Sonntag, 21. August 2016

Vom sommerlichen Seele-baumeln-Lassen, Lese-Abenteuern und dem Blick über den eigenen Tellerrand

Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiss,
Das durch den sonnigen Himmel schreitet.
Und schmücke den Hut, der dich begleitet,
Mit einem grünen Reis.


Verstecke dich faul in der Fülle der Gräser.
Weil`s wohltut, weil`s frommt.
Und bist du ein Mundharmonikabläser
Und hast eine bei dir, dann spiel, was dir kommt.


Und lass deine Melodien lenken
Von dem freigegebenen Wolkengezupf.
Vergiss dich. Es soll dein Denken
Nicht weiter reichen als ein Grashüpferhupf.


Joachim Ringelnatz (Sommerfrische)



Einmal wieder hat der Sommer uns eingeholt, fast schon überholt. Für manche von Euch sind die Ferien vielleicht schon vorüber, andere haben noch ein paar Tage davon übrig behalten. Ich selbst finde mich irgendwo dazwischen. Meine Ferien sind kurz, was nicht schlimm ist, weil ich eine Arbeit habe, die mir großen Spaß macht. Gern würde auch ich die Tage am liebsten einfach auf der Wiese verträumen, wie es oben der Dichter Joachim Ringelnatz so schön beschreibt. Aber es gibt natürlich noch andere Dinge, solche, die dringend erledigt werden müssen, und solche, die ich unbedingt tun möchte, wie zum Beispiel: schreiben.

Zu Besuch auf Schloss Ribbeck im Havelland
Verreist war ich in diesem Jahr schon, im Frühsommer, und habe zuerst Herrn von Ribbeck im Havelland besucht, über dessen Birnbaumgedicht von Theodor Fontane ich hier in einem früheren Beitrag schon einmal ausführlich geschrieben hatte. Ihr könnt es dort nachlesen.

Das Schloss im Bild wurde jedoch später erbaut und hat nun gar nichts mehr zu tun mit dem "Doppeldachhaus", das es inzwischen leider nicht mehr gibt. Auch den alten Birnbaum gibt es nicht mehr - Reste von ihm werden in der Dorfkirche aufbewahrt -, aber es wurden im Schlosspark viele neue Birnbäume gepflanzt, und zwar wurden hier ganz verschiedene Birnensorten aus allen Bundesländern Deutschlands zusammengetragen. Im Moment sind diese Baumsetzlinge natürlich noch sehr klein, aber ich denke mir, dass in einigen Jahren stattliche, ansehnliche Birnbäume aus ihnen werden, die helfen, die alte Geschichte lebendig zu halten, und vielleicht besucht Ihr sie ja dann einmal. Oder Eure Kinder und Enkel. Denn Bäume pflanzt man nun einmal nicht für sich selbst, sondern für die nächsten Kinder, die nachwachsen. Dafür dürfen wir uns an alten Bäumen freuen, die andere Menschen - oder manchmal auch Tiere - oder der Wind! - gepflanzt haben, als wir noch lange nicht geboren waren.

Alte Kastanienallee auf der Insel Rügen


Altes Schulzimmer im Schulhaus Ribbeck
An Sehenswertem gibt es in dem kleinen Ort Ribbeck auch noch ein altes Dorfschulhaus mit einem gemütlichen Café, wo Ihr das ehemalige Schulzimmer mit den alten Holzbänken und Schiefertafeln, auf denen viele Eurer Großeltern noch das Schreiben gelernt haben, besichtigen könnt. Solltet Ihr also einmal nach Brandenburg kommen - oder gar in der Nähe wohnen, kann ich Euch einen Besuch dort nur empfehlen!






Süderleuchtturm / Insel Hiddensee
Weiter ging es zu den traumhaft schönen Inseln Rügen und Hiddensee und ihren Leuchttürmen, von denen ich Euch einige "mitgebracht" habe...













