Dienstag, 6. Januar 2015

Winterzeit - Lesezeit


"Viele Winter und viele Sommer sah ich gehen. Geduld nur, Geduld! Der Frühling ist nah."

Aus Astrid Lindgrens "Tomte Tummetott"







Auch bei uns hat nun der Winter seinen Einzug gehalten und uns in manchen Gegenden während der Ferien einige Schneetage beschert, die viele Kinder gern zum Rodeln nutzten. Weihnachten ist schon vorüber, ein neues Jahr hat begonnen und heute ist nun bereits der Tag der Heiligen Drei Könige, der Weisen aus dem Morgenland, die sich nach der Erzählung auf den Weg nach Bethlehem gemacht hatten, um nach dem Kind in der Krippe zu schauen. So finden wir derzeit auch in vielen Kirchen schöne Krippen und Krippenlandschaften aufgebaut, die noch während des ganzen Monats Januar bestaunt werden können, denn eigentlich endet die Weihnachtszeit erst am Lichtmesstag, dem 2. Februar, wenn dann wirklich der Frühling nicht mehr allzu fern ist.


Während eines Besuchs bei Freunden am Rhein hatte ich während der letzten Tage Gelegenheit, mir zwei schöne Krippen anzusehen, zum einen Europas größte Wurzelholzkrippe in Rheinbrohl (oben) und die Krippe im Kloster Maria Laach.


Manchmal spricht mich eine Figur besonders an, so ging es mir in Maria Laach mit dem kleinen Hirtenmädchen, das mit seinem Schäfchen auf dem Arm so ganz versunken wirkt. Vielleicht erinnert es mich an mich selbst, denn ich war als Kind überall zu finden, wo es Tiere gab, und trug nur allzu gern die Zicklein einer Tante auf dem Arm herum. Sogar ein Kopftuch trug ich hin und wieder, weil ich sehr oft Ohrenschmerzen hatte. So kann man sich manchmal in einer bestimmten Figur wiederfinden und sich an ihre Stelle versetzen.



Die Winterzeit ist natürlich allerbeste Lesezeit und eignet sich besonders gut, es sich bei einer Tasse Tee oder Kakao mit einem Buch gemütlich zu machen. Im Kindergarten lassen sich die Kinder wie stets gern vorlesen. Eine Wintergeschichte, die sie besonders mochten, ist Tomte Tummetott von Astrid Lindgren mit jenen bezaubernden Bildern von Harald Wiberg, die seit über fünfzig Jahren Kindern und Erwachsenen Freude machen. Sie wollten sie immer wieder hören, weil sie, wie sie sagten, "so schön" sei. Besonders mochten sie auch den sich wiederholenden Vers: "Viele Winter und viele Sommer sah ich gehen...", es schien, als würde er uns allen helfen, ein wenig zur Ruhe zu finden und uns zu entspannen, was heute für Kleine wie Große manchmal gar nicht so einfach ist.

Astrid Lindgren/Harald Wiberg: Tomte Tummetott,
Verlag Friedrich Oetinger, Hamburg, 1960
12,90 €
ISBN: 978-3-7891-6130-8

Link zum Buch: Tomte Tummetott




Astrid Lindgren/Harald Wiberg: Tomte und der Fuchs
Verlag Friedrich Oetinger, Hamburg 1966
12,90 €
ISBN: 978-3-7891-6131-5

Link zum Buch: Tomte und der Fuchs

Von Otfried Preußler, Autor der Geschichten von der kleinen Hexe, dem kleinen Gespenst und dem kleinen Wassermann, von Hörbe und Räuber Hotzenplotz, der im Februar des letzten Jahres leider verstorben ist, gibt es eine Sammlung winterlicher Geschichten, die sich besonders gut für die kalte Jahreszeit eignen. Das Buch lässt uns Wiedersehen feiern mit manchen unserer alten, liebgewonnenen Freunde, enthält aber auch ebenso schöne, weniger bekannte Geschichten.

Otfried Preußler: Winterzeit, tief verschneit
Thienemann Verlag, Stuttgart/Wien 2011
16,95 €
ISBN: 978-3-522-18228-7

Link zum Buch: Winterzeit, tief verschneit 




Viele Kinder lieben Musik, manche singen gern oder spielen ein Instrument. Und vielleicht haben sich manche von Euch schon einmal die Frage gestellt, seit wann es Musik gibt, wie sie in früheren Zeiten entstanden ist und sich entwickelt hat. Die Geschichte der Musik besteht aus vielen spannenden Geschichten, die Rudolf Herfurtner in dem Buch "Ohne Musik ist alles nichts" sehr  lebendig erzählt. Die gebundene Ausgabe des Buches erschien vor sieben Jahren im Hanser Verlag, seit diesem Jahr ist es nun auch als Taschenbuch in der Reihe Hanser bei dtv (Deutscher Taschenbuch Verlag) erhältlich. Empfohlen ist es für Kinder ab 10 Jahren, wobei dies nicht bedeutet, dass sich nicht auch Jüngere schon herantrauen dürfen. Und auch viele Erwachsene lassen sich Geschichte lieber in Geschichten erzählen, als nur in ein Lexikon zu schauen.

