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Dienstag, 6. Januar 2015

Winterzeit - Lesezeit


"Viele Winter und viele Sommer sah ich gehen. Geduld nur, Geduld! Der Frühling ist nah."

Aus Astrid Lindgrens "Tomte Tummetott"







Auch bei uns hat nun der Winter seinen Einzug gehalten und uns in manchen Gegenden während der Ferien einige Schneetage beschert, die viele Kinder gern zum Rodeln nutzten. Weihnachten ist schon vorüber, ein neues Jahr hat begonnen und heute ist nun bereits der Tag der Heiligen Drei Könige, der Weisen aus dem Morgenland, die sich nach der Erzählung auf den Weg nach Bethlehem gemacht hatten, um nach dem Kind in der Krippe zu schauen. So finden wir derzeit auch in vielen Kirchen schöne Krippen und Krippenlandschaften aufgebaut, die noch während des ganzen Monats Januar bestaunt werden können, denn eigentlich endet die Weihnachtszeit erst am Lichtmesstag, dem 2. Februar, wenn dann wirklich der Frühling nicht mehr allzu fern ist.


Während eines Besuchs bei Freunden am Rhein hatte ich während der letzten Tage Gelegenheit, mir zwei schöne Krippen anzusehen, zum einen Europas größte Wurzelholzkrippe in Rheinbrohl (oben) und die Krippe im Kloster Maria Laach.


Manchmal spricht mich eine Figur besonders an, so ging es mir in Maria Laach mit dem kleinen Hirtenmädchen, das mit seinem Schäfchen auf dem Arm so ganz versunken wirkt. Vielleicht erinnert es mich an mich selbst, denn ich war als Kind überall zu finden, wo es Tiere gab, und trug nur allzu gern die Zicklein einer Tante auf dem Arm herum. Sogar ein Kopftuch trug ich hin und wieder, weil ich sehr oft Ohrenschmerzen hatte. So kann man sich manchmal in einer bestimmten Figur wiederfinden und sich an ihre Stelle versetzen.



Die Winterzeit ist natürlich allerbeste Lesezeit und eignet sich besonders gut, es sich bei einer Tasse Tee oder Kakao mit einem Buch gemütlich zu machen. Im Kindergarten lassen sich die Kinder wie stets gern vorlesen. Eine Wintergeschichte, die sie besonders mochten, ist Tomte Tummetott von Astrid Lindgren mit jenen bezaubernden Bildern von Harald Wiberg, die seit über fünfzig Jahren Kindern und Erwachsenen Freude machen. Sie wollten sie immer wieder hören, weil sie, wie sie sagten, "so schön" sei. Besonders mochten sie auch den sich wiederholenden Vers: "Viele Winter und viele Sommer sah ich gehen...", es schien, als würde er uns allen helfen, ein wenig zur Ruhe zu finden und uns zu entspannen, was heute für Kleine wie Große manchmal gar nicht so einfach ist.

Astrid Lindgren/Harald Wiberg: Tomte Tummetott,
Verlag Friedrich Oetinger, Hamburg, 1960
12,90 €
ISBN: 978-3-7891-6130-8

Link zum Buch: Tomte Tummetott




Astrid Lindgren/Harald Wiberg: Tomte und der Fuchs
Verlag Friedrich Oetinger, Hamburg 1966
12,90 €
ISBN: 978-3-7891-6131-5

Link zum Buch: Tomte und der Fuchs

Von Otfried Preußler, Autor der Geschichten von der kleinen Hexe, dem kleinen Gespenst und dem kleinen Wassermann, von Hörbe und Räuber Hotzenplotz, der im Februar des letzten Jahres leider verstorben ist, gibt es eine Sammlung winterlicher Geschichten, die sich besonders gut für die kalte Jahreszeit eignen. Das Buch lässt uns Wiedersehen feiern mit manchen unserer alten, liebgewonnenen Freunde, enthält aber auch ebenso schöne, weniger bekannte Geschichten.

