristin Iozzo
ISBN: 978-3-8458-1973-0
€ 14,99
Überall im Buchhandel


Bald kommt der Frühling, spätestens dann wird es höchste Eisenbahn, wieder mehr Zeit draußen zu verbringen. Einer, der sich mit Bäumen bestens auskennt, ist der Förster Peter Wohlleben, bekannt aus dem Fernsehen. In einem ganz besonderen Buch lädt er nun junge und jung gebliebene Leute zu einer besonderen Entdeckungsreise in den Wald ein. Wir erfahren Erstaunliches darüber, wie Bäume miteinander reden, einander warnen oder sich gegenseitig helfen, erkunden Spannendes über Pilze, Pflanzen und Tiere und bekommen Tipps zum eigenen Erforschen und Ausprobieren. Beeindruckende Fotos und lustige Zeichnungen sorgen für ein kurzweiliges Lesevergnügen, bei dem wir nebenbei unerhört viel lernen können.

"Hörst du wie die Bäume sprechen?" wurde im Januar 2018 von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur zum Buch des Monats ausgezeichnet.

Peter Wohlleben

Hörst du, wie die Bäume sprechen?

Eine kleine Entdeckungsreise durch den Wald
Gestaltung von Dagmar Herrmann
Einband und Illustrationen von Stefanie Reich
Einbandgestaltung von Dagmar Herrmann
Hamburg 2017 (Oetinger)
€ 16,99
ISBN-13: 978-3-7891-0822-8
Überall im Buchhandel



Vielleicht begegnen wir uns ja bald mal irgendwo in den Wäldern?

Ich wünsche euch schöne Spätwinter- und Vorfrühlingstage!

Viele liebe Grüße

Eure Betty

Donnerstag, 6. Juli 2017

Von sommerlichen Abenteuern - und Träumen, die Groß und Klein auf Reisen führen...



Sommergedicht

Ich bin der Sommer
In erbsengrünen Hosen
und kirschrotem Wams
ziehe ich lustig einher.
Heb ich den Finger,
blüh'n Rosen.
Heb ich die Hand,
rauscht die Welle im Meer.
Spiel ich die Flöte,
tanzt der Delfin,
duftet's nach Wiesengrün
und Jasmin.

Mascha Kaléko


Ein merkwürdiges Erlebnis fällt mir ein, sobald ich die Gedichte der von mir sehr geliebten Dichterin Mascha Kaléko in ihrer wunderbaren, bilderreichen Sprache lese. Es war mir so gruselig, dass ich lange nicht darüber sprechen konnte, weil es mich so sehr beschäftigt hat. Ich sollte in einer Bibliothek einer Runde zum Teil sehr kleiner Kinder in Begleitung ihrer Eltern Bilderbücher vorstellen. Ich stellte mir das ganz nett vor und freute mich darauf. Niemanden in dieser Runde kannte ich zuvor, ich war also zunächst für die Kinder dort eine Fremde. Dennoch kamen viele sehr schnell zutraulich angekrabbelt und setzten sich in meine Nähe. Ich hatte das Bilderbuch "Schnip" gewählt, die Geschichte eines jungen Vogels, der sich zunächst nicht zu fliegen getraut, aber vielen anderen Tieren hilft und am Ende doch noch zum Helden wird. Kein Buch von der grellen, schrillen Sorte, eher eine ruhige, zärtliche Erzählung in sanften Farben. 


