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Freitag, 17. März 2017

Von gewitzten Vögeln, von Wölfen, die aus Büchern fallen, - und anderen märchenhaften Tierabenteuern...

Krokus
Hoch oben von dem Eichenast
eine bunte Meise läutet
ein frohes Lied, ein helles Lied,
ich weiß auch, was es bedeutet.

Es schmilzt der Schnee, es kommt das Gras,
die Blumen werden blühen;
es wird die ganze weite Welt
in Frühlingsfarben glühen.

Die Meise läutet den Frühling ein,
ich hab' es schon lange vernommen;
er ist zu mir bei Eis und Schnee
mit Singen und Klingen gekommen.

Hermann Löns




Das helle Lied der Meise. Habt ihr es schon gehört? Manchmal kündet es schon an sonnigen Wintertagen vom nahenden Frühling. Plötzlich ist dann eines Morgens vor dem Fenster die Luft erfüllt vom Schwatzen der Stare, die aus dem Süden zurückgekehrt sind und sich einen Spaß daraus machen, andere Vögel täuschend echt zu imitieren. Bei Vögeln, die immer bei uns sind, wie zum Beispiel dem Bussard, fällt uns dies manchmal gar nicht gleich auf. Jedoch: ein Pirolruf im März? Hier lohnt es sich dann doch, genau hinzuschauen! Seht ihr dann einen gesprenkelten, ununterbrochen schwatzenden Gesellen, etwa so groß wie eine Amsel, nur etwas schlanker, so war es gewiss der Star, der euch an der Nase herumführte.


Märzenbecher
Noch verrückter ist die Geschichte, die ich erst kürzlich erlebte: Ich war auf dem Weg von der Schule zum Parkplatz, als ich plötzlich ein Miauen hörte. Es war unverkennbar die Stimme des roten Katers, der in einer benachbarten Villa wohnt und oft seine Spaziergänge über den Schulhof macht. Er hat ein ganz besonderes "Miau", es ist nicht zu verwechseln. Aber als ich mich umsah, war da nirgendwo eine Katze zu sehen! Ich wunderte mich. Das Miauen schien außerdem aus einem Baum zu kommen, aber ich hatte den Kater noch nie auf diesen Baum klettern sehen. Dessen Rinde ist zu glatt und seine Äste beginnen erst sehr weit oben. Kein guter Kletterbaum für eine Katze! Stattdessen, als ich nach oben blickte, saß dort ein großer, bunter Vogel - ein Eichelhäher! - und schaute mich verschmitzt an. Ich kenne ihn recht gut, er hält sich oft in den hohen Bäumen rund um die Villa auf. "Du hast nicht etwa soeben 'Miau' gesagt?" Eine gescheitere Frage war mir nun nicht eingefallen. In diesem Augenblick hörte ich es wieder - und sah es. Der Vogel imitierte perfekt die Stimme des Katers, die er bestimmt schon oft gehört hatte! Er miaute noch mehrmals. Und es schien mir, als ob er dabei lachte!

Solange die Bäume noch kein Laub tragen, lassen sich Vögel sehr gut beobachten. Wenn ihr die Vögel, von denen ich hier erzählt habe, noch nicht kennt, könnt ihr unter folgendem Link nachschauen: Vogel und Natur. Dort findet ihr viele Tipps zur Vogelbeobachtung und auch ein Vogellexikon mit sehr guten Fotos, wo ihr vergleichen und euch die Namen der Vögel einprägen könnt. Interessantes erfahrt ihr dort auch über den Vogel des Jahres 2017: Den Waldkauz. Dieser ist weniger gut zu beobachten, weil er tagsüber gern ruht und dafür nachts unterwegs ist. Beim Naturschutzbund NABU wurden deshalb in und um Nistkästen Waldkauz-Webcams eingerichtet, wo ihr den Vögeln beim Brüten und später beim Aufziehen der Jungen zusehen könnt. Klickt euch rein! Viel Spaß beim Beobachten!



Der Eichelhäher wiederum gehört zu den Rabenvögeln. Diese gelten als sehr klug und besonders begabt. Und es wird ihnen Sinn für schöne Dinge nachgesagt! Ihr kennt bestimmt Geschichten um die angeblich "diebische" Elster, die ihr Nest in Wirklichkeit einfach gern mit glänzenden Sachen schmückt. Um einen Raben geht es auch in diesem stimmungsvollen Bilderbuch. Rabe Oskar liebt... - das weite blaue Meer, weiches grünes Gras, den Duft des Frühlings, süße rote Kirschen, bunte Herbstblätter - und vieles mehr. Und er lädt uns ein, ihn zu begleiten. Und einander zu erzählen, was wir lieben. Vielleicht auch, dies selbst in ähnlich kunstvollen Bildern auszudrücken. Denn in jedem von uns steckt ein Künstler - oder eine Künstlerin! Und dabei spielt es gar keine Rolle, wie alt wir sind.