Otfried Preußler: Winterzeit, tief verschneit
Thienemann Verlag, Stuttgart/Wien 2011
16,95 €
ISBN: 978-3-522-18228-7

Link zum Buch: Winterzeit, tief verschneit 




Viele Kinder lieben Musik, manche singen gern oder spielen ein Instrument. Und vielleicht haben sich manche von Euch schon einmal die Frage gestellt, seit wann es Musik gibt, wie sie in früheren Zeiten entstanden ist und sich entwickelt hat. Die Geschichte der Musik besteht aus vielen spannenden Geschichten, die Rudolf Herfurtner in dem Buch "Ohne Musik ist alles nichts" sehr  lebendig erzählt. Die gebundene Ausgabe des Buches erschien vor sieben Jahren im Hanser Verlag, seit diesem Jahr ist es nun auch als Taschenbuch in der Reihe Hanser bei dtv (Deutscher Taschenbuch Verlag) erhältlich. Empfohlen ist es für Kinder ab 10 Jahren, wobei dies nicht bedeutet, dass sich nicht auch Jüngere schon herantrauen dürfen. Und auch viele Erwachsene lassen sich Geschichte lieber in Geschichten erzählen, als nur in ein Lexikon zu schauen.

Rudolf Herfurtner: Ohne Musik ist alles nichts
Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2015
9,95 €
ISBN: 978-3-423-62591-3

Link zum Buch: Ohne Musik ist alles nichts
 

So wünsche ich Euch und uns einen schönen Lesewinter und ein gutes Neues Jahr 2015!

Bis bald!

Eure Betty

Sonntag, 16. November 2014

Im Herbst auf Reisen - mit Büchern im Gepäck

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: »Junge, wiste 'ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn.«



So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. 's war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.«
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
Sangen »Jesus meine Zuversicht«,
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
»He is dod nu. Wer giwt uns nu 'ne Beer?«

So klagten die Kinder. Das war nicht recht -
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was damals er tat,
Als um eine Birn' ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gingen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet's wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung' übern Kirchhof her,
So flüstert's im Baume: »Wiste 'ne Beer?«
Und kommt ein Mädel, so flüstert's: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew' di 'ne Birn.«

So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

Theodor Fontane



Die "liebe Herbsteszeit" in Theodor Fontanes Gedicht, das ich sehr mag, - nun, sie ist leider viel schneller verstrichen, als es mir lieb sein konnte. Sie war für mich angefüllt mit Lernen und Reisen, und ich habe sie sehr genossen, nur, dass ich allzu gern mehr Zeit für dieses Blog gehabt hätte, das mir sehr am Herzen liegt.

An Fontanes Gedicht musste ich denken, als mich mein Weg durchs Havelland, führte, jene bezaubernde Flusslandschaft in der Nähe von Berlin, und links und rechts der Autobahn Kraniche auf ihrem Durchzug in den Süden rasteten.


Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland
von Theodor Fontane
illustriert von Bernd Streiter
Ueberreuther Verlag, Berlin 2012
14,95 €
ISBN: 978-3-219-115146-8


Da ich die 125 Jahre alte Ballade vom Birnbaum des Dichters Theodor Fontane schon in meiner Kinderzeit liebte, kam mir in den Sinn, dass es hierzu doch auch ein Buch für Kinder geben müsste, und bin schließlich fündig geworden. Dieses schöne, stimmungsvolle Bilderbuch mit Aquarellen von Bernd Streiter erzählt anschaulich die Geschichte des adligen Herrn, der Kindern stets gern von den Früchten seines Baums abgab. Als er jedoch alt geworden war und wusste, dass er nicht mehr lange zu leben hatte, kam ihm in den Sinn, dass sein geiziger Sohn den Kindern wohl nichts übrig lassen würde. Er dachte nach und hatte alsbald eine Idee!

Wer gern mehr über das Gedicht und die Zeit, in der es entstand, erfahren möchte, kann sich darüber hinaus auf der Internet-Seite der Ur- und Ur-Ur-Enkel des Herrn von Ribbeck umsehen, die hierzu vieles gesammelt haben. Hier geht es zur schön gestalteten Homepage der Familie von Ribbeck.

Über meine Reisen werde ich in meinem Haupt-Blog Betty's Corner in wenigen Tagen ausführlicher berichten. Ihr dürft gern auch dort hineinschauen. Hier möchte ich nur erzählen, was für insbesondere Kinder interessant sein könnte.