Rudolf Herfurtner: Ohne Musik ist alles nichts
Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2015
9,95 €
ISBN: 978-3-423-62591-3

Link zum Buch: Ohne Musik ist alles nichts
 

So wünsche ich Euch und uns einen schönen Lesewinter und ein gutes Neues Jahr 2015!

Bis bald!

Eure Betty

Sonntag, 16. November 2014

Im Herbst auf Reisen - mit Büchern im Gepäck

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: »Junge, wiste 'ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn.«



So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. 's war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.«
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
Sangen »Jesus meine Zuversicht«,
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
»He is dod nu. Wer giwt uns nu 'ne Beer?«

So klagten die Kinder. Das war nicht recht -
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was damals er tat,
Als um eine Birn' ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gingen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet's wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung' übern Kirchhof her,
So flüstert's im Baume: »Wiste 'ne Beer?«
Und kommt ein Mädel, so flüstert's: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew' di 'ne Birn.«

So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

Theodor Fontane



Die "liebe Herbsteszeit" in Theodor Fontanes Gedicht, das ich sehr mag, - nun, sie ist leider viel schneller verstrichen, als es mir lieb sein konnte. Sie war für mich angefüllt mit Lernen und Reisen, und ich habe sie sehr genossen, nur, dass ich allzu gern mehr Zeit für dieses Blog gehabt hätte, das mir sehr am Herzen liegt.

An Fontanes Gedicht musste ich denken, als mich mein Weg durchs Havelland, führte, jene bezaubernde Flusslandschaft in der Nähe von Berlin, und links und rechts der Autobahn Kraniche auf ihrem Durchzug in den Süden rasteten.


Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland
von Theodor Fontane
illustriert von Bernd Streiter
Ueberreuther Verlag, Berlin 2012
14,95 €
ISBN: 978-3-219-115146-8


Da ich die 125 Jahre alte Ballade vom Birnbaum des Dichters Theodor Fontane schon in meiner Kinderzeit liebte, kam mir in den Sinn, dass es hierzu doch auch ein Buch für Kinder geben müsste, und bin schließlich fündig geworden. Dieses schöne, stimmungsvolle Bilderbuch mit Aquarellen von Bernd Streiter erzählt anschaulich die Geschichte des adligen Herrn, der Kindern stets gern von den Früchten seines Baums abgab. Als er jedoch alt geworden war und wusste, dass er nicht mehr lange zu leben hatte, kam ihm in den Sinn, dass sein geiziger Sohn den Kindern wohl nichts übrig lassen würde. Er dachte nach und hatte alsbald eine Idee!

Wer gern mehr über das Gedicht und die Zeit, in der es entstand, erfahren möchte, kann sich darüber hinaus auf der Internet-Seite der Ur- und Ur-Ur-Enkel des Herrn von Ribbeck umsehen, die hierzu vieles gesammelt haben. Hier geht es zur schön gestalteten Homepage der Familie von Ribbeck.

Über meine Reisen werde ich in meinem Haupt-Blog Betty's Corner in wenigen Tagen ausführlicher berichten. Ihr dürft gern auch dort hineinschauen. Hier möchte ich nur erzählen, was für insbesondere Kinder interessant sein könnte.


Wer die vier pfiffigen Gesellen im Bild kennt, wird schnell erraten, wohin mich eine Studienreise geführt hat. Auch wenn die Stadtmusikanten im Märchen dort ja bekanntlich nie angekommen sind, weil sie inzwischen das Räuberhaus im Wald als neue Bleibe passend gefunden hatten, hat die Stadt Bremen ihnen eines Tages ein Denkmal an die Seite ihres Rathauses gesetzt, das, wie ich finde, sehr gut dort hin passt. Selbst im Dunkeln machen Esel, Hund, Katze und Hahn doch eine gute Figur, oder was meint Ihr?