Britta Teckentrup:
Oskar liebt...
München 2016 (Prestel)
ISBN: 978-3-7913-7269-3
Überall im Buchhandel





Tiere begegnen uns in vielen Büchern - und manchmal fallen sie auch heraus! Dies passierte - ausgerechnet! - einem Wolf, der sich ratlos vor einem riesigen, übervollen Bücherregal wiederfand und sich auf die mühevolle Suche machte nach einer Geschichte, in die er wohl passen könnte. Ob er eine fand? Was meint ihr?

"Der Wolf, der aus dem Buch fiel" ist ein pfiffiges, witziges Buch, das beim Anschauen neugierig auf noch mehr Bücher macht!

Grégoire Mabire/Thierry Robberecht:
Der Wolf, der aus dem Buch fiel
Ravensburg 2015 (Ravensburger)
ISBN 978-3-473-44668-1
Überall im Buchhandel



Lust auf mehr Märchen, in denen Tiere vorkommen? Bestimmt kennt ihr aus der Sammlung der Gebrüder Grimm die "Bremer Stadtmusikanten", jene vier verwegenen Tiergesellen, die sich auf den Weg machen, um einen besseren Platz für sich zu suchen? Dieses Märchen ist nun letztes Jahr zum stolzen 90. Gebuirtstag der bekannten und beliebten Illustratorin Gerda Muller in einem neuen, bezaubernden Bilderbuch erschienen, für das natürlich sie selbst die wunderschönen Bilder gemalt hat. Viel Spaß beim Wiedersehen mit Esel, Hund, Katze und Hahn!

Gerda Muller
nach den Gebrüdern Grimm:
Die Bremer Stadtmusikanten
Frankfurt 2016 (Moritz)
ISBN 978-3-89565-320-9
Überall im Buchhandel




Narzisse (Osterglocke)

Einen schönen (Lese-)Frühling wünscht euch

Betty

Sonntag, 22. November 2015

Von leuchtenden Kindern, von Menschen, die sich nicht von schlechten Nachrichten aufhalten lassen - und von der Kraft des Erzählens.

Wir sind alle bestimmt, zu leuchten,
wie es die Kinder tun.


Nelson Mandela










An diesen Worten bin ich hängen geblieben, als ich nach einem passenden Anfang für meinen längst überfälligen Herbst-Blogpost suchte. Ich habe lange gezögert; es ist mir schwer gefallen, in diesen Tage Worte zu finden. Es passieren in der Welt gerade viele Dinge, die weder die Kleinen noch die Großen verstehen, und wir alle haben so wenig entgegenzusetzen.

In solchen Tagen kann es gut sein, den Blick auf Menschen zu richten, die sich nicht von schlechten Nachrichten aufhalten lassen, die auch Gefahren und Unbequemlichkeiten auf sich nehmen, um sich gegen Unterdrückung und Ausgrenzung und für Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen. Ein solcher Mensch war Nelson Mandela, der in Südafrika gegen die Ausgrenzung von Menschen schwarzer Hautfarbe kämpfte und dafür lange im Gefängnis saß, später sogar Präsident seines Landes wurde und auch nach dieser Zeit nicht aufhörte, den Menschen zu sagen, dass sie lieber miteinander reden sollen, statt aufeinander zu schießen.

Was er über Kinder sagte, finde ich sehr treffend, denn ich bin jeden Tag mit Kindern zusammen und kann es bestätigen. Allen Kindern, die ich bislang kennenlernte, war eines gemeinsam: Sie wünschten sich, Freunde zu haben und gemeinsam ungestört spielen, Spaß haben und lachen zu können. Sie begegnen einander neugierig und aufgeschlossen und möchten gemeinsam lernen und die Welt entdecken. Unterschiede unter Menschen finden sie interessant, manchmal witzig, nie jedoch störend. Wenn Kinder doch einmal andere Kinder ausgrenzen, weil diese anders sind, als sie selbst, haben sie sich das meistens von Erwachsenen abgeschaut. Vorurteile und Hass gegen andere Menschen sind von Erwachsenen gemacht, nie von Kindern! Und deshalb ist das etwas, was Kinder sich NICHT, AUF KEINEN FALL von Erwachsenen abschauen dürfen! Vielmehr können und müssen hier ganz dringend wir Erwachsenen von Euch Kindern lernen!!!