Wer die vier pfiffigen Gesellen im Bild kennt, wird schnell erraten, wohin mich eine Studienreise geführt hat. Auch wenn die Stadtmusikanten im Märchen dort ja bekanntlich nie angekommen sind, weil sie inzwischen das Räuberhaus im Wald als neue Bleibe passend gefunden hatten, hat die Stadt Bremen ihnen eines Tages ein Denkmal an die Seite ihres Rathauses gesetzt, das, wie ich finde, sehr gut dort hin passt. Selbst im Dunkeln machen Esel, Hund, Katze und Hahn doch eine gute Figur, oder was meint Ihr?



Interessante Orte für Kinder entdecken war Sinn und Zweck dieser Reise, und so konnte ich deren einige kennenlernen und näher anschauen, wie die Freinet-Kindertagesstätte Prinzhöfte, im schönen Naturpark Wildeshauser Geest gelegen. Diese befindet sich in einem ehemaligen Bauernhof mit einem großen Garten- und Naturgelände rings herum, was bedeutet: Jede Menge Platz zum Toben und Spielen, Herumstrolchen und Entdecken, aber auch die Möglichkeit, einen Garten zu gestalten und mit Tieren umzugehen. Die Kinder dort bringen ihre eigenen Ideen ein und entscheiden über die Dinge, die sie selbst und das Leben und Lernen in der KiTa betreffen, gleichberechtigt mit. Das Konzept der Kindertagesstätte orientiert sich nach dem französischen Dorfschullehrer Célestin Freinet, der sich vor etwa hundert Jahren sehr viele Gedanken darüber gemacht hat, wie Kinder besser lernen können, und den Mut hatte, den Unterricht an seiner Schule völlig anders zu gestalten, als damals - und leider muss ich sagen: auch noch heute an den meisten Schulen - üblich.



Ein weiterer Ausflug führte mich zu einer Stadtteilfarm in einem Bremer Vorort, wo im Rahmen von offener Kinder- und Jugendarbeit Kinder in ihrer Freizeit Erfahrungen mit Tieren sammeln können. Auf einem großen Gelände finden sich dort Pferde, Esel, Ziegen, Schafe, Mini-Schweine, Katzen, Gänse, Laufenten und sogar Alpaka-Lamas, so dass sich für jeden ein Lieblingstier finden dürfte. Ich selbst hatte dort Gelegenheit, Erfahrungen mit Alpakas zu sammeln. Diese Tiere waren auch für mich recht neu, da ich solche zuvor immer nur hinter Zäunen bestaunt hatte. Hier ging es nun darum, ihnen ein Halfter anzulegen und mit ihnen über einen Parcours zu gehen, ein besonderes Abenteuer, da es sehr reservierte und eigenwillige Tiere sind. Gleichwohl sind sie aber sehr charmant und sanft, und ich kann Euch entgegen allem, was man Euch über sie erzählt haben mag, versichern: Sie spucken keineswegs, wenn man freundlich mit ihnen umgeht! 























Kaum hatte ich nach der Rückkehr aus Bremen die Koffer ausgepackt, konnte ich sie auch schon wieder einpacken, denn die Herbstferien wollte ich in diesem Jahr auf der schönen Insel Rügen verbringen. Ich wohnte dort ganz in der Nähe der berühmten Kreidefelsen, die seit Jahrhunderten viele Maler und Dichter inspiriert haben. Und sie sehen auch wirklich aus wie gemalt!









Wer genau hinschaut, sieht die Menschen unten am Strand ameisenklein und kann sich so gut vorstellen, wie hoch die Klippen dort sind. Dass es gilt, Acht zu geben und nicht zu nahe an die Kante zu treten, auch keine Absperrzäune zu überklettern, versteht sich in diesem Fall von selbst!






Für alle, die in diesem Jahr ihre Ferien auch an der See verbracht haben und jetzt an regnerischen Novembertagen vielleicht noch dabei sind, ihre gesammelten Schätze zu sortieren, habe ich ein Strandsteine-Bestimmungsbuch für Kinder gefunden, an dem auch Kinder mitgearbeitet haben. Anhand guter Fotos lassen sich die Steine gut vergleichen und es lässt sich vieles über ihre Herkunft erfahren.


Frank Rudolf: Strandsteine für Kids,
Wachholtz Verlag, Neumünster 2011

9,90 €
ISBN: 978-3-529-05414-3


















Natürlich gehören zur See auch Leuchttürme und meine Lieblingsleuchttürme will ich Euch hier nicht vorenthalten. Zu ihnen gehört der besonders schöne Leuchtturm Dornbusch auf der Insel Hiddensee, die man von Rügen aus mit der Fähre erreichen kann. Die Bilder zeigen, dass es auch bei Nebel reizvoll sein kann, hinzuwandern. 