Interessante Orte für Kinder entdecken war Sinn und Zweck dieser Reise, und so konnte ich deren einige kennenlernen und näher anschauen, wie die Freinet-Kindertagesstätte Prinzhöfte, im schönen Naturpark Wildeshauser Geest gelegen. Diese befindet sich in einem ehemaligen Bauernhof mit einem großen Garten- und Naturgelände rings herum, was bedeutet: Jede Menge Platz zum Toben und Spielen, Herumstrolchen und Entdecken, aber auch die Möglichkeit, einen Garten zu gestalten und mit Tieren umzugehen. Die Kinder dort bringen ihre eigenen Ideen ein und entscheiden über die Dinge, die sie selbst und das Leben und Lernen in der KiTa betreffen, gleichberechtigt mit. Das Konzept der Kindertagesstätte orientiert sich nach dem französischen Dorfschullehrer Célestin Freinet, der sich vor etwa hundert Jahren sehr viele Gedanken darüber gemacht hat, wie Kinder besser lernen können, und den Mut hatte, den Unterricht an seiner Schule völlig anders zu gestalten, als damals - und leider muss ich sagen: auch noch heute an den meisten Schulen - üblich.



Ein weiterer Ausflug führte mich zu einer Stadtteilfarm in einem Bremer Vorort, wo im Rahmen von offener Kinder- und Jugendarbeit Kinder in ihrer Freizeit Erfahrungen mit Tieren sammeln können. Auf einem großen Gelände finden sich dort Pferde, Esel, Ziegen, Schafe, Mini-Schweine, Katzen, Gänse, Laufenten und sogar Alpaka-Lamas, so dass sich für jeden ein Lieblingstier finden dürfte. Ich selbst hatte dort Gelegenheit, Erfahrungen mit Alpakas zu sammeln. Diese Tiere waren auch für mich recht neu, da ich solche zuvor immer nur hinter Zäunen bestaunt hatte. Hier ging es nun darum, ihnen ein Halfter anzulegen und mit ihnen über einen Parcours zu gehen, ein besonderes Abenteuer, da es sehr reservierte und eigenwillige Tiere sind. Gleichwohl sind sie aber sehr charmant und sanft, und ich kann Euch entgegen allem, was man Euch über sie erzählt haben mag, versichern: Sie spucken keineswegs, wenn man freundlich mit ihnen umgeht! 























Kaum hatte ich nach der Rückkehr aus Bremen die Koffer ausgepackt, konnte ich sie auch schon wieder einpacken, denn die Herbstferien wollte ich in diesem Jahr auf der schönen Insel Rügen verbringen. Ich wohnte dort ganz in der Nähe der berühmten Kreidefelsen, die seit Jahrhunderten viele Maler und Dichter inspiriert haben. Und sie sehen auch wirklich aus wie gemalt!









Wer genau hinschaut, sieht die Menschen unten am Strand ameisenklein und kann sich so gut vorstellen, wie hoch die Klippen dort sind. Dass es gilt, Acht zu geben und nicht zu nahe an die Kante zu treten, auch keine Absperrzäune zu überklettern, versteht sich in diesem Fall von selbst!






Für alle, die in diesem Jahr ihre Ferien auch an der See verbracht haben und jetzt an regnerischen Novembertagen vielleicht noch dabei sind, ihre gesammelten Schätze zu sortieren, habe ich ein Strandsteine-Bestimmungsbuch für Kinder gefunden, an dem auch Kinder mitgearbeitet haben. Anhand guter Fotos lassen sich die Steine gut vergleichen und es lässt sich vieles über ihre Herkunft erfahren.


Frank Rudolf: Strandsteine für Kids,
Wachholtz Verlag, Neumünster 2011

9,90 €
ISBN: 978-3-529-05414-3


















Natürlich gehören zur See auch Leuchttürme und meine Lieblingsleuchttürme will ich Euch hier nicht vorenthalten. Zu ihnen gehört der besonders schöne Leuchtturm Dornbusch auf der Insel Hiddensee, die man von Rügen aus mit der Fähre erreichen kann. Die Bilder zeigen, dass es auch bei Nebel reizvoll sein kann, hinzuwandern. 













Und weil wegen des Wetters das übliche Gedränge weg fiel, hatte ich genügend Ruhe und Zeit, mir seine Laterne genauer anzuschauen.

 










Das Besondere an Hiddensee: Es gibt dort keine Autos - und deshalb auch keinen Lärm und Gestank. Man geht zu Fuß, fährt Fahrrad oder nimmt die Pferdekutsche.