Hier haben Kinder auf einem Tuch ein herbstliches Bild ausgelegt - so vielfältig bunt wie unsere Welt:



Wenn Euch übrigens die Nachrichten für die Großen manchmal Angst machen oder Ihr sie nicht versteht, findet Ihr beim ZDF Nachrichten für Kinder unter www.logo.de. Komplizierte Dinge werden dort recht gut erklärt und Ihr könnt auch Eure eigenen Fragen stellen.

Menschen aus anderen Ländern kennenlernen geht besonders gut, wenn wir uns ihre Geschichten erzählen lassen. Manchmal sind dies sehr alte Geschichten oder Märchen, die seit langem von Eltern oder Großeltern den Kindern und Enkeln immer weitererzählt wurden, so dass sie uns mit Menschen verbinden können, die in früheren Zeiten gelebt haben. Nelson Mandela gehörte zu den Menschen, die gern solche Geschichten gesammelt haben, und so entstand diese liebevolle Märchensammlung aus Afrika mit vielen Bildern afrikanischer Künstler:

Nelson Mandela:
Meine afrikanischen Lieblingsmärchen
München 2006 (dtv)
ISBN 978-3-423-20924-3
9,95 €
Überall im Buchhandel

Link zum Buch

Wer gern mehr über Nelson Mandela erfahren möchte, findet hier ein interessantes Kurzportrait bei Geolino.






Viele der Menschen, die derzeit auf der Flucht vor Krieg, Armut, Hunger, Unterdrückung und Gewalt nach Europa kommen, sind aus Afrika. Oft verlieren wir über den vielen Nachrichten, die wir hören, die gewaltige Größe und Vielfalt dieses Kontinents aus den Augen. Kinder interessieren sich natürlich am meisten dafür, wie Kinder dort leben und welche Geschichten sie erzählen und erzählt bekommen.

Dieses vom Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF, der Stiftung Lesen und der Peter-Krämer-Stiftung (Schulen für Afrika) empfohlene Lese- und Vorlesebuch lädt ein zu einer Reise in verschiedene Gegenden Afrikas und erzählt von Kindern, Tieren und Abenteuern. Für jede Altersstufe findet sich etwas darin - und falls Ihr mal doch niemanden zum Vorlesen findet, liegt auch eine CD als Hörbuch bei!


Afrika, wie ist es da?

Geschichten zum Vor- und Selberlesen
Hamburg 2014 (Carlsen)
ISBN 978-3-551-18344-6
16,99 €
Überall im Buchhandel

Link zum Buch











Eine der Hainbuchen vor unserem Kinderhort im Oktober



Maler Herbst in der Stadt...





... und in den Weinbergen.




Aus Goethes Garten...
Wenig ist inzwischen von den Farben des Herbstes übrig geblieben. Den kleinen Glücksbringer auf dem nebenstehenden Bild fand ich in Weimar im Garten des Dichters Goethe.









Wer sich weitere Fotos von meinen Reisen im Sommer und Herbst anschauen möchte, kann mich wie immer gern auf meinen anderen Blog besuchen unter www.bettys-corner.de. Ihr findet dort Bilder von meinem Besuch im Malerdorf Worpswede bei Bremen, an der Ostsee und in Erfurt und Weimar.

Windmühle Kröpelin in Mecklenburg



Leuchtturm Timmendorf auf der Insel Poel/Mecklenburg

Und natürlich findet Ihr Windmühlen - und Leuchttürme! Diese würden wiederum sehr schön zu unseren Worten vom Beginn passen. Vielleicht könnt Ihr Kinder so etwas wie Leuchttürme sein, die manchen verirrten Großen den Weg zu einem besseren Miteinander weisen?!













Im Herbst war ich dann wieder viel in meiner eigenen Umgebung unterwegs, - wie hier auf einer Wanderung mit meinem Sohn Raphael, den ich leider nicht mehr so oft sehe, weil er inzwischen nach Köln gezogen ist. Aber wir besuchen einander oft.