Und weil wegen des Wetters das übliche Gedränge weg fiel, hatte ich genügend Ruhe und Zeit, mir seine Laterne genauer anzuschauen.

 










Das Besondere an Hiddensee: Es gibt dort keine Autos - und deshalb auch keinen Lärm und Gestank. Man geht zu Fuß, fährt Fahrrad oder nimmt die Pferdekutsche.















Am nördlichsten Punkt Rügens liegen die beiden Leuchttürme von Kap Arkona. Der kleinere ist der ältere von ihnen und heute nicht mehr in Betrieb, aber man kann beide besichtigen, - sofern man fit ist im Treppensteigen. Es lohnt sich dies auf jeden Fall und zwischendurch ergeben sich immer wieder ungewöhnliche Aus- und Durchblicke von Turm zu Turm.




























































Und da es im Herbst gerade im Norden sehr früh dunkel wird, konnte ich bereits auf dem Nachhauseweg das Leuchtfeuer beobachten.

An meinem letzten Tag fand ich dann, als wenn es so sein sollte, noch ein Buch mit Vorlesegeschichten, die allesamt an der Ostsee spielen. Sie sind von dem leider in diesem Sommer im Alter von fast 89 Jahren verstorbenen Benno Pludra, der in der damaligen DDR bekannter war als in der Gegend, in der ich wohne. Ich selbst hatte jedoch als Kind Verwandte in der DDR, die mir Bilderbücher schickten, und so kennen nun auch meine Kindergartenkinder "Heiner und seine Hähnchen", den Jungen mit dem weißblonden Igelhaar, der am Strand einschläft, als er Sand für seine Hähnchen holen will, denen Regenpfeifer, Möwe und Kiebitz nach ihm suchen helfen. Auch seine Geschichte findet sich selbstverständlich in diesem Buch, das mit ins Gepäck musste, und auf das vorzulesen ich mich schon freue.


Benno Pludra:
Bootsmann, Lütt Matten und all die anderen
Die schönsten Vorlesegeschichten
Verlagsgruppe Beltz, Weinheim 2011

14,95 €

ISBN 978-3-407-77114-8















So wünsche ich Euch einstweilen noch ein paar schöne Herbsttage, die wir in diesem Jahr etwas länger genießen dürfen! Und für Regenwetter gibt es ja zum Glück - Bücher!

Herzliche Grüße

Eure Betty




Sonntag, 13. Juli 2014

Von Schmetterlingen und Büchern...

“Ein schönes Buch ist wie ein Schmetterling.
Leicht liegt es in der Hand,
entführt uns von einer Blüte zur nächsten
und läßt den Himmel ahnen.”

Lao-Tse
Manchmal verhält es sich etwas schwierig mit Worten, die jemandem zugeschrieben werden, der vor vielen hundert Jahren gelebt hat - wie hier der weise Mann Laotse im alten China. Denn niemand weiß heute mehr, ob er dies nun wirklich genauso gesagt hat. Und niemand mehr, der zur selben Zeit gelebt hat, ist heute noch auf dieser Welt, um es bezeugen zu können und zu sagen: "Ja, das stimmt, das habe ich selbst von ihm gehört!"

Möglich ist es dennoch, dass er diese Worte sagte. Es gab Bücher im alten China, nicht nur von Hand geschriebene, - auch das Drucken kannte man zu dieser Zeit dort schon, - viele hundert Jahre früher als bei uns in Europa. Und man hat dort auch schon viel früher gewusst, wie man Papier herstellen kann. Durchaus möglich also, dass dieser kluge Mann Laotse seine eigenen Worte aufschrieb. Und dass er sich mit Büchern auskannte. Und mit Schmetterlingen sowieso!

Sicher ist: Irgend jemand fand diese Worte schön, hat sie weitererzählt oder vielleicht sogar aufgeschrieben. Und wieder andere haben sie gehört, erzählt, aufgeschrieben und immer wieder abgeschrieben. Vielleicht haben sie die Worte beim Erzählen oder Abschreiben auch immer ein wenig verändert. Wir wissen es nicht. Aber sie alle hatten eines gemeinsam: Der Spruch mit dem Buch und dem Schmetterling gefiel ihnen, und sie haben ihn mit anderen geteilt und ihn weitergetragen, bis er irgendwann auch hierher zu uns gefunden hat. 