Leuchtturm Dornbusch / Hiddensee




Die Leuchttürme von Arkona / Insel Rügen


Kap Arkona / Rügen:
Alter und neuer Leuchtturm


Eine interessante Entdeckung im Ort Vitte auf der Insel Hiddensee war auch die Figurensammlung "Homunkulus", wo es Puppen und Requisiten zu bestaunen gibt, die alle einmal in Theaterstücken der Seebühne Hiddensee mitgespielt haben. 










Außerdem hatte ich unterwegs natürlich wieder viele nette Begegnungen mit Vier- und Zweibeinern...

Pferde auf Hiddensee




Junge Silbermöwe im Hafen Sassnitz auf Rügen



















Freund Kormoran auf Fischfang im Sassnitzer Hafen





Schlummernde Café-Katze

















"Mäh-Arbeiter" als Landschaftspfleger am Kap Arkona




Junger Haussperling im Rügenhof Arkona
Und natürlich konnte ich es auch wieder nicht lassen, in diversen Bücherecken zu stöbern, denn gerade in den Ferien sollte Zeit sein zum ungestörten Lesen und Sich-Vorlesen-Lassen.

So fand ich eine schöne Sammlung mit illustrierten Märchen aus der damaligen DDR, die dieses Jahr neu aufgelegt werde. Viele darin sind alte Bekannte, wie Rotkäppchen, Aschenputtel oder die Bremer Stadtmusikanten, manche wiederum sind hier weniger bekannt, wie zum Beispiel der "Dumme Iwanuschka" aus einem Märchen aus Russland, über dessen Missverständnisse und Missgeschicke ich als Kind schon viel lachen musste.


"Guten Tag, Rotkäppchen", sprach der Wolf
Illustrierte Märchen aus der Zeit der DDR
Weinheim 2016 (Beltz)
ISBN: 978-3-407-77201-5
Überall im Buchhandel

Ich bin mit Kinderbüchern aus der DDR aufgewachsen, obwohl ich nicht dort gewohnt habe. Ich kannte das Land damals nur von Besuchen. Meine Mutter kam aus Döbeln in Sachsen und ich hatte dort noch viele Verwandte und Bekannte, mit denen wir uns Pakete hin und her schickten. Sie bekamen von uns Kaffee, Kakao und andere Dinge, die damals dort schwer zu bekommen waren, und sie wiederum schickten Bücher. Gerade in der DDR gab es viele talentierte Illustratoren, also Leute, die sehr schöne Bilder zu den Geschichten gestalteten, und so war ich im Besitz vieler schöner Bilderbücher. Die meisten davon habe ich nicht mehr, umso mehr freue ich mich, dass manche Verlage sie nun neu herausbringen. Somit gehen uns diese Schätze von einst nicht verloren!

Sogar mein allererstes Tier-Bilderbuch habe ich wiedergefunden; es ist natürlich etwas für die Kleinen, aber auch für alle anderen, die schöne Bilderbücher einfach lieben und sammeln:




Elsbeth Friemert/Ingeborg Meyer-Rey (Illustrationen):
Wer kennt meine Tiere
Weinheim 2016 (Beltz)
ISBN: 978-3-407-77121-6

Überall im Buchhandel






Einen klassischen Ferienschmöker, der schon früher Kinder begeistert hat, habe ich wiederentdeckt und neu gelesen.

Viel erleben kann, wer eine Reise tut, noch dazu zum ersten Mal allein, wie Emil, der mit dem Zug von Neustadt nach Berlin fährt, um seine Großmutter, seine Tante und seine Kusine "Pony Hütchen" zu besuchen. Unterwegs wird ihm sein Reisegeld gestohlen, für das seine Mutter, die allein mit ihm lebt, lange arbeiten und sparen musste. Da gibt es nur eins: Er muss den Dieb finden und sein Geld wiederbekommen! Was tun? Alleine wäre es wohl schwierig. Aber Emil findet Freunde...