Am nördlichsten Punkt Rügens liegen die beiden Leuchttürme von Kap Arkona. Der kleinere ist der ältere von ihnen und heute nicht mehr in Betrieb, aber man kann beide besichtigen, - sofern man fit ist im Treppensteigen. Es lohnt sich dies auf jeden Fall und zwischendurch ergeben sich immer wieder ungewöhnliche Aus- und Durchblicke von Turm zu Turm.




























































Und da es im Herbst gerade im Norden sehr früh dunkel wird, konnte ich bereits auf dem Nachhauseweg das Leuchtfeuer beobachten.

An meinem letzten Tag fand ich dann, als wenn es so sein sollte, noch ein Buch mit Vorlesegeschichten, die allesamt an der Ostsee spielen. Sie sind von dem leider in diesem Sommer im Alter von fast 89 Jahren verstorbenen Benno Pludra, der in der damaligen DDR bekannter war als in der Gegend, in der ich wohne. Ich selbst hatte jedoch als Kind Verwandte in der DDR, die mir Bilderbücher schickten, und so kennen nun auch meine Kindergartenkinder "Heiner und seine Hähnchen", den Jungen mit dem weißblonden Igelhaar, der am Strand einschläft, als er Sand für seine Hähnchen holen will, denen Regenpfeifer, Möwe und Kiebitz nach ihm suchen helfen. Auch seine Geschichte findet sich selbstverständlich in diesem Buch, das mit ins Gepäck musste, und auf das vorzulesen ich mich schon freue.


Benno Pludra:
Bootsmann, Lütt Matten und all die anderen
Die schönsten Vorlesegeschichten
Verlagsgruppe Beltz, Weinheim 2011

14,95 €

ISBN 978-3-407-77114-8















So wünsche ich Euch einstweilen noch ein paar schöne Herbsttage, die wir in diesem Jahr etwas länger genießen dürfen! Und für Regenwetter gibt es ja zum Glück - Bücher!

Herzliche Grüße

Eure Betty




Samstag, 23. August 2014

Vierbeinige Freunde fürs Leben

"Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast."

Antoine de Saint-Exupéry

(Aus: Der kleine Prinz)






Lisa ist ein fröhliches Mädchen, das Tiere liebt und sich nichts sehnlicher wünscht als einen Hund. Sie malt sich aus, wie schön es wäre, mit ihrem Hund spazierenzugehen, ihn zu füttern und zu pflegen, mit ihm zu spielen und ihm Kunststücke beizubringen. 

Ihre Eltern sehen das anders. Sie geben zu bedenken, dass ihre Wohnung zu klein ist, dass ein Hund viel Zeit und Zuwendung braucht, dass die Familie auch in den Urlaub fahren will und ein Hund dann nicht einfach abgeschoben werden kann. Lisa gibt nicht auf und hat auf jeden Einwand ein Gegenargument, aber alles hilft nichts: Kein Flehen und Betteln, nicht einmal auffälliges "Bravsein" und freiwilliges Helfen im Haushalt, - auch keine Wutausbrüche. Selbst als sie das Essen verweigert, sind die Eltern zwar sehr besorgt, aber sie kaufen ihrer Tochter noch immer keinen Hund. Lisa beschließt, dass es so nicht weitergehen kann. Sie hat einen Einfall - und setzt ihn augenblicklich in die Tat um!

Helga Bansch: Lisa will einen Hund
Verlag NordSüd, 2009, Zürich
ISBN: 978-3-314-01678-3

€ 12,95
Zur Homepage der Autorin


Helga Banschs pfiffiges Hundebuch mit den schönen und humorvollen Illustrationen gehört zu den Bilderbüchern, die sich die Kinder im Kindergarten immer wieder vorlesen lassen. Wie Lisa wünschen sich viele ein eigenes Haustier, manche haben auch eines oder mehrere zuhause, manche besuchen Großeltern oder andere Verwandte oder Freunde, die Tiere haben. So sind ihre Erfahrungen mit Tieren ganz unterschiedlich. Immer wieder sind wir beim Anschauen des Buches über Haustiere und auch über andere Möglichkeiten, sich um ein Tier kümmern zu können, ins Gespräch gekommen.

Über eines waren sich alle einig: Ein Tier ist kein Spielzeug. Es ist auf unsere Fürsorge angewiesen - und das immer! Da kann es auf keinen Fall nach Lust und Laune gehen. Dafür gewinnen wir einen Freund fürs Leben. Und einen Freund lässt man nicht im Stich. Niemals!