Und nun finde ich wiederum, er passt sehr schön. Weil ich nämlich vor wenigen Tagen das große Glück hatte, dass dieser bei uns selten gewordene Schmetterling - ein Schwalbenschwanz - auf den Lavendelblüten in einem Burggarten brav sitzen blieb, bis ich ihn fotografiert hatte. So etwas passiert nicht so oft!

Auch ein weiterer Schmetterling, ein Heufalter, der sonst immer viel zu schnell für die Kamera ist, hat mir diesen Gefallen getan. So viel Glück auf einmal ist eigentlich fast unglaublich! Ich kann ihn Euch allerdings nur mit zusammengefalteten Flügeln zeigen. Er hat die Eigenart, sie nur zum Fliegen kurz aufzuklappen, aber er entfaltet sie nie, wenn er auf einer Blume oder einem Blatt sitzt. Dennoch ist hier - meine ich - gut zu erkennen, was für ein schönes Muster seine Flügel haben. 

Wie der Schmetterling auf seinem Flug, so können wir tatsächlich beim Lesen von Büchern auf Reisen gehen. Zum einen können wir sie natürlich richtig in den Koffer packen, wenn wir auf wirkliche Reisen gehen, und sie an anderen Orten lesen, wo wir vielleicht mehr Zeit dazu finden, wenn wir Ferien haben. Aber auch, wenn wir es uns zuhause mit ihnen auf dem Sofa - oder im Bett - oder auf dem Teppich - oder im Liegestuhl auf dem Balkon - oder in der Hängematte im Garten - oder auf einer Wiese unter einem Baum - oder wo immer Ihr mögt! - gemütlich gemacht haben, führen sie uns auf Reisen. In andere Gegenden. Oder in andere Zeiten. Und bringen uns auf neue Gedanken.



Manche Bücher wecken Erinnerungen, vor allem auch in uns Großen. Als Kind hatte ich viele Kinderbücher aus der DDR, denn damals stand die Mauer in Berlin noch, und es gab noch die beiden Teile Deutschlands und eine Grenze zwischen ihnen. Kinder, die in einem Teil davon lebten, bekamen meist von den Kindern im jeweils anderen Teil nicht so viel mit. Man wusste kaum etwas voneinander. Besuche waren eher selten. Im anderen Teil war alles ein bisschen anders; man wusste nicht, womit die Kinder sich dort beschäftigen und welche Bücher sie lesen. Auch im Fernsehen war nicht viel davon zu erfahren. So war das nun einmal. 

Ich bin in Südwestdeutschland geboren und aufgewachsen, aber ich hatte Verwandte und Freunde, die mir manchmal Kinderbücher aus der DDR schickten. Die meisten davon habe ich nicht mehr, aber an manche erinnere ich mich noch gut. Umso mehr habe ich mich gefreut, als vor wenigen Jahren bei einem Kinderbuchverlag eine Sammlung der schönsten Kindergeschichten der DDR aus 60 Jahren erschien. Hier traf ich alte Bekannte wieder, wie "Heiner und seine Hähnchen" von Benno Pludra, den Jungen mit den weißblonden Wuschelhaaren, der für seine Hühner Sand holen will, am Strand verschiedenen Vögeln begegnet, viele schöne Dinge entdeckt, träumt und schließlich einschläft, bis die Tiere ihn suchen gehen. Eine wunderschöne Ostsee-Geschichte eben! 

Ich fand in diesem Buch Märchen aus Russland und der Ukraine, und ebenso viele spannende, lustige und manchmal auch nachdenkliche Alltagsgeschichten von Kindern. Ob sie Kindern von heute noch gefallen könnten? Dies wollte ich doch zu gerne wissen und habe das Buch mit in den Kindergarten genommen. Und siehe da: Viele der Geschichten gefielen nicht nur, manche Kinder kannten sie sogar schon! Denn einige von ihnen haben Eltern, die damals in der DDR aufgewachsen sind und ihre eigenen Bücher von damals aufgehoben haben. Und so haben sie ihren Kindern daraus vorgelesen. Oder sie haben, wenn sie die Bücher nicht mehr hatten, die Geschichten erzählt, die sie aus ihrer Kindheit noch auswendig kannten.