Erich Kästner:
Emil und die Detektive
Berlin 1929
(Dressler)
ISBN-13: 978-3-7915-3012-3

Überall im Buchhandel

Was dieses Buch - auch für die Großen - so besonders macht: Es lässt beim Lesen ein Bild des alten Berlin entstehen, mit Pferdekutschen, den ersten Autos und Straßenbahnen, wie wir es sonst nur von wenigen alten Bildern kennen. Und leider leben nicht mehr viele der älteren Menschen, die uns noch davon erzählen könnten. So bleibt dieses Buch ein Klassiker für alle Zeiten und Emils Abenteuer, mit Erich Kästners unvergleichlichem Humor erzählt, lesen sich noch ebenso spannend wie einst.


Wir alle werden nicht jünger - und der Deutsche Jugendliteraturpreis wird 60 Jahre alt! Mit ihm wurden und werden Bücher ausgezeichnet, die nicht nur gut geschrieben und mit schönen Bildern illustriert sind, sondern auch das Verständnis der Menschen füreinander fördern, denn nur mit Interesse aneinander und Respekt voreinander kann es möglich werden, in Frieden zusammenzuleben und Freundschaft zu schließen.

Zu diesem besonderen Geburtstag nun ist ein ganz besonderes Buch erschienen mit preisgekrönten Geschichten aus den zurückliegenden 10 Jahren. Wir finden darin bekannte Autorinnen und Autoren wie Kirsten Boie oder Peter Härtling, aber auch Namen, die es noch zu entdecken gilt. Denn sie kommen aus 5 Kontinenten und zählen zu den besten Kinderbuchschriftstellern der Welt. Und so handeln auch die Geschichten von Kindern aus aller Welt und ihren Schicksalen - und wir werden wieder einmal feststellen, dass alle sich sehr ähnlich sind in ihrem Fühlen und Denken und ihren Träumen - und dass das, was uns allen gemeinsam ist und uns verbindet, sehr viel größer ist, als das, was uns unterscheidet.

Stephanie Jentgens (Hg.):
Was ist los vor meiner Tür?
20 Geschichten der Besten
zum 60. Geburtstag des Deutschen Jugendliteraturpreises
Berlin 2016 (Jacoby & Stuart)
ISBN 978-3-942787-87-1
Überall im Buchhandel

Ich wünsche Euch noch einen schönen verbleibenden Sommer mit vielen spannenden Lese-Abenteuern und einen guten Start in den Herbst!

Viele liebe Grüße

Eure Betty







Sonntag, 8. Mai 2016

Von Frühlingsentdeckungen, Bücher klauenden Hasen und schüchternen Katzen

Grüß Gott, du schöner Maien,
da bist du wiedrum hier,
tust Jung und Alt erfreuen
mit deiner Blumenzier.
Die lieben Vöglein alle,
sie singen all so hell.
Frau Nachtigall mit Schalle
hat die fürnehmste Stell.

Die kalten Wind verstummen,
der Himmel ist gar blau;
die lieben Bienlein summen
daher auf grüner Au.
O holde Lust im Maien
da alles neu erblüht,
du kannst mir sehr erfreuen
mein Herz und mein Gemüt.

Volkslied 



Rotkehlchen im Frühlingswald
Nun ist er doch endlich überall eingekehrt, der Frühling, den mir dieser kleine Sänger schon im März angekündigt hatte, und der dann doch zwischendurch noch einmal die eine oder andere Pause eingelegt hatte.

Wie immer ist dies die Zeit, nach draußen zu gehen, sich an frischer Luft zu bewegen, die Natur zu beobachten und immer wieder Neues zu entdecken.

Die Kinder, die den Hort besuchen, an dem ich arbeite, sind gern draußen und wandern auch gern, was viele Erwachsene überrascht. Sie beschweren sich sogar, wenn  eine Wanderung wegen zu schlechten Wetters ausfällt!