Claudia Lagermann: Schnipp
Illustrationen von Hanneke Siemensma
Aus dem Niederländischen von Andrea Kluitmann
Münster 2015 (Bohem)

ISBN 978-3-95939-015-6
Überall im Buchhandel


Die Kinder waren gewiss noch etwas schüchtern, aber sie hörten interessiert zu und schauten sich die Bilder an. Ab und zu krabbelten sie ein wenig herum, wie das sehr kleine Kinder nun mal gern tun. Das störte mich nicht. Wer würde denn verlangen, dass sie mäuschenstill sitzen blieben? Andere schnuckelten sich ganz entspannt auf den Teppich, eines schlummerte gar ein wenig. Auch das fand ich nicht schlimm, denn ich lese selbst gern Bücher zur Entspannung und nutze sie, um zur Ruhe zu kommen. Es war ein später Nachmittag im Herbst und so ein Tag ist für kleine Kinder, die meist schon in eine Krippe oder einen Kindergarten gehen, lang und anstrengend. Für meine Schulkinder, die ich sonst betreue, hätte ich mir manches Mal gewünscht, dass sie sich so entspannen könnten. Aber ihr wisst ja selbst, wie anstrengend Schule ist! Am Ende sangen wir das Abendlied "Der Mann im Mond" von Mascha Kaléko, das ich selbst sehr gern habe. Die Kinder kannten es noch nicht, deshalb hörten sie erst einmal zu oder summten nur mit. Beim nächsten Mal hätten sie sich gewiss daran erinnert und mitgemacht.

Was soll ich sagen? Es gab kein nächstes Mal. Und es sollte mir übel ergehen! Die Eltern beschwerten sich bei der Bibliotheksleitung. Sie fanden nämlich, das sei ja doch alles viel zu langweilig für ihre Kinder gewesen. Außerdem hätten sie doch etwas lernen sollen! Ja, auch nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr! 


Ich will ehrlich sein: Ich bin leicht zu erschrecken! Ich habe großen Respekt vor Kindern. Es wäre mir nicht in den Sinn gekommen, diese Kleinen, die mich noch gar nicht kannten, um diese Uhrzeit gleich beim ersten Termin zuzukaspern und dann noch zu verlangen, sie müssten jetzt unbedingt alle mitmachen - und womöglich noch alle dasselbe tun! Das aber wurde wohl von mir erwartet. Nun ist das gewiss kein Beinbruch, solche Sachen passieren. Dann war ich eben nicht die Richtige für diese Aufgabe. Ich hatte zu dieser Zeit noch sehr viel anderes um die Ohren, deshalb entschied ich mich, mein Honorar zu spenden und anderen Platz zu machen, die es möglicherweise besser können. Vielleicht war es feige, so schnell aufzugeben? Ich weiß es nicht. Für die Kinder stimmte es mich ein wenig traurig. Ich fühle, dass wir in einer hektischen Zeit leben, wo uns überall "Action" geboten wird. Die viele Elektronik, von der wir umgeben sind, kann großen Spaß machen, aber sie macht uns auf Dauer auch nervös und zapplig, und zwar uns Große ebenso wie die Kleinen. Sich auf etwas Ruhigeres einzulassen, braucht Zeit und Geduld. Und die haben wir kaum mehr, weil unser Kalender so voll ist. Keine Zeit mehr, Bilder einfach nur auf sich wirken zu lassen. Keine Zeit mehr für Gedichte. Oder? 

Wenn ihr anderer Meinung sein solltet, möchte ich euch dazu einladen. Und deshalb habe ich das Bilderbuch hier schließlich doch empfohlen. Ich habe ihm gewiss Unrecht damit getan, dass ich es bislang nicht tat. Es kann nichts für all die Missverständnisse und mein Unbehagen! Und noch weniger kann die Dichterin Mascha Kaléko dafür, diese Malerin mit Worten, die, wenn sie noch leben würde, in diesem Juni 110 Jahre alt geworden wäre! Auf ihr Buch "Träume, die auf Reisen führen" stieß ich in einer meiner Lieblingsbuchhandlungen. Darin findet ihr den "Mann im Mond" und ebenso unser Sommergedicht. Ihre Gedichte laden zum Träumen ein. Vielleicht finden manche Erwachsene das nicht gut. Sie denken, wenn Kinder träumen, lernen sie nichts. Aber ich sage euch: Das ist ein großer Irrtum! Denn wer träumen kann, schafft sich eine reiche innere Welt. Und auf die kann er - oder sie - immer zurückgreifen, auch dann, wenn es in der Außenwelt mal nicht so toll aussieht.