Nun ist der späte Herbst ja allgemein die beste Zeit zum Lesen und sich Vorlesen-Lassen. Kleine wie Große lassen sich außerdem gern von Bildern verzaubern. Eine schöne Bilderbuchsammlung mit bekannten und weniger bekannten Geschichten findet sich nun in einem farbenfrohen Band vereint und verspricht gemütliche nachmittägliche oder abendliche Lese- und Vorlesestunden.


Lena Arro, Lieve Baeten, Kirsten Boie, Erhard Dietl, Eva Eriksson, Astrid Lindgren, Paul Maar, Dorothy Palanza:

Mein Bilderbuchschatz

Von Drachen, Bären und schönen Träumen
Hamburg 2006/2015 (Oetinger)
ISBN-13: 978-3-7891-7784-2
16,99 €

Überall im Buchhandel

Link zum Buch





Und natürlich steht am Ende des Herbstes auch Advent vor der Tür, und für alle, die es gar nicht erwarten können, gibt es zum Glück Adventskalender! Als Kind habe ich sie geliebt und mich von den Bildern vor und hinter den Türchen verzaubern lassen. Nach Weihnachten habe ich diese stets wieder vorsichtig verschlossen und die Kalender sorgfältig aufbewahrt; hin und wieder kam auch ein neuer hinzu, und so hüte ich noch heute eine recht ansehnliche Sammlung, für die ich kaum Platz an den Wänden finde, so dass ich immer nur einige von ihnen aufhängen kann.

Für diejenigen unter Euch, denen es genauso geht, und die von Adventskalendern nie genug bekommen können, liegt ein solcher diesem neuen Vorlesebuch mit 24 Weihnachtsgeschichten bei.

Autorinnen und Autoren wie Astrid Lindgren, Christine Nöstlinger, Antonia Michaelis, Rolf Krenzer und viele andere stimmen uns mit lustigen und nachdenklichen Geschichten auf die Weihnachtstage ein.

24 Vorlesegeschichten für die Weihnachtszeit

Einband und farbige Illustrationen von Heike Vogel
Hamburg 2015 (Ellermann)
ISBN-13: 978-3-7707-3949-3
14,99 €
Überall im Buchhandel

Link zum Buch



Die Adventszeit ist die Zeit der Wünsche, mögen diese groß sein oder auch nur klein. Ich wünsche Euch vor allem Erwachsene, die sich Zeit für Euch nehmen, sei es zum Vorlesen oder zum Reden und Zuhören. Und Freunde, die für Euch da sind und für die Ihr da sein könnt! Lisa hier meint übrigens, dass die Zahl der Beine bei Freunden keine sehr große Rolle spielt...

Alles Liebe und einen schönen Advent!

Eure Betty







Samstag, 28. Februar 2015

Von einem blauen Band, einem dichtenden Pfarrer und seinem Turmhahn - und wundersamen Wasserfrauen in tiefen Seen...


Er ist 's

Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
– Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's!
Dich hab ich vernommen!

Eduard Mörike


Gewiss, ein wenig Zeit werden wir ihm noch lassen müssen, aber erste Boten zeigen, dass der Frühling zu uns unterwegs ist. Die Veilchen träumen zwar noch, dafür steckt - Hokuspokus - der Krokus seine Nase schon ans Licht, wie es auch in dem schönen Märzlied von Rolf Zuckowski heißt. Diesen hier auf dem Bild fand ich im Garten meiner Mama, zusammen mit vielen Schneeglöckchen, die sich dort versammelt haben, um eine neue Jahreszeit einläuten.



Eine liebe Freundin von mir meinte, dieses hier sähe aus wie eine Tänzerin. Dies war mir zuvor noch gar nicht aufgefallen, aber beim näheren Hinsehen könnte man es wirklich glauben. Oder was meint Ihr?

Das bekannte Frühlingsgedicht vom blauen Band lese und höre ich immer wieder gern, weil es das Kommen des Frühlings sehr schön beschreibt. Sein Dichter, Eduard Mörike, steht mir außerdem nahe, weil er aus meiner Gegend kommt. Er ist in dem schönen Städtchen Ludwigsburg geboren, wo ich immer wieder sehr gern hinfahre und die herrlichen Schlossgärten bewundere. Einiges darüber findet Ihr in Betty's Büchergarten. 