Seid auch Ihr gern in der Natur unterwegs? Im letzten Jahr hatte ich hier einige Bestimmungsbücher für Kinder vorgestellt. Mit zu vielen Büchern im Gepäck kann der Rucksack jedoch schon mal sehr schwer werden. Hier ist nun ein Naturführer neu erschienen, der alles Wissenswerte über Tiere und Pflanzen in einem Buch enthält. Sehr gute Fotografien und Zeichnungen helfen beim schnellen Erkennen und Bestimmen, außerdem erhaltet Ihr viele Tipps und Anregungen zum Genauer-Hinsehen, Forschen und Basteln.

Frank und Katrin Hecker
Der große Naturführer für Kinder
Tiere & Pflanzen
Stuttgart 2016 (Ulmer)
256 S., 245 Farbfotos, 230 Zeichnungen, kart.
ISBN 978-3-8001-0391-1
Überall im Buchhandel

Link zum Buch



  
Buschwindröschen




Gelbes Windröschen
Auch ich war die letzten Wochen sehr viel auf Frühlingspfaden unterwegs, am Neckar, wo ich geboren bin, im Kraichgau, wo ich wohne, und im Schwarzwald, den ich besonders liebe. Hierbei habe ich vor allem Gegenden aufgesucht, die ich schon früher einmal besucht hatte und von denen mir in Erinnerung geblieben war, dass dort etwas seltenere Blumen zu finden sind. Diese wollte ich gern fotografieren, um sie Euch zu zeigen, so wie hier das gelbe Windröschen - das weiße Buschwindröschen oben, auch "Anemone" genannt, kennt Ihr ja bestimmt? - oder weißen Hahnenfuß.


Weißer platanenblättriger Hahnenfuß


Süßkirschenbaum in Blüte
Aber auch die Bäume auf den Streuobstwiesen - wie dieser Kirschbaum - entfalten im Frühling ihre ganze Pracht. Solche Wiesen, die leider immer seltener werden, sind ein wichtiger Lebensraum und Rückzugsort für Pflanzen und Tiere, aber auch für Menschen, und brauchen dringend unsere Aufmerksamkeit und unseren Schutz! Auch "meine" Kinder erlebten, wie schön es ist, auf einer Streuobstwiese zu picknicken, dort Schatten zu finden, an den Blüten zu riechen, die unterschiedlichen Baumrinden zu befühlen, Ameisen und Käfer zu beobachten und dem Gesang der Vögel zuzuhören.


Blühende Süßkirsche


Birnenblüten

Apfelblüten


Gänseblümchen
Auf Streuobstwiesen finden sich auch viele Blumen, die es anderswo eher schwer haben. Am besten sollten wir diese nur anschauen und stehen lassen, damit sie weiter wachsen und blühen können. Gerade auch für die Bienen sind sie sehr wichtig. Das liebe, alte Gänseblümchen jedoch ist eine Blume, die das ganze Jahr über an vielen Orten sehr zahlreich wächst, wie auch der Löwenzahn; hiervon darf man sich schon einmal einige für das Flechten von Blumenkränzen pflücken, was unsere Kinder sehr gerne tun.




Veilchen


Und lesen? Oder sich vorlesen lassen? Das kann man natürlich auch sehr gut draußen, zum Beispiel gemütlich auf einer Decke! Oder in einer Hängematte.


Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber es sind doch immer wieder die sogenannten Klassiker, die Kleine und Große gemeinsam begeistern - und dies ist ja die beste Voraussetzung dafür, dass beim Vorlesen alle ihren Spaß haben, Vorlesende ebenso wie Zuhörende!

Wiedersehen feiern oder Neues entdecken mit alten, lieben Bekannten und Freunden wie Pippi, Michel, Pelle, dem Sams, Seeräubermoses oder Pu, dem Bären, lässt sich mit diesem liebevoll von der Redaktion Zeitschrift "Landlust" gemeinsam mit dem Oetinger Verlag
zusammengestellten Vorlesebuch, ideal für den Frühling und den kommenden Sommer:

Landlust (Hrsg.)
Das große Landlust-Vorlesebuch
Münster 2015 (Landwirtschaftsverlag)


ISBN 978-3-7843-5430-9
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Bilderbücher hingegen sind auch noch bei Schulkindern sehr beliebt, besonders, wenn es darin viel zu entdecken und zu lachen gibt.