Mascha Kaléko, Eva-Maria Prokop (Hrsg.):
Träume, die auf Reisen führen. Gedichte für Kinder.
Mit Bildern von Hildegard Müller
München 2016 (dtv/Reihe Hanser)
ISBN
978-3-423-64027-5
Überall im Buchhandel



Natürlich blieb es, wie immer, wenn ich mich in eine gute Buchhandlung verirre, nicht bei einem einzigen Gedichtbuch. Ich fand gleich noch ein weiteres und las mich darin fest. Die Gedichtsammlung "Großer Ozean" ist schon etwas älter, aus dem Jahr 2000, wurde 2001 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert und war so erfolgreich, dass sie immer wieder neu aufgelegt wird. Auch hierin finden sich Gedichte für alle - Große wie Kleine - und vielleicht macht es doch Spaß, gemeinsam hineinzuschauen und manches neu und anderes wiederzuentdecken.

Hans-Joachim Gelberg (Hrsg.):
Großer Ozean. Gedichte für alle.
Weinheim 2015 (Beltz & Gelberg)

ISBN 978-3-407-74631-3
Überall im Buchhandel




Aussicht vom Königsstuhl/Rügen



Kremser in Putgarten auf Rügen

















Leuchttürme Arkona/Rügen



Ehemaliger Leuchtturm Ranzow
Auf Reisen war ich vor einigen Wochen wieder - auf Rügen - und fand auch diesmal - außer Meer, Kreidefelsen und Leuchttürmen - allerlei Wundersames.



















Peilturm Arkona - Wer hat den Mond auf die Turmspitze gesteckt???





So entdeckte ich einen fahrbaren Bücherschrank, der von Dorf zu Dorf zieht, damit Klein und Groß gut mit Büchern versorgt sind. Auf dem Weg dorthin kam es auch zu mancher vierbeinigen Begegnung...













 

Als ich dann sogar einen "Bücherbahnhof" gefunden hatte, könnt ihr euch denken, wo ich die nächsten Stunden zugebracht habe...














Betty am Meer


Katerchen Paul - auch ganz oben im Bild - verriet mir während meines Frühstückstees sein Lieblingsbuch für diesen Sommer: "Ab heute wird's wild und gefährlich" erzählt die Geschichte der Hauskatze Molly, die ihr Zuhause verliert, da ihr Frauchen ins Seniorenheim muss und dort keine Haustiere erlaubt sind. Sie kann dem Transportkäfig fürs Tierheim knapp entkommen - und macht sich auf den Weg in die Wildnis. Nun ist jedoch zu vermuten, dass sie vom wilden Leben bislang wenig Ahnung hatte. Das große Abenteuer beginnt!



Martina Baumbach, Katrin Engelking:
Ab heute wird's wild und gefährlich
Stuttgart 2017 (Thienemann)
ISBN:
978-3-522-18447-2
Überall im Buchhandel















Wer sich auf Abenteuer begibt, der kann etwas erzählen!  Erinnerungen, die miteinander geteilt werden, beginnen meist mit den Worten: "Weißt du noch?" Und zuweilen fällt im Rückblick ein magischer Schimmer auf unsere Abenteuer - und unser äußeres und inneres Erleben verbinden sich zu etwas ganz Neuem. Davon erzählt dieses stimmungsvolle Bilderbuch.

Zoran Drvenkar, Jutta Bauer:

Weißt du noch
München 2017 (Hanser)
ISBN:
978-3-446-25478-7
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Ich wünsche euch einen tollen Sommer! Und mögen euch viele schöne Erinnerungen davon im Gedächtnis bleiben!

Eure Betty