Sonntag, 9. September 2018

Von starken Pferden, traurigen Panthern, cleveren Raben und anderen Tieren...

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält;
denn heute löst sich von den Zweigen nur,
was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.

Friedrich Hebbel



Schon will der Sommer allmählich wieder Abschied nehmen. Er hatte diesmal viel Hitze und Trockenheit im Gepäck. So fällt es uns leichter, ihn ziehen zu lassen, wissen auch Kühle und Regen wieder zu schätzen. Der kleine, puschelige Geselle oben ist mir in Ludwigsburg über den Weg gehuscht und war schon eifrig am Vorräte-Sammeln.


Hattet ihr schöne Ferien? Und hoffentlich gute Bücher zu lesen?

Ich war während des Sommers zuhause und habe nur kleine Ausflüge unternommen. Diesmal werde ich erst im Herbst verreisen, wieder auf die Insel Rügen, diesmal um Zugvögel zu beobachten. Ich freue mich schon sehr auf die Kraniche und Wildgänse und werde bald davon berichten. 

Aber auch zuhause gibt es immer wieder etwas zu entdecken. An einem Wochenende im August fand an dem Ort, an dem ich wohne, ein Fuhrmannstag statt. Dort wurde gezeigt, wie früher mit Pferden gepflügt wurde. So etwas bekommen wir heute, wo die Feldarbeit längst von Traktoren erledigt wird, nicht mehr oft zu sehen!



 
Ebenso selten geworden sind die kräftigen Pferderassen, die zum Ziehen von schweren Lasten eingesetzt wurden, wie hier die schönen blonden Schwarzwälder mit ihrer dunklen Fuchsfarbe beim Holzrückewettbewerb.

Holzrückepferde, die schwere Baumstämme aus dem Wald ziehen, werden heute noch eingesetzt, an Berghängen und wo sonst das Gelände schwierig ist. Und auch zunehmend wieder dort, wo Menschen erkannt haben, dass umsichtiges Arbeiten mit Pferden viel weniger Schaden im Wald anrichtet als eine große Maschine, die links und rechts nicht mehr viel übrig lässt!

Wenn wir wieder lernen, achtsam mit der Umwelt umzugehen, die wir ja brauchen und uns erhalten sollten, wird das Pferd nicht nur als Sportkamerad, sondern auch als Arbeitspartner wieder interessant. Gerade für die knifflige und nicht ungefährliche Arbeit mit Baumstämmen braucht es gegenseitiges Vertrauen und feinfühlige Kommunikation zwischen Mensch und Tier. Dies konnte hier sehr gut beobachtet werden. Es zeigte sich schnell, wo die Zusammenarbeit stimmte!



Natürlich war ich auch mal wieder bei den Dichtern in Marbach, in den Literaturmuseen. Von der hoch gelegenen Terrasse hat man einen weiten Blick über den Neckar. Es gibt auch ein Café und es lässt sich dort schön in der Sonne sitzen und schmökern, wie ihr hier seht...









Postkarten und Briefe des Dichters Rilke
Im Museum gibt es eine Ausstellung über Paris, wo sich im Verlauf von etwa 200 Jahren viele unserer Dichter und Schriftsteller, aber auch viele Maler, Bildhauer und Fotografen immer wieder für kürzere oder längere Zeit aufhielten, manche einfach, weil ihnen die französische Hauptstadt am Seine-Fluss so gut gefiel, manche auch auf der Durchreise oder auf der Flucht vor Verfolgung und weil sie dort zeitweise freier arbeiten konnten als in Deutschland.

Denn zu gewissen Zeiten durfte hier nur veröffentlicht werden, was den Herrschenden so passte. Das ist heute zum Glück nicht mehr so. Inzwischen leben wir in einer Demokratie. Das bedeutet, jede und jeder kann hier mitbestimmen und seine Meinung sagen, solange damit niemand verletzt oder ausgegrenzt wird, und die Ausübung von Kunst, Presse und Wissenschaft ist frei. Das bedeutet: Jeder und jede kann malen oder schreiben, was er oder sie will, die Musik machen, die er oder sie mag, und lernen und erforschen, was er oder sie möchte. Bis es jedoch so weit war, gab es manchen Kampf auszufechten. Umso wichtiger ist es, dass wir uns dafür einsetzen, dass es so bleibt! Denn Freiheit ist etwas ganz Wichtiges, um die Dinge tun zu können, zu denen ein Mensch sich berufen fühlt.

Postkarten und Briefe Walter Benjamins
Sicherlich hatte aber in Paris manche und mancher auch hin und wieder Heimweh oder wollte einfach das Erlebte mit anderen teilen und schrieb Postkarten und lange Briefe an Freundinnen und Freunde, meistens noch in akkurater Schrift von Hand, wie hier zu bestaunen.

Wer auf der Flucht war, wie der große Denker Walter Benjamin, musste außerdem sehr unauffällig leben und hatte vielleicht auch nicht immer genügend Papier zur Verfügung. Ob er deshalb in so winzig kleiner Schrift schrieb?