Nein, dieser verwegene Hase ist nicht etwa von Ostern übrig, wie man glauben könnte; vielmehr ist er ganzjährig auf der Suche nach - nicht Ostereiern, keineswegs! - Büchern! Und immer mehr Büchern! Möglicherweise war er auch schon mal bei Euch? Ihr erkennt es daran, wenn Euch im Regal plötzlich ein heißgeliebtes Buch fehlt und stattdessen eine angeknabberte Möhre oder ein Salatblatt dort liegt! Denn Henri ist ein gesuchter Bücherdieb, der das Stibizen nicht lassen kann. Dass ihn dies früher oder später in Schwierigkeiten bringen wird, ist ja klar, denn - bei aller Liebe zu Büchern - Klauen geht natürlich gar nicht! Wie Henri nun schließlich überführt wird, wie aus dem Dieb und einem der bestohlenen Bücherwürmer schließlich Freunde werden und welche Lösung der neue Freund für Henri parat hat, erfahrt Ihr in diesem witzigen Buch, mit dem "meine" Kinder aus der ersten Klasse viel gelacht und sich über Bücher, die sie kennen, ausgetauscht haben.


Emily MacKenzie:
GESUCHT!
Henri, der Bücherdieb
Köln 2016 (Lingen)
ISBN 978-3-9451-3653-9
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Redaktionskatze Lisa


Für die Katzenfreundinnen und -freunde unter Euch gibt es wiederum einen brandheißen Bilderbuchtipp unserer Redaktionskatze Lisa, - auch wenn sie eher keine schüchterne, ängstliche Katze ist.

Katzenfreundin Henriette jedoch gründet eines Tages ein Heim für schüchterne und ängstliche Katzen - und siehe da: Es werden immer mehr, die bei ihr Zuflucht suchen. Eines Tages jedoch gerät Henriette beim Milchholen in unvorhergesehene Schwierigkeiten. Für die schüchternen Stubentiger bedeutet dies zunächst einen großen Schrecken, aber auch eine Chance, gemeinsam über sich hinauszuwachsen und fortan zu unglaublich mutigen Katzen zu werden. Dieses Bilderbuch ist eine leise, liebevolle Geschichte mit bezaubernden Zeichnungen, witzig und nachdenklich zugleich.

Alicia Potter
Ulli und Herbert Günther (Übers.)
Birgitta Sif (Illustr.)

Henriettes Heim für schüchterne und ängstliche Katzen
Hildesheim 2015 (Gerstenberg)
ISBN 978-3-8369-5888-2

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Nach so vielen Buchtipps bleibt mir nun, Euch noch einen tollen Lese-Frühling mit vielen spannenden Entdeckungen zu wünschen, - ob drinnen oder draußen!

Bis bald!

Viele liebe Grüße

Betty

Sonntag, 27. März 2016

Von ersten Blumen und geheimnisvollen Hasen... - Frohe Ostern!

Wird bald Ostern sein?
Kommt hervor, ihr Blümelein!
Komm hervor, du grünes Gras!
Komm herbei, du Osterhas'!
Komme bald, vergiss mich nit!
Bring auch deine Eier mit!

Kommt die Osterzeit,
macht der Hase sich bereit,
nimmt ein Körblein in die Hand,
schreitet rüstig über Land
und im Garten, hinter'm Haus,
legt er seine Eier aus.


Lieber Osterhas',
leg uns Eier in das Gras!
Leg sie in die Hecken!
Tu sie gut verstecken,
lauter bunte, unten und oben!
Wolln dich auch bis Pfingsten loben.