Natürlich lebten die Kinder im Buch zu einer anderen Zeit. Es gab weniger Autos, auch noch keine Computer, und sie hatten einfacheres Spielzeug als die Kinder heute. Dennoch ist, was sie erleben, Kindern von heute ebenso vertraut. Denn Kinder beschäftigen zu allen Zeiten ähnliche Dinge. Kinder von früher oder von heute spielen gern und räumen weniger gern auf, - das geht den Großen übrigens oft nicht anders. Und so lieben auch die Kinder im Kindergarten die Geschichte vom Jochen, der nicht aufräumen wollte, bis die Spielsachen eines Tages beschlossen, auszuwandern. Oder die von Jörg, der Zahnweh hatte, weil er für sein Leben gern Süßes aß, aber vom Zähneputzen nicht viel wissen wollte. Oder eine Geschichte, die ich sehr oft vorlesen muss, weil manche Kinder sie wieder und wieder hören wollen: Von der Feuerwehr, wo der Kaffee kalt wird, weil immer wieder ein neuer dringender Einsatz dazwischen kommt und die wohlverdiente Pause verschoben werden muss. Die Kinder lieben besonders lustige, schräge Figuren wie Löschmeister Wasserhose und Wachtmeister Meier in der lebendigen Erzählung von Hannes Hüttner, und sie mögen auch den Wortwitz und mancherlei Sprachspiele in vielen der Geschichten. 

Unvergesslich "Der kleine Angsthase", dem plötzlich nichts anderes übrig bleibt, als Mut zu zeigen. Seine Erfinderin ist die irische Schriftstellerin Elizabeth Shaw, die mit ihrem Mann, einem Maler und Bildhauer, in Berlin-Zehlendorf lebte. Sie ist im Buch mit einer weiteren bezaubernden Geschichte vertreten: "Bella Belchaud und ihre Papageien" handelt von einer Schauspielerin, die ihren Beruf aufgeben musste, weil ihr Gedächtnis sie manchmal im Stich ließ, und es so natürlich schwierig ist, sich den Text einer Rolle zu merken. Dennoch zieht es sie - wie jeden, der einmal von der Liebe zum Theater ergriffen ist - zurück auf die Bühne. Wie ihr dies mit Hilfe ihrer klugen Papageien gelingt, sei hier nicht verraten!

Corinna Schiller (Hrsg.): "Erzähl mir vom kleinen Angsthasen -
Die schönsten Kindergeschichten der DDR"
Der Kinderbuch Verlag in der Verlagsgruppe Beltz, Weinheim und Basel 2009,
248 Seiten, € 14,95, ISBN 978-3-358-03076-9

Der Link zum Buch: Erzähl mir vom kleinen Angsthasen - Der KinderbuchVerlag

Nachdem dieser Leseclub für Kids zu meiner Freude einen erfolgreichen Start hatte, weiß ich dennoch nicht viel über die Leserinnen und Leser, die hier hereinschauen, denn ich bekomme Euch ja nicht selbst zu sehen. Sind es noch überwiegend große Lesefans - oder sind auch schon Kinder darunter? Solche, die schon lesen können? Oder solche, die sich von den Größeren vorlesen lassen? Ich versuche, eine Sprache zu finden, die möglichst Großen und Kleinen gerecht wird. Das ist nicht immer einfach und gelingt bestimmt auch nicht immer. Ihr dürft mir in Kommentaren gerne Rückmeldung geben!

Noch zum guten Schluss: Dies ist ein Blog über das Lesen, der meine eigene Lesefreude und die der Kinder, mit denen ich sie teile, weitergeben will. Es werden darin immer wieder einmal Bücher besprochen. Was ich jedoch nicht kann, ist eine Übersicht über die Vielzahl der Kinderbücher und Neuerscheinungen geben. Dies wäre für mich nicht zu schaffen. Hierzu gibt es weitere interessante Kinderbuchblogs mit hilfreichen Beiträgen, in die es sich lohnt, hineinzuschauen. Ich habe inzwischen einige von diesen hier auf der Seite verlinkt. Stöbert einfach meine Blogliste durch, dann werdet Ihr sie finden!

Ich wünsche Euch viele schöne, sommerliche Schmetterlingsflüge!

Liebe Grüße
und bis bald!

Eure Betty