Nun war Dichter auch früher nicht der Beruf, den sich Eltern unbedingt für ihre Kinder wünschen, und so musste Eduard auf Geheiß seines Onkels, der seine Ausbildung bezahlte, Pfarrer werden. In diesem Beruf war er jedoch nicht sehr glücklich; er stieg nicht gern auf die Kanzel in der Kirche und predigte. Er mochte nicht gern vor vielen Menschen reden. Viel lieber ging er in der Natur spazieren, schrieb Gedichte und sammelte Märchen, Sagen und Geschichten, die sich die Leute erzählten.

Eine seiner Pfarrstellen hatte er in dem kleinen Dorf Cleversulzbach in der Nähe von Heilbronn, wo heute noch ein kleines Museum im alten Schulhaus für ihn eingerichtet ist, das man besichtigen kann. Wer gerne spazieren geht oder wandert, kann auf dem "Mörike-Pfad" immer den Schildern mit dem Turmhahn-Symbol nachgehen und die Lieblingsplätze des Dichters besuchen. Ich selbst war dort schon einmal vor einigen Jahren und habe mir vorgenommen, bald einmal wieder hinzufahren.



Eine der bekanntesten Geschichten, die man sich von Mörike zu erzählen weiß, ist die vom alten Turmhahn. In der Zeit, als er in Cleversulzbach Pfarrer war, musste am Kirchturmdach manches erneuert werden, und so wurde auch gleich der alte, verwitterte Turmhahn heruntergenommen und durch einen neuen ersetzt. Mörike jedoch tat der alte Turmhahn Leid, der so einsam und vergessen im Hof herumstand. Er fand, dass er dies nach so langer, treuer Dienstzeit auf dem Kirchturmdach nicht verdient hätte, und bat darum, dass man ihm den Hahn in die Stube bringen sollte. Ratet mal, wie die Leute darauf reagiert haben? Genau! Sie sagten Dinge wie: "Der Pfarrer Mörike, der spinnt ja schon lange ein bisschen mit seiner Dichterei, und jetzt ist er nun wohl ganz verrückt geworden!"


Aber um das Gerede der Leute hat sich Eduard Mörike nie gekümmert. Der Turmhahn bekam einen Ehrenplatz in seinem Schreibzimmer und sogar ein eigenes, ihm gewidmetes Gedicht, welches so beginnt:

Zu Cleversulzbach im Unterland
Hundertunddreizehn Jahr ich stand,
Auf dem Kirchenturm ein guter Hahn,
Als ein Zierat und Wetterfahn.
In Sturm und Wind und Regennacht
Hab ich allzeit das Dorf bewacht.
Manch falber Blitz hat mich gestreift,
Der Frost mein' roten Kamm bereift,
Auch manchen lieben Sommertag,
Da man gern Schatten haben mag,
Hat mir die Sonne unverwandt
Auf meinen goldigen Leib gebrannt.
So ward ich schwarz für Alter ganz,
Und weg ist aller Glitz und Glanz.
Da haben sie mich denn zuletzt
Veracht't und schmählich abgesetzt.
Meinthalb! So ist der Welt ihr Lauf,
Jetzt tun sie einen andern 'nauf.
Stolzier, prachtier und dreh dich nur!
Dir macht der Wind noch andre Cour...

Das Gedicht geht noch viel, viel weiter und ist so lang, dass es hier jede Menge Platz bräuchte. Wer es gerne in voller Länge lesen möchte, findet es an verschiedenen Orten im Internet, wie zum Beispiel hier - sehr schön mit alten Bildern illustriert - im Goethezeitportal, wo man auch sonst vieles über Dichter erfahren kann.

Und hier geht es zum Mörike-Museum Cleversulzbach, wo man den alten Turmhahn noch bewundern kann.






In dem Kindergarten, in dem ich hin und wieder arbeite, haben sich inzwischen mehrere Kinder, die sich gern mit Büchern beschäftigen, zu einem Leseclub zusammengefunden. Gemeinsam haben wir viel gelesen und erzählt, uns mit Eltern und Großeltern zu einem Erzählcafé getroffen und auf einem kleinen Ausflug die Bücherei unserer Stadt erkundet.

Im Zuge unserer Leseabenteuer sind auch wir Mörike begegnet. Wir entdeckten die Geschichte einer Wassernixe, genannt "Die schöne Lau", welche sich die Leute von der südlichen Schwäbischen Alb bei Blaubeuren in der Nähe von Ulm erzählten, und die Mörike aufgeschrieben hat. Es gibt dort einen sehr tiefen Quellsee, seiner Farbe wegen "Blautopf" genannt, auf dessen Grund, wo sich das Wasser aus vielen, weitverzweigten Höhlen sammelt, die schöne Lau lebte und Freundschaft mit einer netten Gastwirtsfamilie in der Menschenwelt schloss, die ihr aus ihrer Traurigkeit heraushalf.  Die Illustratorin Daniela Drescher hat diese Geschichte mit stimmungsvollen Bildern in traumhaften Farben in diesem wunderschönen Bilderbuch festgehalten.