Kinderlied (Autor unbekannt)



 



Allen jungen und jung gebliebenen LiteraturfreundInnen schöne Ostertage
und einen fleißigen Osterhasen!

Eure Betty

Sonntag, 7. Februar 2016

Vom Lied, das in allen Dingen schläft, von frechen Hexen - und vom Farbenzauber des beginnenden Frühlings

„Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.“


Joseph Freiherr von Eichendorff








Woran denkt Ihr bei diesem Gedicht? Fallen auch Euch Dinge ein, in denen ein Lied schlummert, - so wie jetzt in mancher Blütenknospe der kommende Frühling? Die in Euch eine Erinnerung an ein schon einmal gehörtes oder gelesenes Gedicht wachrufen? Oder die in Euch die Lust wecken, vielleicht etwas Eigenes zu dichten?



Gedichte können uns auf ganz verschiedene Weise begegnen. Manche gefallen uns, manche nicht. Manche berühren uns. Manche bringen uns zum Lachen, manche zum Nachdenken, manche vielleicht auch zum Weinen. Manche sind Zungenbrecher und wecken den Spaß am Spiel mit der Sprache. Manche machen uns Mühe, wenn wir sie auswendig lernen wollen - oder sollen, wie manchmal in der Schule. Manche gehen nur schwer in unser Ohr und unseren Kopf, manche wieder ganz leicht. Manche vergessen wir für eine Zeit und später fallen sie uns wieder ein - vielleicht erst, wenn wir schon etwas älter sind - und werden uns dann noch einmal ganz wichtig. Manche sind wie Spiegel, andere wie Fenster in eine andere Welt.

Manchmal lassen Gedichte ein Bild vor unserem inneren Auge entstehen. Das Interessante und Schöne daran ist: Dieses Bild kann bei jedem Menschen ein ganz eigenes, von dem eines anderen Menschen ganz und gar verschiedenes sein. Denn jeder und jede von uns hat ja andere Erfahrungen, Erinnerungen, Wünsche und Träume, mit denen er oder sie dieses Gedicht verbinden kann. Und so kann es geschehen, dass wir, wenn hundert Menschen ein und dasselbe Gedicht lesen - oder hören - oder sich vorsagen... - manchmal eine ganze Galerie von Bildern zusammenbekommen. Zwar kann jeder von uns immer nur sein eigenes Bild vor sich sehen, aber wir können unsere Bilder einander beschreiben und von ihnen erzählen.






Eine bunte Gedichte-Sammlung für Kleine und Große, in der jeder und jede etwas für sich finden kann, bietet dieses Buch:

Amelie Fried (Hg.), Sybille Hein (Illustrationen)
Ich liebe dich wie Apfelmus
Die schönsten Gedichte für Kleine und Große
München 2014 (cbj Kinder- und Jugendbuchverlag)
ISBN: 978-3-570-15974-3
Überall im Buchhandel

Ich habe in ihm viele der lieben alten Reime wiedergefunden, die meine Oma mir früher vorsagte, - wie den von der kleinen Hex morgens früh um sechs, den ich besonders gern mochte. Denn als ich drei Jahre alt war, hieß es auch für mich morgens früh um sechs: Aufstehen, flugs frühstücken und dann, den Teddybären unter den Arm geklemmt, an der Hand meiner Mutter im Schweinsgalopp zum Bus, der uns zu den zehn Kilometer entfernt wohnenden Großeltern brachte, wo ich dann bis mittags blieb, so lange meine Mutter arbeitete. So verbrachte ich in einem Alter, in dem Kinder heute in den Kindergarten gehen, viele Vormittage mit meiner Oma, die mir immer gern viele Lieder und Reime aus ihrer eigenen Kindheit vorsang und vorsagte. Für sie war ich wohl die kleine Hex, die - nun ja, beinahe! - morgens früh um sechs kam und zum zweiten Frühstück am Küchentisch - noch so einer von den alten, weiß gestrichenen, mit einer geheimnisvollen Schublade voller Krimskrams - Apfelschnitze knabberte und Kakao trank. Damals machte mir das frühe Aufstehen noch nichts aus. Ich fand es spannend. In den Kindergarten bin ich später dann auch noch gegangen, aber erst ein Jahr, bevor ich in die Schule kam.