Die Verantwortung für ein Tier - auch für das allerkleinste - ist eine ernste Sache, und den meisten Kindern ist es damit ernst. Aber Verantwortung allein zu tragen kann manchmal zuviel werden; sie kann uns, wie wir dann oft sagen "über den Kopf wachsen". Es ist einfach nicht fair, wenn die Großen sagen: "Gut, ich kaufe dir ein Tier, damit du endlich Ruhe gibst, aber ich will nichts damit zu tun haben. Du hast alleine dafür zu sorgen!" So etwas ist für ein Kind nicht zu schaffen. Manchmal nicht einmal für einen Erwachsenen! Gut für ein Tier sorgen bedeutet viel Arbeit. Es kann auch einmal Probleme machen. Oder krank werden. Dann braucht man Rat, Hilfe und Unterstützung. 

Wer über ein eigenes Tier nachdenkt, sollte sich ernsthaft fragen, ob denn die ganze Familie ein Tier möchte und bereit ist, sich die Verantwortung zu teilen. Dann können auch alle gemeinsam Freude an dem Tier haben. Ist dies aber nicht so, werden Mensch und Tier nicht glücklich. Dann ist Plan A nicht durchzuführen. 

Aber wie wir bei Lisa sehen können, gibt es noch Plan B. Ich denke, ich werde keinem die Vorfreude auf das Buch verderben, wenn ich erwähne, dass Lisa sich einen Leihhund sucht und einen solchen auch findet und ihn lieb gewinnt. Die Kinder im Kindergarten halten das übrigens für eine sehr gute Idee. Oft erzähle ich ihnen von meiner Leihkatze, dem sechzehn Jahre alten schwarzen Kater Felix. Nein, gar nicht ganz schwarz; wer genau hinschaut, sieht den Ansatz zu einem weißen Lätzchen!


Er gehört zu den Besitzern des Hauses, in dem ich eine Dachwohnung gemietet habe, und er kommt zu mir herauf, wann immer er Lust hat. Von Anfang an habe ich mich gefreut, in ein Haus zu ziehen, in dem bereits eine Katze wohnt. Wenn man mich fragt, sage ich, ich wohne in einem "Miez-Haus"!

Einer eigenen Katze gegenüber hätte ich ein schlechtes Gewissen, weil ich sie tagsüber zu lange allein lassen müsste. Felix jedoch hat noch seine Familie und vermutlich noch mehr Freunde in der Straße, von denen wir gar nichts wissen, denn Katzen haben so ihre Geheimnisse!



 
Ein Leihtier bedeutet nicht, keine Verantwortung zu haben. Es kann ebenso zu einem vertrauten Freund werden wie ein eigenes. Und wie es der Fuchs in der Geschichte vom Kleinen Prinzen sagt: Wir sind zeitlebens verantwortlich für das, was wir uns vertraut gemacht haben. Es bedeutet für mich, dafür zu sorgen, dass immer eine Schale frisches Wasser vor der Tür steht, vor allem im Sommer, und auch in meiner Wohnung stets eine saubere Toilettenkiste mit frischer Streu für dringende Bedürfnisse bereit zu halten. Es bedeutet auch öfters einmal, nachts aufzustehen, wenn ich höre, wie der Regen aufs Dachfenster prasselt, zwei Treppen hinunterzulaufen und nachzusehen, ob die Katze, die als Freigänger nachts gern draußen ist, vielleicht lieber herein möchte. Und es bedeutet natürlich, ihr mein geliebtes Sofa jederzeit zur Verfügung zu stellen und mich auch einmal woanders hinzusetzen, wenn sie gerade meinen Stuhl besetzt hält.


Noch nicht einmal mag ich mehr für lange Zeit wegfahren, obwohl ich das jederzeit könnte. Der Gedanke, die Katze könnte traurig vor meiner Tür sitzen und nicht verstehen, warum ihr niemand öffnet, beschäftigt mich während er ganzen Zeit, die ich woanders verbringe. Von einem Freund kann man nicht einfach "Urlaub machen" und nicht mehr an ihn denken, das geht nicht! 

Und auch für einen Leihhund, wie Lisa ihn schließlich findet, wäre es schlimm, eines Tages plötzlich nicht mehr zum Spazierengehen und Spielen abgeholt zu werden, wenn sie womöglich irgendwann keine Lust mehr dazu hätte. So wie wir Lisa aber im Buch kennengelernt haben, ist solches zum Glück nicht zu befürchten. Wer so lange um einen Hund gekämpft und niemals aufgegeben hat, hat gewiss das Zeug, einem Tier ein Freund fürs Leben zu sein.

Dass Ihr - Kleine wie Große - stets Freunde fürs Leben - egal mit wieviel Beinen! - findet und daran denkt, gut für sie zu sorgen, wünscht Euch

Betty