Eduard Mörike / Daniela Drescher:
Die Geschichte von der schönen Lau. Stuttgart 2009
(Urachhaus), € 14,90 
ISBN: 978-3-8251-7641-9 
Überall im Buchhandel
Link zum Buch: Die Geschichte von der schönen Lau


Besonders liebten die Kinder die darin erzählte Begebenheit von dem frechen Burschen, der die Tiefe des Sees mit einem Bleilot an seiner Angelschnur messen wollte, und als er diese hochzog, nur eine Zwiebel daran hängen fand. Die Wasserfrau hatte ihm einen Streich gespielt, und der schwäbische Spruch, den die Leute in dieser Gegend seitdem gern sagen, ist ein wahrer Zungenbrecher, den die wir natürlich gleich ausprobieren mussten: 


„‘S leit a Klötzle Blei glei bei Blaubeura,
glei bei Blaubeura leit a Klötzle Blei!“


Wer es schafft, dies ganz schnell herzusagen, kann sich wohl einen wahren Sprachkünstler nennen. Wer mag es versuchen? :-)

Auf der Homepage von Daniela Drescher findet sich eine Kostprobe ihrer schönen Illustrationen zu verschiedenen Kinderbüchern.

Für jene, die jetzt neugierig geworden sind und sich gern über den sagenhaften Ort kundig machen möchten oder ein neues Ausflugsziel suchen, geht es hier zum Blautopf.


Wer hingegen die schönen alten Märchen aus der Sammlung der Brüder Grimm liebt, dem sei ein zauberhaftes Märchenbuch empfohlen, das auf jeweils einem großen Bild ein ganzes Märchen erzählt. Dort gibt es ein Wiedersehen all mit den alten Bekannten wie "Hänsel und Gretel", "Frau Holle", "Aschenputtel", "Dornröschen", den "Bremer Stadtmusikanten" und vielen anderen, deren Abenteuer man immer wieder neu lesen und hören kann.



Barbara Bedrischka-Bös (Illu.):
Meine wunderbare Märchenwelt.
Die schönsten Märchen der Brüder Grimm
in zauberhaften Erzählbildern
Freiburg im Breisgau 2012
Kerle Verlag, € 16.95
ISBN: 978-3-451-71115-2
Überall im Buchhandel

Link zum Buch: Meine wunderbare Märchenwelt




 
Ein sehr schönes, poetisches Bilderbuch über einen Apfelbaum im Jahreskreis ist hingegen ganz neu erschienen und lädt zum Betrachten und Träumen ein:




Görel Kristina Näslund: 
Unser Apfelbaum  
Illustrationen von Kristina Digman
Aus dem Schwedischen von Karl-Axel Daude
Zürich 2014 (Bohem Press), € 12,95
ISBN 978-3-85581-544-9
Überall im Buchhandel

Link zum Buch: Unser Apfelbaum (Seite 18 auf der Liste) 









Kommt es manchmal vor, dass Ihr Euch gern vorlesen lassen würdet, aber gerade niemand Zeit hat? Auf der Seite von OHRKA.de gibt es Abhilfe! Dort haben viele Journalisten und Schauspieler ehrenamtlich, also ohne etwas dafür zu bekommen, Kinderbuchklassiker für Euch vorgelesen, die man dort als kostenlose Hörbücher abrufen kann. Hört mal rein!

Weitere Links für Kids findet Ihr ganz unten auf der rechten Seite dieses Blogs, wo ich manches sammle, was ich beim Stöbern so finde, und von dem ich denke, dass es etwas für Euch sein könnte.

 


  
Da der nahende Frühling uns zu vielen Entdeckungen in der Natur einlädt, will ich Euch im nächsten Blog gern einige Naturführer und Bestimmungsbücher für Kinder vorstellen.

Einstweilen werde ich mich noch für einige Wochen bei den Kleinsten in einer Krippengruppe umschauen und bin sehr gespannt, ob es auch dort schon kleine Bücherwürmer gibt.
Ich werde berichten!


Einen schönen Frühling mit vielen tollen Erkundungen und viel Lesespaß
wünscht Euch

Betty