Schöne alte Gedichte finden sich im Buch, wie das vom schlafenden Lied in allen Dingen von Joseph Eichendorff, der vor zweihundert Jahren lebte, oder der bekannte Zauberlehrling von Goethe. Dann wieder neue, pfiffige, freche oder auch nachdenkliche Verse von Autorinnen und Autoren, die Ihr vielleicht von anderen beliebten Kinderbüchern kennt, wie Urmel-Vater Max Kruse, Sams-Erfinder Paul Maar, Jutta Richter oder Tanja Dückers.

Das Tolle an Sammlungen von Gedichten oder auch Geschichten ist, dass sie uns die Möglichkeit geben, ganz verschiedende Autorinnen und Autoren kennenzulernen. Manchmal gefällt uns etwas besonders gut und wir bekommen Lust, nachzusehen, was es von diesem Autor oder dieser Autorin sonst noch gibt. So erging es mir mit Jutta Richter und Tanja Dückers, deren Gedichte mich besonders angesprochen hatten. Beide Autorinnen haben sehr schöne Internet-Seiten, die zum Stöbern einladen; ich habe sie darum hier gleich mit verlinkt.

In diesem Zuge - da wir schon bei den Hexen wären! - fand ich von Jutta Richter eine herrliche Hexengeschichte, die wohl im Laufe der Jahre so viele Fans bekommen hat, dass es immer wieder eine Neuauflage von ihr gibt.

Jutta Richter:
Hexenwald und Zaubersocken
illustriert von Jörg Mühle
München 2010
Hanser Verlag
ISBN 978-3-446-23517-5

Link zum Buch

Als besondere Empfehlung sei noch das bei IGEL-Records erschienene Hörbuch zur Geschichte (ISBN 978-3-89353-315-2) erwähnt - mit der Autorin als Sprecherin ein Hochgenuss!


Von Tanja Dückers entdeckte ich dieses pfiffige Bilderbuch. Es handelt von dem Mädchen Lara mit einer großen Vorliebe für die Farbe - nein, nicht Pink, diesmal nicht, sondern - Grün! Und bald stellen sie und ihre Freundin Finja fest, dass es keineswegs nur eine Art von Grün geben kann. Denn wie die Sprache der Inuit mehr als 20 verschiedene Wörter für Schnee kennt, so muss es nach Laras Überzeugung auch für die Farbe Grün jede Menge Namen geben! So finden und erfinden die Kinder munter drauflos und entdecken immer neue Nuancen von Grün, bis - ja, bis Lara eines Tages plötzlich - ganz in Blau in der Tür erscheint! Und schon ist die Reihe an uns, die Geschichte - und das Blau - und vielleicht noch ganz andere Farben, warum nicht auch Pink? - weiterzuerzählen und neue Bilder zu schaffen.

Tanja Dückers/Katja Gehrmann (Illustrationen):
Katzenaugen-grüne-Trauben-Blitzer-Glitzer-Geistergrün
München 2015
Hanser Verlag
ISBN 978-3-446-24754-3

Link zum Buch

 








Farben tun Augen und Seele gut, gerade jetzt zum Ende des Winters, der bei mir zuhause nur wenig Schnee einbrachte. Umso mehr freue ich mich über die ersten Frühlingsboten, die wir in diesem Jahr früher als sonst in den Gärten finden können, wie hier im Garten meiner Mama.



Ich wünsche Euch noch viel Lesespaß in diesem ausklingenden Winter, schöne, närrische Karnevalstage und einen farbenfrohen Frühlingsbeginn!



Herzliche Grüße!

Betty