Fotos von einem Besuch Rilkes
im Tagebuch seines Freundes Harry Graf Kessler



In Paris war auch der Dichter Rainer Maria Rilke, der hier auf alten Fotos im Tagebuch seines Freundes zu bewundern ist. Wenn ihr hier schon früher mitgelesen habt, kennt ihr ihn von dem Gedicht "Das Karussel", zu dem ich an anderer Stelle schon einmal ein schönes Bilderbuch vorgestellt habe. Ihr findet es, wenn ihr hier klickt.





"Das Karussel" - Original-Handschrift von Rainer Maria Rilke
Die Original-Handschrift zum "Carrussel" ist ebenfalls in Marbach ausgestellt. Denn auch dieses Karussel hat etwas mit Paris zu tun, es befand sich dort in einem bekannten Park, dem "Jardin du Luxembourg". Oft ging Rilke jedoch auch in den "Jardins des Plantes", den Pflanzengarten, also den Botanischen Garten mit einem Zoo, in dem damals große Tiere leider noch in Käfigen ausgestellt waren. Unter diesen Tieren gab es einen Panther, der den Dichter sehr beschäftigte und ihn zu einem seiner schönsten Gedichte inspirierte:

Der Panther

Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

Rainer Maria Rilke



Ein nachdenkliches und bei aller Schönheit seiner Bilder im Grunde auch trauriges Gedicht, das uns zum Nachdenken bringen kann, darüber, wie Menschen mit Tieren umgehen und was sie ihnen manchmal antun!

Zum Glück leben in Europa Zootiere heute eher in Freigehegen, die ihrer Art und ihren Bedürfnissen etwas besser gerecht werden. Dennoch ist ein Gehege von der Größe des Jagdreviers eines Panthers in keinem noch so gut aufgestellten Zoo möglich.

Der letzte Panther, den ich in einem Zoo sah - ich gehe nicht so oft in Zoos -, lag in der Stuttgarter Wilhelma zum Glück sehr entspannt auf einem hoch angebrachten Baumstamm im Schatten und musste nicht in einem engen Käfig im Kreis herumlaufen. Zoos, wo solches noch der Fall ist, sollte man besser nicht unterstützen.

Zu Rilkes Panther-Gedicht gibt es nun auch ein wunderschönes Bilderbuch mit beeindruckenden Illustrationen von Julia Nüsch, in dessen Verlauf wir den Dichter auf seinem Spaziergang in den "Jardin des Plantes" begleiten können und die Welt für einen Augenblick mit den Augen des Panthers sehen lernen.

Der Panther
von Rainer Maria Rilke
mit Bildern von Julia Nüsch
Berlin 2018 (Kindermann)
ISBN 978-3-934029-71-2
€ 15,90
Überall im Buchhandel



Das Schöne am Herbstbeginn: Es gibt neue Bücher! Und so ist auch nun endlich das dritte Buch von unserem geliebten Oskar erschienen. Diesmal geht es darum, was Oskar so alles kann.

Auch wenn die Oskar-Bücher schon für die Kleinsten geeignet sind, weil sie wenig Text zu eindrucksvollen Bildern enthalten, mögen auch die Größeren den charmanten Raben. Vor allem Kindern, die erst Deutsch lernen, kann er eine Hilfe sein, neue Wörter zu lernen und nach und nach auch von sich selbst zu erzählen.

Britta Teckentrup:
Oskar kann ...
München-London-New York 2018 (Prestel)
ISBN: 978-3-7913-7360-7
€ 12,99
Überall im Buchhandel



Auf ein weiteres tolles Bilderbuch bin ich durch Zufall gestoßen. Es handelt von Finn, der sich ein Tier wünscht. Sofort! Am liebsten einen Löwen! Seine Mutter wendet ein, dass dies zu gefährlich sei, denn womöglich frisst solch ein Löwe den Postboten. Mit einem Happs! Aber Finn lässt sich nicht entmutigen und hat noch ganz andere Vorschläge auf Lager. Auf welche Lösung sich Finns Familie schließlich einigt, erfahrt ihr, wenn ihr die farbenfrohe Traumreise durch die Welt der Wunschtiere gemeinsam mit Finn antretet, indem ihr euch durch das Buch blättert.

Annemarie van der Eem & Mark Jansen:
Ich will einen Löwen!
Aus dem Niederländischen von Eva Schweikart
Frankfurt 2018 (S. Fischer-Sauerländer)

ISBN: 978-3-7373-5582-7
€ 14,99
Überall im Buchhandel




Aber es kommt nicht darauf an, sich unbedingt ein "eigenes" Haustier zu halten. Tiere sind nicht zu unserer Unterhaltung da! Sie haben kein leichtes Leben mit uns Menschen und brauchen unsere Fürsorge und unseren Schutz. Dafür kann sich jede und jeder einsetzen, auch ohne ein Tier zuhause zu haben.

Egal, ob groß, ob klein - seid Botschafterinnen und Botschafter der Tiere! 

Ich wünsche euch einen schönen, farbenfrohen Herbst!

Herzliche Grüße

Eure Betty



Kommentare:

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    Betty

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